Wahlen

Zu viel schlechte Publicity: Weshalb Mörgeli gescheitert ist

Muss seinen Stuhl im Nationalratssaal räumen: Christoph Mörgeli (SVP).

Muss seinen Stuhl im Nationalratssaal räumen: Christoph Mörgeli (SVP).

Die Abwahl des Zürcher SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli hat alle überrascht. Als Grund sehen Politiker reihum die Affäre an der Universität Zürich.

Am Tag nach den Wahlen zählt Christoph Mörgelis Rauswurf aus dem Nationalrat zu den bestimmenden Themen. Der Stäfner SVP-Politiker und langjährige Nationalrat war auf Listenplatz 2 gestartet und wurde auf den 20. Platz durchgereicht. Zuletzt fehlten Mörgeli gut 2300 Stimmen zur Wahl. Die Differenz zu Shooting-Star Roger Köppel, der von Listenplatz 17 an die Spitze stürmte, beträgt mehr als 55 000 Stimmen. Offensichtlich wurde Mörgeli von zahlreichen SVP-Wählern gezielt gestrichen.

Prominent und doch verloren

Prominent und doch verloren

Gestern mochten sich einige Politiker nicht zum tiefen Fall von Mörgeli äussern. Wer es doch tat, vermutete als eine der Ursachen, die Geschehnisse um das Medizinhistorische Institut der Universität Zürich. Mörgeli war 2012 wegen des Zustands der Sammlung in interne Kritik geraten. Der Fall wurde vom «Tages-Anzeiger» publik gemacht und die Sache gipfelte in Mörgelis Entlasssung. Dieser sah sich als Opfer einer Mobbingkampagne und setzte sich mit rechtlichen Mitteln zur Wehr.

Da war er noch siegessicher: Christoph Moergeli, Nationalrat Kanton Zuerich, spricht mit einem Sympathisanten waehrend dem Wahlkampfauftakt der Zuercher SVP, "SVP bi dae Luet", im Zeughausareal Uster.

Da war er noch siegessicher: Christoph Moergeli, Nationalrat Kanton Zuerich, spricht mit einem Sympathisanten waehrend dem Wahlkampfauftakt der Zuercher SVP, "SVP bi dae Luet", im Zeughausareal Uster.

«Häme ist falsch am Platz»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala sagt, sie wolle nicht nach jemandem treten, der am Boden liege. «Es ist verfehlt, wenn man in einer solchen Situation Häme empfindet.». Sie habe sich zwar oft über ihn geärgert, Mörgeli habe aber viele Facetten. Er sei nicht bloss einer der scharfzüngigsten Politiker, er könne auch witzig und philosophisch sein. Man solle sich nicht dem Trugschluss hingeben, dass man mit Mörgelis Abwahl der Versachlichung der Politik näherkomme. Die nachrückenden SVP-Exponenten seien ebenso scharfzüngig wie Mörgeli. «Wir müssen uns warm anziehen», sagt Fiala.

SVP-Triumph

TalkTäglich am Montagabend: Christoph Blocher macht Christoph Mörgeli vor laufender Kamera ein Job-Angebot.

«Ätzender Sarkasmus»

Auch Balthasar Glättli (Grüne) erwartet kein politisches Tauwetter in Bern. Nur schon wegen der Mehrheitsverhältnisse. Die SVP-Wähler hätten mit Roger Köppel eine Alternative zu Mörgeli gehabt. Köppel sei der begabtere Rhetoriker und verfüge über ein breiteres Register. «Bei Mörgeli war es meist der ätzende Sarkasmus desjenigen, der ohnehin Recht hat», sagt Glättli.

Der scheidende SP-Nationalrat Andreas Gross kritisiert die Medien, die «heute nicht mehr hinter die Kulissen schauen». Deshalb sei ihnen auch die prekäre Situation von Mörgeli verborgen geblieben. Gross vermutet, dass dem SVPler «sein aggressives Verhalten  in der Uni-Affäre geschadet hat». Aus seiner Sicht hätte Mörgeli besser Fehler eingestanden und sich entschuldigt. «Das hätte man ihm verziehen.»

Alt-Bundesrat Christoph Blocher freute sich auf Teleblocher über das Wahlergebnis der SVP und bedauerte gleichzeitig Mörgelis Abwahl. In den Verantwortlichen der Universität hat Blocher Mitschuldige gefunden: «In den letzten vier Jahren haben sie Mörgeli gezielt kaputtgemacht.»

Mörgelis Politkarriere begann 1997, als er in den Zürcher Kantonsrat nachrückte. Seit 1999 politisierte er im Nationalrat. Als Parteistratege nahm er eine wichtige Rolle innerhalb der SVP ein. Er war massgeblich daran beteiligt, dass Blocher 2003 die Wahl in den Bundesrat schaffte.

Privat geriet Mörgeli 2008 in die Schlagzeilen. In Stäfa verunfallte er mit seinem Auto und verletzte sich schwer. 2011 erreichte er – bei sinkendem Wähleranteil der Partei – das drittbeste Resultat der Zürcher SVP-Liste.  Am vergangenen Wochenende war für ihn verkehrte Welt.

Welche Rolle Mörgeli künftig in der Partei spielen wird, ist noch nicht bekannt. Gestern waren weder Mörgeli noch Alfred Heer, der Präsident der Zürcher Kantonalpartei zu erreichen.

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