Stadionbau
ZSC-Geschichte führt vom Dolder übers Hallenstadion nach Zürich Altstetten

Frühestens 2019 sollen die Eishockey-Cracks der ZSC Lions ein neues Stadion in Zürich Altstetten erhalten. Anlass für eine kurze Eiszeitreise durch die Geschichte des Zürcher Schlittschuhclubs.

Matthias Scharrer
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Das ZSC-Meisterteam von 1949 bei der Begrüssung vor dem letzten Saisonspiel gegen den HC Davos auf der Eisbahn Dolder in Zürich.

Das ZSC-Meisterteam von 1949 bei der Begrüssung vor dem letzten Saisonspiel gegen den HC Davos auf der Eisbahn Dolder in Zürich.

Keystone

Die Eishockey-Sektion des ZSC wurde 1930 gegründet. Im gleichen Jahr entstand nahe beim kurz zuvor eröffneten Zoo Zürich die Dolder Kunsteisbahn. Sie ist bis heute die grösste offene Kunsteisfläche Europas und wurde zur ersten Heimat der ZSC-Eishockeyaner. Hier stiegen sie 1932 in die oberste Spielklasse auf. Und hier entrissen sie erstmals 1936 und 1949 dem damaligen Dauersieger HC Davos den Meisterpokal. Das Finale auf der Dolder-Eisbahn fand 1949 vor der stolzen Kulisse von 12 000 Zuschauern statt, wie der Vereinschronik zu entnehmen ist.
Ein Jahr später zog der ZSC in die erste Schweizer Halleneisbahn um, die bis heute seine Heimat bleiben sollte: das Hallenstadion. 1939, im Jahr der Landesausstellung, war die damals grösste Sporthalle Europas im 1934 eingemeindeten Oerlikon eröffnet worden - primär für den Radrennsport. Ihre Erweiterung zur Eishockey-Halle ist vor dem Hintergrund politisch und wirtschaftlich dramatischer Zeiten zu sehen, wie im Hallenstadion-Magazin vom Mai 2005 nachzulesen ist.
Während des Zweiten Weltkriegs geriet nämlich die AG Hallenstadion mangels Veranstaltungen finanziell in arge Schieflage. Und für einen Moment sah es so aus, als ob das frisch gebaute Hallenstadion den Beziehungen zwischen dem «roten Zürich», der Schweiz und Nazi-Deutschland zum Opfer fallen könnte.
Erntedankfest der Nazis
Als 1942 die Deutsche Botschaft im Hallenstadion ein Erntedankfest veranstalten wollte, passte dies dem Zürcher Stadtrat überhaupt nicht. Stadtpräsident war damals Ernst Nobs, der ein Jahr später erster SP-Bundesrat werden sollte. Der Zürcher Stadtrat wollte eine Propagandarede von Ernst Wilhelm Bohle, dem Leiter der NSDAP-Auslandorganisation, verhindern, und drohte der AG Hallenstadion mit Subventionsentzug, sollte das Nazi-Erntedankfest in der Halle stattfinden.
Die Deutsche Botschaft drohte daraufhin, Kohlelieferungen an die Schweizer Industrie zu stoppen, worauf der Bundesrat sich einschaltete. «Nachdem ich Bundesrat von Steiger die finanzielle Lage des Hallenstadions dargelegt und betont hatte, dass es um das Schicksal des Unternehmens gehe, erklärte dieser, dass das Schicksal des Landes vor dem des Hallenstadions komme; der Vertrag müsse eingehalten werden, der Kohlevertrag sei lebenswichtig für die Schweiz», schrieb Oscar Bonomo, damals Verwaltungsrat der AG Hallenstadion, in seinen Memoiren.
Kurzum: Das Erntedankfest fand statt - und der Stadtrat strich der AG Hallenstadion die Subventionen. Es dauerte bis 1951, ehe das Hallenstadion erstmals schwarze Zahlen schrieb. Im Vorjahr war der Schweizer Meister ZSC als neuer Mieter mit viel Publikum eingezogen.
Mit dem geplanten Bau des neuen Eishockey-Stadions in Zürich Altstetten rückt nun das Ende der Eiszeit des ZSC im Hallenstadion näher. Terminkollisionen hatten sich seit der Neueröffnung des renovierten, multifunktionalen Hallenstadions 2005 gehäuft. So musste der ZSC für den grössten Erfolg seiner Vereinsgeschichte nach Rapperswil ausweichen, weil das Hallenstadion anderweitig besetzt war: In der Diners Club Arena gewann er 2009 das Champions-League-Finale gegen Metallurg Magnitogorsk.
Der nun geplante Komplex, zu dem nebst der Eishockeyarena auch eine Volleyballhalle gehört, soll ausschliesslich für Sportveranstaltungen dienen. So wollen es die Bauherren ZSC Lions und Volero Zürich. Die Eiszeitreise des ZSC geht weiter.

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