Hoch oben auf einem Baum hockt der kleine Ojo. Immer wieder tapst er mit den Vorderpfötchen nach einem grossen Holzrugel, den Mama Cocha in die Höhe stemmt. Sie züngelt Honig heraus, scheint das Teil aber gleichzeitig dem Kleinen als Tritthilfe hinzuhalten, damit er sicher vom Baum herunter kommt.

Aber Ojo will nicht. Immer wieder zieht er sich im letzten Moment zurück, bevor Cocha das Holz hinunterlassen kann. Nach einer Weile verleidet es der Mutter. Sie lässt das Holz an der Kette, mit der es am Baum festgemacht ist, hängen und trottet davon. Blitzschnell turnt Ojo zu Boden, rennt zur Mama, stupst sie kurz, tollt zurück zum Baum und sitzt auch schon wieder oben.

Ojo kam in der Nacht auf den 16. Februar zur Welt - nackt, blind und winzig. Die Geburt kam völlig überraschend, so Kuratorin Cordula Galeffi: Cocha habe durch nichts vermuten lassen, dass sie trächtig war. Nach anfänglichem Desinteresse erfülle sie ihre Mutterpflichten vorbildlich.

Brillenbären, die in Südamerika im Bergnebelwald der Anden leben, sind eine gefährdete Tierart. Wegen der zunehmenden Besiedelung geht ihr Lebensraum verloren, zudem werden die Tiere bejagt. Wenn es so weitergehe, würden die Tiere bis 2030 als "bedroht" eingestuft werden, sagte Galeffi.

Gefährdete Zwergflusspferde

Viel gemächlicher, als bei den Brillenbären geht es bei den Zwergflusspferden zu. Vom kleinen Onong ist nicht viel mehr zu sehen als der halbe Kopf. Der Rest des Kleinen ist unter Wasser. Hin und wieder planscht er ein wenig zu Mutter Anaïs hinüber oder reckt sich nach einem Blatt, das an einem Zweig überm Wasser hängt.

Erst als der Tierpfleger frische Salatblätter auf die Wiese wirft, stapft Anaïs langsam aus dem Wasser, gefolgt vom kleinen Onong. Der knabbert aber nur ein wenig an dem Grünzeug. Die Hauptnahrung des zweimonatigen Jungtiers bestehe aus Muttermilch erklärt Zoo-Kurator Robert Zingg.

Heute leben nur noch wenige Zwergflusspferde in der Natur. Die 353 Tiere, die am 1. Januar in 133 Institutionen in aller Welt lebten, dürften laut Zingg deutlich mehr als zehn Prozent des weltweiten Bestandes ausmachen. Auch diese Tiere gelten als "im Bestand gefährdet". Gründe für ihre Dezimierung sind die Jagd und die Abholzung von Wäldern.