Noch hat der Stadtrat von Dübendorf nicht entschieden, wie er im Detail auf die neue Projektauflage für die Zoo-Seilbahn reagieren wird. Sicher aber ist: «Wir werden sowohl zum Gestaltungsplan wie auch zum Plangenehmigungsverfahren Stellung beziehen», sagt Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP).

Für ihn ist es «nicht nachvollziehbar», dass die Verantwortlichen so wenig auf die Kritik eingegangen seien, welche die Gegner der Seilbahn schon bei der ersten Auflage angebracht hatten – und die letztlich dazu führte, dass das Verwaltungsgericht den Gestaltungsplan 2014 an die Baudirektion zurückwies. Dies mit dem Auftrag, Ergänzungen und Präzisierungen im Bereich der Verkehrserschliessung vorzunehmen.

So sähe die Talstation der Zooseilbahn beim Bahnhof Stettbach aus. Visualisierung

So sähe die Talstation der Zooseilbahn beim Bahnhof Stettbach aus. Visualisierung

Zoo: «öV-Lücke wird geschlossen»

Die Zoo Seilbahn AG beauftragte deshalb einen «neutralen Verkehrsplaner», ein Verkehrsgutachten auszuarbeiten. Gemäss den Auftraggebern bestätige das Papier, dass die Seilbahn einen Umsteigeeffekt von privaten auf öffentliche Verkehrsmittel bewirke; die öV-Lücke aus der Ostschweiz werde geschlossen.

Ziörjen hingegen spricht der Expertise jegliche Neutralität ab, es handle sich dabei eindeutig um ein Parteigutachten, das in sich widersprüchlich sei. «Einerseits wird von einer Umlagerung auf den öffentlichen Verkehr gesprochen, auf der anderen Seite weisen die Gutachter darauf hin, dass sich in einem Radius von 800 Metern 1000 Parkplätze befinden.» Für Ziörjen besonders stossend: «Die allermeisten davon sind private Firmenparkplätze und nicht öffentlich verfügbar.»

Der Zoo verkaufe die Seilbahn als Event, «und Events ziehen Leute an, von denen naturgemäss ein gewisser Prozentsatz mit dem Auto anreist», sagt Ziörjen. «Die zwischenzeitlich aufgehobenen Park+Ride-Plätze beim Bahnhof Stettbach werden in der Tiefgarage der neuen Überbauung zwar wieder zur Verfügung stehen, aber eben nur die ursprünglichen 95 Parkplätze.» Mehr wird es nicht geben. Bei der Teilrevision des kantonalen Richtplans etwa hat der Regierungsrat den Antrag der Zürcher Planungsgruppe Glattal abgelehnt, die eine Erhöhung auf 240 Parkplätze beantragt hatte. Ziörjen ist deshalb überzeugt, dass der Suchverkehr der Zoo-Besucher, welche die Seilbahn benützen möchten, die umliegenden Quartiere massiv belasten würde. «Gleichzeitig wären Polizeikontrollen aber Sache der Gemeinden, und das geht nicht auf.» Wie schon bei der ersten Auflage wehren sich die Anwohner vehement gegen die Pläne des Zoos. Die Sammeleinsprache der IG Zoo ohne Seilbahn wird aktuell von mehr als 150 Personen unterstützt, «und es kommen täglich neue dazu», sagt Hansjürg Lusti, Präsident der Interessengemeinschaft. Eine Verbesserung sieht auch er nicht: Es seien ein paar Masten verschoben und teilweise erhöht worden, mehr auch nicht.

Die Vergrösserung der Gondeln mache es nun sogar möglich, dass die Leute ihre Velos mitnehmen und dann vielleicht durch das Sagentobel wieder runterfahren. «Das erhöht den Freizeitdruck erheblich – ausgerechnet in einem einzigartigen Stück Natur, das sich im Inventar schützenswerter Landschaften befindet.» Es sei zwar eine gute Sache, wenn sich der Zoo für Koalas und den Regenwald einsetze. «Dabei sollte er aber nicht den Schutz der Natur vor der eigenen Haustüre vergessen.»

Eingriff in die Privatsphäre

Das Verkehrsgutachten ist für den Stettbacher viel zu optimistisch verfasst: «Es geht von der Annahme aus, dass sich Familien bei ihren Ausflügen rational und ökonomisch verhalten.» Dabei sei die Anreise mit dem öV gerade aus der Ostschweiz alles andere als komfortabel, «denn da muss man am Bahnhof Winterthur erst einmal eine halbe Stunde auf den Anschluss warten». Für Lusti bedeutet die Zoo-Seilbahn einen Eingriff in seine Privatsphäre. «Die Leute könnten direkt in meinen Garten schauen. Und es gibt Anwohner, die trifft es noch härter, denen fährt sie genau über das Dach.» Da spielten dann auch Lärmimmissionen eine grosse Rolle, so Lusti. Und auf jeden Fall seien für die Realisierung des Vorhabens diverse Enteignungen nötig. Dass die Anwohner dies alles aufgrund eines übergeordneten öffentlichen Interesses hinnehmen müssten, sieht er nicht ein. «Denn hier geht es lediglich um die Interessen einer privaten AG.»