Verstimmung in der Zürcher SP: Die frischegewählte Regierungsrätin Jacqueline Fehr will ihren Nationalratssitz bis zu den Wahlen im Herbst behalten. Das bedauert die Wädenswiler Gewerkschafterin Julia Gerber Rüegg, welche bei einem vorzeitigen Rücktritt von Fehr nachrücken würde.

Möchte in den Nationalrat nachrücken, darf aber nicht: Die Wädenswiler Gewerkschafterin Julia Gerber Rüegg.

Möchte in den Nationalrat nachrücken, darf aber nicht: Die Wädenswiler Gewerkschafterin Julia Gerber Rüegg.

Denn mit dem Bisherigen-Bonus hätte sie es leichter, gewählt zu werden. «Für mich ist die Entscheidung zu akzeptieren. Aber man kann darüber diskutieren, wie klug das ist», sagt Gerber Rüegg gegenüber «Tele Züri». 

Jacqueline Fehr (Mitte) neben ihren neuen Kolleginen im Zürcher Regierungsrat, Silvia Steiner, links, und Carmen Walker Späh, rechts.

Jacqueline Fehr (Mitte) neben ihren neuen Kolleginen im Zürcher Regierungsrat, Silvia Steiner, links, und Carmen Walker Späh, rechts.

Die Partei steht hinter Fehr und verneint, dass die Entscheidung bewusst gegen die Gewerkschafterin Gerber Rüegg gerichtet war: «Die Dauer, welche Gerber Rüegg nachrücken könnte, wäre sehr kurz gewesen und die Möglichkeiten sich zu profilieren gering», sagt Kantonalpräsident Daniel Frei.  Und er fügt an: «Wir machen es gleich wie 2003 bei Regine Aeppli und 2011 bei Mario Fehr.»

«Der parteiinterne Nominationsprozess läuft», sagt SP-Kantonalpräsident Daniel Frei.

«Der parteiinterne Nominationsprozess läuft», sagt SP-Kantonalpräsident Daniel Frei.

Dass es tatsächlich einfacher ist, gewählt zu werden, wenn man als Bisheriger antritt, bestätigt auch Politologe Mark Balsiger: «Rund 80 Prozent aller Nationalräte werden wieder gewählt.» Weiter äussert er die Vermutung, dass das Festhalten von Fehr an ihrem Sitz durchaus eine bewusste Entscheidung im Hinblick auf Gerber Rüegg ist: «Im spezifischen Fall von Jacqueline Fehr ist davon auszugehen, dass sie sehr genau hinschaut, wer ihren Platz in Bundesbern übernimmt und sich aufgrund dessen entscheidet.»

«Jacqueline Fehr schaut genau hin, wer ihren Sitz erbt», sagt Politiologe Mark Balsiger.

«Jacqueline Fehr schaut genau hin, wer ihren Sitz erbt», sagt Politiologe Mark Balsiger.

Die Genossin Gerber-Rüegg gibt sich aber kämpferisch: «Ich packe die Steigeisen ein, um diese Eigernordwand zu besteigen.» Damit meint sie die SP-Delegiertenversammlung vom 30. Mai, wo sie definitiv für den Nationalrat nominiert werden will. (rhe)