Zürich

ZKB gibt nicht auf — sie zieht Urteil gegen ihre geplante Züri-Bahn weiter

Für fünf Jahre möchte die ZKB eine Seilbahn über den Zürichsee fahren lassen.

Für fünf Jahre möchte die ZKB eine Seilbahn über den Zürichsee fahren lassen.

Es sollte ein Geschenk für die Bevölkerung werden, stattdessen steckt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in ihrem Jubiläumsjahr mitten in einem Rechtsstreit. Am Mittwoch hat sie angekündigt, dass sie den Entscheid des Baurekursgerichts anficht, der die Seilbahn über dem Zürcher Seebecken gestoppt hat.

Das Gericht hatte im Dezember eine Einsprache der Zürcher Sektion des Verkehrsclubs (VCS), der Stiftung Landschaftsschutz und weiterer Rekurrenten gutgeheissen. Es brauche dazu einen Eintrag im kantonalen Richtplan, hielt es fest. Zudem geniesse der See besonderen Schutz. Die Gegner hatten unter anderem argumentiert, die Masten der Bahn würden das Ufergebiet verunstalten.

Nach der Analyse des Entscheids ist die ZKB nun zum Schluss gekommen, dass sich für sie der Weiterzug ans Verwaltungsgericht lohnen könnte. Die Fachstellen von Stadt, Kanton und Bund seien bereits in den Planungsprozess einbezogen worden und sie würden eine temporäre Seilbahn für realisierbar halten, heisst es in einer Mitteilung der Bank. Die auf fünf Jahre befristete Bahn anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums tangiere auch die gesetzlich streng geschützte Ufervegetation nicht.

Erste Instanz entscheide «zu eng und formalistisch»

Die ZKB beschreitet somit den juristischen und nicht den politischen Weg, um die Seilbahn zu retten. Sie hätte auch darauf hinwirken können, dass der laut Baurekursgericht fehlende Eintrag im kantonalen Richtplan über die Gesetzgebung erfolgt. Das sei keine Option, teilt Mediensprecher Yannik Primus auf Anfrage mit. «Wir halten die Auslegeordnung des Gerichts für zu eng und formalistisch.» Denn ein kantonaler Richtplan habe einen Planungshorizont von 25 Jahren. Der fünfjährige Betrieb der Bahn hingegen habe keinen längerfristigen Eingriff für das Seebecken zur Folge.

Die Strategie der ZKB beschränkt sich somit einzig darauf, die Bahn juristisch durchzusetzen. Die Erfolgsaussichten schätzt sie als intakt ein. «Damit die Bahn realisiert werden kann, sind wir auch weiterhin bereit, den Instanzenweg zu beschreiten», sagt Primus. Ob die Bank gar bis ans Bundesgericht gelangen würde, lässt er offen. «Wir beurteilen die Situation laufend und entscheiden dann.»

Weiter ist die ZKB überzeugt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Seilbahn befürworte. «Viele Menschen im Kanton teilen unsere Begeisterung für die Züri-Bahn und tragen unsere Vision mit», lässt sich CEO Martin Scholl in der Mitteilung zitieren. Die Bank verweist auf eine repräsentative Meinungsumfrage, die das Marktforschungsinstitut GfS in ihrem Auftrag durchgeführt hat. Dieser zufolge stehen zwei Drittel der Bevölkerung der Bahn «neutral bis sehr positiv» gegenüber. Unklar bleibt, wie viele der Befragten die Seilbahn tatsächlich unterstützen und wie viele lediglich neutral eingestellt sind. Die ZKB lehnt es ab, die genauen Resultate herauszugeben. Mediensprecher Primus teilt mit: «Die repräsentative Umfrage ist nicht öffentlich, da sie für interne Zwecke erstellt wurde.»

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