Dübendorf

ZKB-Bau wird nach nur 27 Jahren abgerissen – das liess auch den Leiter der Stadtplanung stutzen

Das Eingangsportal des ehemaligen ZKB-Verwaltungsgebäudes in Dübendorf: 1993 erbaut, soll die Liegenschaft nun schon wieder abgerissen werden.

Das Eingangsportal des ehemaligen ZKB-Verwaltungsgebäudes in Dübendorf: 1993 erbaut, soll die Liegenschaft nun schon wieder abgerissen werden.

Ein ETH-Bauprofessor kritisiert ein Neubauprojekt in Dübendorf: Ein Umbau des relativ jungen Gebäudes wäre sinnvoller als ein Abbruch.

Es ist ein repräsentativer Bau, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Zürcher Kantonalbank (ZKB) im Dübendorfer Hochbord. 10'000 Quadratmeter Grundstücksfläche, eine Fassade aus polierten schwarzen und hellgrauen Steinplatten, Eingangsportale, Alleebäume, gebaut im Jahr 1993.

Das Gebäude steht leer, seit vor einigen Monaten die 750 Mitarbeitenden an andere Standorte abgezogen wurden. Und nun soll es einer grossen Überbauung Platz machen. Der dafür notwendige Gestaltungsplan lag bis Mitte September öffentlich auf.

Das lediglich 27 Jahre alte Gebäude soll also abgerissen werden. Doch ist das überhaupt vertretbar – aus ökonomischer wie auch ökologischer Sicht? Zurückhaltend äussert sich Reto Lorenzi, der Leiter der Dübendorfer Stadtplanung. Er habe zuerst auch gestutzt, als er von den Plänen erfahren habe, räumt er ein. Letztlich sei das aber allein Sache der Bauherrschaft, die Stadt Dübendorf habe auf solche Fragen keinen Einfluss.

Das Neubauprojekt bezeichnet Lorenzi als gelungen. Es beinhalte einige sehr gute Aspekte, wie etwa den «schönen Innenhof» mit dem öffentlichen Fussweg, die Beschattung oder das geplante Recycling von Baumaterialien und Pflanzen.

Dübendorfer Liegenschaft in St. Galler Hand

Eigentümerin der Liegenschaft ist das St. Galler Unternehmen Mettler2Invest. Die Firma plant auf dem Areal eine Überbauung mit drei Baukörpern. Das Gebäude entlang der Ringstrasse wird gemäss Richtprojekt sieben Stockwerke hoch und ist für gewerbliche und publikumsorientierte Nutzung reserviert. In den zwei dahinter liegenden neunstöckigen Gebäuden sind 230 Wohnungen vorgesehen.

Das Thema Nachhaltigkeit wird im Gestaltungsplan mehrmals erwähnt. Demnach erfolgt die Wärmeerzeugung gemäss der Vorgabe der Stadt Dübendorf ohne fossile Brennstoffe, wobei Strom als fossilfrei betrachtet wird. Auch würden vorhandene Materialien und Pflanzen wiederverwertet.

Ein nachhaltiger Umbau ist nicht möglich

Gemäss dem Beurteilungsgremium kommt das Richtprojekt den geforderten Kriterien «für eine qualitätsvolle sowie nachhaltige Arealüberbauung am nächsten». Weiter ist in den Erläuterungen festgehalten, dass das bestehende Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen entspreche sowie nicht nachhaltig umgebaut werden könne.

Guillaume Habert fasst die Definition für Nachhaltigkeit aber deutlich weiter. Für den Professor für nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich ist es nicht sinnvoll, ein 27 Jahre altes Gebäude durch einen energieeffizienten Neubau zu ersetzen. «Diese Entwicklung im Immobilienmarkt läuft in die falsche Richtung», sagt er. Oberste Priorität müsse haben, ein Gebäude zu erhalten und damit graue Energie – und letztlich CO2 – einzusparen. Denn die Energie, die für einen Neubau aufgewendet werden müsse, sei enorm – und entspreche dem Energieverbrauch des Gebäudes für 60 Jahre, so Habert.

«Allein die Gebäudehülle, also Herstellung und Einbau von Beton, Stahl oder Ziegeln, verursacht rund 50 Prozent der gesamten CO2-Emissionen eines Gebäudes.» Wer wirklich nachhaltig handeln wolle, müsse Gewerbebauten für eine Wohnnutzung umbauen, nicht neue Wohnhäuser aus dem Boden stampfen. «Dieser Aspekt wird in Zukunft immer wichtiger werden», sagt Guillaume Habert. «Denn was wir in der Schweiz brauchen, sind Wohnungen.»

Diesen Weg verfolgt etwa die Eigentümerin der Nachbarparzelle, die das bestehende Gebäude aus den 1970er-Jahren innerhalb der bestehenden Gebäudehülle zu einem Wohn- und Geschäftshaus umbauen will.

Recycling von Baustoffen ist «besser als nichts»

Die Zweckmässigkeit von energieeffizienten Gebäuden zweifelt Habert nicht an. Dank moderner Wärmedämmung und nachhaltigen Energieträgern sei man diesbezüglich aber mittlerweile so weit, dass man diesem Aspekt nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit schenken müsse wie dem Gebäudeerhalt. Das Recycling von Baustoffen ist für Habert «besser als nichts», bewirke letztlich aber nicht viel. Sinnvoll könne etwa sein, steinerne Fassadenplatten erneut zu verwerten. «Doch die sind oft so dünn, dass sie zerbrechen und dann nur noch geschreddert werden können.»

Letztlich dienten vielen Bauplanern solche Zugeständnisse bezüglich Ökologie auch einfach als Argument, um ihr Projekt als nachhaltig zu verkaufen. «Dabei könnten sie das Gebäude einfach stehen lassen – und würden damit viel mehr bewirken.»

Diese Zeitung hat mit der für das Projekt verantwortlichen Person über die Situation auf dem Immobilienmarkt und die Gründe gesprochen, wieso das Unternehmen Mettler2Invest anstelle eines Umbaus einen Ersatzneubau realisieren will. Sämtliche Aussagen wurden jedoch im Zuge der Autorisierung zurückgezogen.

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