Zehn Stimmen Unterschied sind nicht viel, können aber über Sieg und Niederlage entscheiden. Diese Erfahrung musste am Sonntag Urs Landis in Oetwil machen. Obwohl er das absolute Mehr bei den Gemeinderatswahlen erreichte, wurde er als Überzähliger abgewählt.

Im Limmattal gab es in den vergangenen Jahren bei Exekutivwahlen immer wieder knappe Entscheide. Auch solche, die noch wesentlich knapper waren als der in Oetwil. Unvergessen sind die Ereignisse um die Gesamterneuerungswahlen 2006 in Aesch. Sie waren so aussergewöhnlich, dass sich sogar das nationale Fernsehen für den Urnengang interessierte.

In der mit rund 1150 Einwohnern kleinsten Gemeinde des Bezirks Dietikon entschied nicht das Stimmvolk, sondern Fortuna über die Vergabe des fünften und letzten Gemeinderatssitzes. Roland Helfenberger (SVP) und Ruth Hofstetter-Kümmerli (parteilos) erreichten nach dem ersten Wahlgang die exakt gleiche Stimmenanzahl, nämlich 227. Noch am Wahlsonntag ging man bei der Gemeinde davon aus, dass nun ein zweiter Wahlgang angeordnet werden müsse. Weit gefehlt. Gemäss Paragraph 79 im Gesetz über die politischen Rechte muss in einem solchen Fall nämlich das Los entscheiden. Als Glücksfee fungiert der Präsident der wahlleitenden Behörde. In Aesch ist dies der Gemeindepräsident.

So kam es, dass Jakob Hofstetter Fortuna spielen durfte. Soweit, so gut. Allerdings wusste man selbst beim Bezirksrat nicht, wie das Prozedere eines solchen Entscheides aussehen sollte. Erste Abklärungen zeigten, dass sich noch nie zuvor im Kanton Zürich eine Gemeinde einem Losentscheid stellen musste. Am Tag der Ziehung, die öffentlich durchgeführt wurde, stellte sich dann aber heraus, dass in der Säuliämtler Gemeinde Knonau gleich zwei Mal, nämlich 1982 und 1990, das Los über einen Gemeinderatssitz entschieden hatte. Für Aesch war es dennoch ein historischer Anlass. Und auch für die beiden Kandidaten, von denen Helfenberger Fortuna auf seiner Seite hatte.

Eine Punktlandung gelang Ursula Hofstetter (FDP) 2002 in Geroldswil. Ihre Wahl zur Gemeindepräsidentin war in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Einerseits war sie die erste Frau, die der Geroldswiler Exekutive vorstand. Andererseits gelang ihr dieses Kunststück mit 372 Stimmen, was exakt dem absoluten Mehr entsprach.

Verspekuliert und verloren

Wenn sich zwei streiten, leidet der Dritte. Nach diesem Motto verliefen die Gesamterneuerungswahlen 2002 in Oberengstringen. Um den frei gewordenen Sitz von Edith Davitti (Politisches Forum) kämpften damals Bruno Brizzi (SVP) und Jürg Bruppacher (CVP). Mit Blick auf Ausgewogenheit in der Exekutive unterstützte die FDP die CVP-Kandidatur. Sie sollte es bereuen. Es wurden nämlich beide neuen Kandidaten in den Gemeinderat gewählt, während Finanzvorstand Harry Keller (FDP) als Überzähliger ausschied. Er erhielt elf Stimmen weniger als Brizzi auf dem siebten Platz.

Ebenfalls vor zwölf Jahren setzte sich die SP in Schlieren zum Ziel, im Stadtrat einen zweiten Sitz zu erringen. Das Vorhaben ging gründlich in die Hose. Mit Toni Brühlmann-Jecklin, dem heutigen Stadtpräsidenten, gelang es den Sozialdemokraten tatsächlich, ihren neuen Kandidaten in die Exekutive zu hieven. Trotzdem blieb es für die SP nach dem Wahlgang bei einem Stadtratssitz. Denn Brühlmann verdrängte seinen Parteikollegen Peter Baertschiger. Er schied als Überzähliger nach zwölf Jahren aus der Exekutive aus, weil er acht Stimmen weniger machte als Brühlmann.