Bei der Abstimmung über den Gestaltungsplan im März 2015 schien noch alles klar: Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) werde auf dem Areal, das damals noch Werk 1 hiess, als Hauptnutzerin auftreten, hiess es im Vorfeld des Urnengangs. In der Abstimmungszeitung wurde die Nutzung als Fakt dargestellt: Mit dem Gestaltungsplan schaffe man, so heisst es im Text, die Voraussetzungen für den neuen ZHAW-Hauptstandort, der das Rektorat mit den Zentralen Diensten, die Angewandte Linguistik, ein Hörsaalzentrum, Sportanlagen sowie eine Mensa umfasse; «rund ein Drittel der Geschossflächen im Werk 1 wird für diese Nutzungen benötigt».

Auch einzelne Gebäude, die die ZHAW belegen sollte, werden genannt, namentlich das bis zu 100 Meter hohe Hochhaus, die Sulzer-Halle 1013 und das repräsentative Gebäude am nördlichen Arealzugang an der Zürcherstrasse sowie angrenzende Häuser (siehe Visualisierung). «Das Werk 1 ist der Schlüsselstandort für die weitere Entwicklung der ZHAW im Sulzer-Areal.» Mehr als 500 Arbeitsplätze seien hier vorgesehen.

Der politische Wille ist noch unklar

Rund zweieinhalb Jahre später zweifelt man bei der Arealentwicklerin Implenia offenbar am Interesse der ZHAW. Man habe bislang vom Kanton Zürich keine «Bestellung» zur Realisierung eines Standorts der ZHAW erhalten, sagt Firmensprecher Reto Aregger auf Anfrage. «Implenia hat deshalb angefangen, alternative Nutzungen zu prüfen.» Viele Fabrikhallen auf dem Gelände sind in der Zwischenzeit abgerissen worden. Mit der Erstellung des ersten Wohngebäudes soll Mitte 2018 begonnen werden.

Bei der ZHAW leitet man Anfragen zum Thema an die kantonale Bildungsdirektion weiter. Dort hält man sich bedeckt. Grund: Der Zürcher Regierungsrat befindet in diesen Wochen über die Rolle des Standortes Lokstadt in den Planungen der ZHAW. Den Entscheid wird die Kantonsregierung in der sogenannten Teilportfoliostrategie über die Immobilien in Winterthur für die Hochschulen und die Sekundarstufe II festhalten. «Wir rechnen noch in diesem Herbst damit», sagt der Leiter Finanzen und Bauten in der Bildungsdirektion, Wolfgang Annighöfer. Auch die Stadt Winterthur warte auf die Publikation der Strategie, da sie über die Pläne detailliert informiert werden wolle.

Über ein Umschwenken will Annighöfer nicht spekulieren: «Wir halten an den bisherigen Plänen fest, bis der Regierungsrat anders entscheidet.» Dass Implenia in der Zwischenzeit einen anderen Nutzer finden könnte, sei «ein Risiko, das wir eingehen müssen». Die Bildungsdirektion habe keinerlei Verträge oder Absichtserklärungen mit Implenia unterzeichnet.

Keine Bedeutung auf den Entscheid hat gemäss Annighöfer das Mietermodell, welches der Kantonsrat im Herbst 2015 nach einem jahrelangen Konflikt mit dem Regierungsrat und gegen dessen Willen beschloss. Das Mietermodell wird das kantonale Immobilienmanagement in der Baudirektion zentralisieren, allerdings frühestens ab 2019.

Pikant: In der Abstimmungszeitung wurde seinerzeit angeführt, die ZHAW stehe unter Zeitdruck. Verzögerungen bei einer Ablehnung der Vorlage wären, so heisst es im Text, «insbesondere für die ZHAW problematisch», welche «baldmöglichst mit der Planung für ihren Hauptstandort beginnen möchte».

Beschränkte Anzahl Parkplätze

Wie im Fall eines Rückzugs der ZHAW die «alternativen Nutzungen» aussehen könnten, lässt man bei Implenia vorerst offen. Bemerkenswert ist, dass die Stadt unter Verweis auf den geringen Parkplatzbedarf der ZHAW eine gemessen an der Geschosszahl tiefe Parkplatzsumme vorsah (630 unterirdische Parkfelder), was im Hinblick auf den Abstimmungskampf auch die ökologischen Kräfte vom Projekt überzeugen sollte. Zudem wurde ein Fahrtenmodell festgelegt, das in der Hauptverkehrszeit höchstens 200 Zu- und Wegfahrten pro Stunde erlaubt. Nun könnten diese Festlegungen die Suche von Implenia nach anderen Interessenten womöglich erschweren.