Stadträtin Claudia Nielsen (SP), Chefin über die Stadtzürcher Spitäler, nannte den Preis von Anfang an: die Onkologie oder die Neurologie. Eines dieser beiden Fachgebiete – oder etwas Gleichwertiges – will sie als Gegenleistung vom Kanton (vom Unispital).

Dafür würde sie die Herzchirurgie des Stadtspitals Triemli an das gemeinsame universitäre Herzzentrum beisteuern. Das sagte Nielsen im letzten Dezember, als sie mit Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) vor die Medien trat und ihre Bereitschaft bekundete, bei der Einrichtung eines gemeinsamen Herzzentrums mitzuziehen.

Treibende Kraft bei diesem Projekt war Heiniger. Im Verteilkampf um die besten Stücke der Spitzenmedizin – unter anderem die Herztransplantationen – benötigte er Fakten und Argumente, um die zuständigen Fachorgane und Politiker vom Standort Zürich zu überzeugen.

Jetzt ist er am Ziel. Das Beschlussorgan, dem Heiniger angehört, hat gestern in Bern den Entscheid bekanntgegeben, dass Herztransplantationen weiterhin an den drei Standorten in Bern, Lausanne und Zürich durchgeführt werden dürfen.

Abtausch steckt fest

Jetzt, da diese Schlacht geschlagen ist, rückt das Projekt des gemeinsamen Zürcher Zentrums wieder in den Brennpunkt. Dort hat sich seit der Ankündigung nicht viel getan. Insbesondere das Kernstück, der Abtausch der Fachgebiete, steckt fest. «Der Kanton hat uns erste Angebote unterbreitet», sagt Nielsen, «aber sie sind nicht gleichwertig mit der Herzchirurgie.» Um welche Fachgebiete es sich handelt, wollen weder Nielsen noch Heiniger sagen.

Man habe Stillschweigen vereinbart. Heiniger nennt die Kriterien der Gleichwertigkeit: Dazu gehören Bettenzahl, Umsatz, Bedeutung für Lehre und Forschung. «Für den Kanton erfüllt die Offerte aufgrund eines strukturierten Vergleichsrasters die geforderten Kriterien», sagt er.

Der Ton und die Art der Differenzen lassen vermuten, dass keine rasche Lösung in Sicht ist. Rasch sollte es aber gehen, denn Ende Jahr läuft der Zusammenarbeitsvertrag zwischen dem Stadtspital Triemli, dem Unispital und der Uni Zürich aus.

Die Beteiligten haben die Möglichkeit, den Vertrag zu beenden, zu verlängern oder eine neue Vereinbarung zu treffen. «Bis Ende Jahr müsste ein Angebot – in groben Zugen – vorliegen», findet Nielsen.

Äusserer Druck weg

Doch mit dem Entscheid des Zuteilungsgremiums, an allen drei Standorten in der Schweiz Herz-Spitzenmedizin zuzulassen, entfällt für Heiniger und Nielsen der äussere Druck, sich zu einigen. Beide wollen das aber nicht so sehen. «Ein universitäres Herzzentrum ist nach wie vor wichtig und nötig», sagt Heiniger, denn die Konzentration der Angebote sei ein Gebot der Stunde.

Auf die Frage, ob eine Zusammenarbeit trotz der neuen Ausgangslage noch Sinn mache, zögert Nielsen und sagt: «Sie ist jedenfalls ein Versuch wert.» Denn langfristig gehe der Trend in Richtung Vermeidung minimaler Fallzahlen. Und: Wenn man sich bei den Investitionen, der Ausbildung und den Behandlungskonzepten aufeinander abstimme, bringt das Patienten und Steuerzahlern gleichermassen etwas.

Nielsen hängt allerdings immer noch an der alten Idee eines Neubaus an: Stadt und Kanton könnten eine Stiftung gründen und auf dem Areal des Triemli bauen. Sie habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Der Kanton hingegen ist längst anderswo: Das Unispital hat auf nächsten Dienstag zur Eröffnung des universitären Herzzentrums im Osttrakt des Unispitals eingeladen. Direktoren der Uniklinik wollen «Einblick in die Bedeutung und Organisation» des neuen Herzzentrums geben. Weder Heiniger noch Nielsen werden mit von der Partie sein.

Seltsamer Sololauf

Der Sololauf des Unispitals befremdet Nielsen: «Ein gemeinsamer Auftritt in Sachen Herzzentrum am Unispital wäre sinnvoll gewesen.» Für sie widerspricht es den Abmachungen, dass die Herzspezialisten des Triemli nicht in die Konzeption des Zentrums einbezogen worden sind. An der Zusammensetzung der heutigen Chef-Herzchirurgen am Triemli und Unispital könne es nicht liegen. «Sie kommen gut miteinander aus», betont sie.

Laut Heiniger verläuft die Zusammenarbeit nach Plan. Man befinde sich immer noch in der seit Anfang Jahr laufenden ersten Phase, bei der es um die Konzentration der Herz-Angebote an zwei Standorten (Triemli und Unispital) gehe. Der zweite Schritt, der Umzug der Triemli-Herzchirurgie ans Unispital, folge später. Die Bereitstellung der Räume sei eine Vorstufe. Heiniger schliesst für den Fall, dass die Verhandlungen mit der Stadt scheitern, Druck nicht aus. Er sagt es so: «Sofern mit der Stadt keine Einigung möglich ist, bleibt zu prüfen, inwieweit durch die Vergabe von Leistungsaufträgen eine Konzentration der Angebote gesteuert werden kann.»