Dietikon
«Zeitsprünge»: Ortsmuseum Dietikon dokumentiert den Wandel der Stadt

Eine neue Fotoausstellung zeigt die Entwicklung des Bezirkhauptortes in den letzten Jahrzenten.

Sandro Zimmerli
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Nachdem die Limmattal-Strassenbahn liquidiert wurde, verkehrten in Dietikon die ersten Busse, wie dieser, der 1931 auf dem Löwenplatz unterwegs war.

Nachdem die Limmattal-Strassenbahn liquidiert wurde, verkehrten in Dietikon die ersten Busse, wie dieser, der 1931 auf dem Löwenplatz unterwegs war.

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Es ist ein gewaltiges Archiv. Rund 23'000 Fotos umfasst die Sammlung des Ortsmuseums Dietikon. Geordnet nach Strassen und Orten, sind sie in Schachteln verpackt in mehreren Schränken abgelegt. Zusammengetragen hat den Grossteil von ihnen der letzten Oktober verstorbene ehemalige Lehrer Josef Hinder. Fast 40 Jahre engagierte er sich in der Kommission für Heimatkunde und dokumentierte in dieser Zeit den Wandel Dietikons. Mit seiner Kamera hielt er fast jede Veränderung fest, welche die Stadt in den letzten Jahrzehnten durchmachte. «Seine wohl grösste Leistung war es aber, dass er sämtliche Aufnahmen in einer Datenbank erfasst hat», sagt Regula Stauber, Leiterin der Kommission für Heimatkunde und des Ortsmuseums.

In den 1920er-Jahren kreuzten sich die Bremgarten-Dietikon-Bahn und die Limmattal-Strassenbahn in der Nähe des Restaurants Central.

In den 1920er-Jahren kreuzten sich die Bremgarten-Dietikon-Bahn und die Limmattal-Strassenbahn in der Nähe des Restaurants Central.

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Nun wird dieses unermüdliche Schaffen mit einer eigenen Ausstellung gewürdigt. Am Samstag um 11 Uhr ist Vernissage. Gezeigt werden Aufnahmen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Ihnen gegenübergestellt sind Fotos von Hinder, die den selben Ort Jahrzehnte später zeigten. «Zeitsprünge» heisst denn auch die Ausstellung. «Für uns war rasch klar, dass wir eine solche Bilderausstellung realisieren wollen und dass dort auch Aufnahmen von Josef Hinder gezeigt werden», sagt Stauber. Ergänzt werden die Fotos durch Luftaufnahmen, die aus dem Firmenarchiv des Ingenieurbüros SWR Infra AG mit Sitz in Dietikon stammen. Rund 800 solcher Fotos befinden sich seit 2013 im Besitz des Ortsmuseums.

Der Grossteil der gezeigten Fotos dokumentiert den Wandel Dietikons entlang der Achse Zürcherstrasse/Badenerstrasse. Wobei ein Schwerpunkt bei den Verkehrsmitteln liegt. So ist auf verschiedenen Aufnahmen die Limmattal-Strassenbahn zu sehen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen der Stadt Zürich und Dietikon sowie zwischen Schlieren und Weiningen verkehrte. Auch frühe Aufnahmen der Bremgarten-Dietikon-Bahn sind zu sehen. Autos fehlen auf diesen Fotos noch fast vollständig.

Historische Dietiker Fotos von Josef Hinder (†87):

Historische Dietiker Fotos
9 Bilder
Josef Hinder (1930-2017) Josef Hinder wuchs in Hombrechtikon auf. Von von 1954 bis 1992 war er in Dietikon als Lehrer tätig.
Als das Ortsmuseum ein Privathaus war Diese Dorfansicht von Dietikon stammt aus dem Jahr 1930. Im Vordergrund links ist das heutige Ortsmuseum, die ehemalige Villa Strohmeier an der Schöneggstrasse 20, zu erkennen. Sie wurde 1927 vom Bankier Walter Strohmeier erstellt. Die Familie galt als die reichste im Dorf. Zum Anwesen gehörten ein grosser Garten und ab 1947 auch ein Tennisplatz. 1968 wurde die Villa von der Stadt erworben. Seit 1978 befindet sich das Ortsmuseum darin. Dieses war zuvor während 20 Jahren im Brenn-, Schwenk- oder auch Färberhüsli genannten Häuschen an der oberen Reppischstrasse 16 beheimatet.
Der Bus verbindet die Limmatufer Im Dietiker Fotoarchiv finden sich viele Bilder zum Verkehr. Etwa dieses, das anlässlich der Eröffnung des Busbetriebes Dietikon–Geroldswil–Oetwil Ende der 1940er-Jahre gemacht wurde. Durch die Buslinie wurden damals auch Geroldswil und Oetwil an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Auf der Limmattalstrasse, welche die beiden Gemeinden rechts der Limmat verbindet, verkehrten in diesen Jahren durchschnittlich 19 Motorlastwagen, 110 Autos, 14 Fuhrwerke 180 Motor- und Fahrräder sowie 86 Fussgänger pro Tag. Sie wurde deshalb von vier auf sechs Meter verbreitert.
Zwei Fotos, der selbe Standort... Eine Reihe von Aufnahmen im Archiv wurden vom selben Standort aus gemacht. Dank ihnen lassen sich die Veränderungen im Stadtbild eins zu eins beobachten. Diese Aufnahme zeigt im Vordergrund das Haus an der Zürcherstrasse 49 um 1930.
 Dieses Foto wurde 1990 von Josef Hinder aufgenommen.
Eine Feier darf nicht fehlen Feste und Bräuche gehören zu einer Gemeinde. Das ist auch in Dietikon nicht anders. Im Fotoarchiv des Dorfmuseums finden sich daher Aufnahmen von verschiedenen Anlässen, die in den letzten etwas mehr als 100 Jahren stattfanden. Dieses Bild stammt von 1967 und zeigt einen Kinderumzug anlässlich des Dorffestes.
Gärtnerei wich Alterszentrum Im Jahr 1938 standen an der Bremgartnerstrasse 39 noch Gewächshäuser. Sie gehörten der Gärtnerei A.Schmid. 1966 wurde dort Alters- und Gesundheitszentrum Ruggacker erstellt. Dies, nachdem eine langjährige Suche nach einem geeigneten Platz für eine solche Einrichtung durch einen Beschluss des Grossen Gemeinderates 1960 endlich ein Ende hatte. Damals wurde der Kauf der Liegenschaft samt Umschwung von 4325 Quadratmetern genehmigt. Der Preis betrug 592 525 Franken. Danach ging es rasch vorwärts. Eine Baukommission wurde eingesetzt und ein Architekturwettbewerb lanciert, der Anfang 1963 abgeschlossen war.
Aus dem Alltag eines Bauerndorfs «Ein altes Haus an der Söigass» lautet der Archiveintrag zu diesem Foto. Die Aufnahme des Gebäudes an der Kirchstrasse 7 dürfte um das Jahr 1880 entstanden sein. Sie ist damit eine der ältesten, die in der Sammlung des Ortsmuseums zu finden ist. Dietikon war zu jener Zeit noch ein Bauerndorf und zählte lediglich 1687 Einwohner. Der Gemeinderat bestand damals noch aus fünf Mitgliedern.

Historische Dietiker Fotos

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Alteingesessene Dietiker werden auf den Bildern auch längst abgebrochene Gebäude und verschwundene Geschäfte wiedererkennen. Etwa die Wirtschaft Central, die sich an der Zürcherstrasse im Ortszentrum befand. Erstellt wurde das markante Gebäude 1894, nachdem es in Bonstetten Stein für Stein abgetragen und in Dietikon wieder aufgebaut wurde, und zwar an jenem Ort, wo einst das Armenhaus stand. Das Central war berüchtigt. Mitte des 20. Jahrhunderts kam es dort immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Gästen. Vielen Dietikern dürfte auch die Kongo Bar noch ein Begriff sein, die im Erdgeschoss des Central untergebracht war. Gemäss Walter Eckert und Arthur Huber, Mitglieder der Kommission für Heimatkunde, war die Kongo Bar einst das berüchtigtste Lokal in Dietikon. Speziell zur Fasnachtszeit soll es dort hoch zu- und hergegangen sein. Ende der 1970er-Jahren musst es der Zentrumsüberbauung weichen.

Die Aufnahme aus den 1970er-Jahren zeigt die Wirtschaft Central mit dem Schriftzug der Kongo Bar auf dem Dach.

Die Aufnahme aus den 1970er-Jahren zeigt die Wirtschaft Central mit dem Schriftzug der Kongo Bar auf dem Dach.

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Spezielles Geschirr

Die Fotoausstellung nimmt etwa die Hälfte des Erdgeschosses in Anspruch. Im anderen Teil des grossen Raums, in dem kürzlich ein alter Parkettboden freigelegt wurde, zeigt das Ortsmuseumsteam Objekte aus dem Bestand des Museums sowie aus der Sammlung von Michael Maier, der ebenfalls Mitglied in der Kommission für Heimatkunde ist. Zu sehen gibt es unter anderem alte Taschen- und Wanduhren. «Einige von ihnen wird Michael Maier an der Vernissage laufen lassen», sagt Stauber. Auch alte Banknoten, darunter eine 500-Milliarden-Mark-Note aus Deutschland, werden den Besuchern gezeigt.

Ein besonderes Exponat, das seinen Weg erst vor wenigen Monaten ins Ortsmuseum fand, ist das edle Geschirr der Familie Hanhart. «Ein Nachkomme der Hanharts hat uns das Geschirr vermacht», so Stauber. 1849 kaufte Johann Hanhart-Solivo aus Diessenhofen die Untere Mühle an der Reppisch und stellte ab dann in seiner Rotfärberei das türkischrote Tuch her, das von Dietikon aus in die ganze Welt verkauft wurde. Als Grundstoff diente ihm die Wurzel der Pflanze Färberkrapp. Die Familie kam durch den Handel mit Übersee zu einigem Wohlstand. Allerdings wurde das Unternehmen durch das Aufkommen von chemisch hergestellten Farben gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer unrentabler. 1905 verkaufte der Sohn, Carl August Hanhart Graf die «Rotfarb» an einen Metallgiesser. 1943 gingen aus dieser Firma schliesslich die Reppischwerke Dietikon hervor.

Impressionen vom Ortsmuseum:

Ortsmuseum Dietikon
8 Bilder
Im Eingangsbereich des Museums wird einem sofort klar, was das Thema im Haus ist.
Die Villa mit dem Walmdach wurde 1927 erstellt. Sie befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt Dietikon und beherbergt seit 1978 das Ortsmuseum.
Im ehemaligen Wohn- und Essbereich des «Strohmeierhauses» befinden sich derzeit nur noch ganz wenige Ausstellungsstücke.
Auch der öffentlich zugängliche Garten des Ortsmuseums mit den Bruno-Weber-Stühlen ist ein Schmuckstück.
In der Villa wurden auch andere Räume mit einem Parkettboden ausgestattet.
Das Foto zeigt Trudi und Walter Strohmeier um 1947 im Garten.
Dietikon 1930: Im Vordergrund links ist Villa Strohmeier zu sehen.

Ortsmuseum Dietikon

Severin Bigler