Projekt
Zeitsprung um 100 Jahre zurück: Restaurant Bachtel-Kulm wird saniert

Das Ausflugsrestaurant Bachtel-Kulm soll bis 2025 saniert werden und ein Aussehen wie anno 1920 erhalten. Als nächsten Schritt wird die Genossenschaft nun einen Vorentscheid für das Vorhaben einholen – und sich dann ans Geldsammeln machen.

Christian Brändli
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Bis in fünf Jahren soll das «Bachtel-Kulm» so aussehen.

Bis in fünf Jahren soll das «Bachtel-Kulm» so aussehen.

Visualisierung: night nurses

«Wer das Restaurant betritt, erhält den Eindruck, dass alles gut sei. Hinten und oben gibt es aber viel, das schlicht nicht mehr zeitgemäss ist.» Für Ralph Köchli, den Präsidenten der Genossenschaft Bachtel-Kulm, ist klar: Das Gasthaus auf dem Zürcher Oberländer Hausberg muss komplett überholt werden. Der Dachstuhl ist teilweise morsch, die Isolation ungenügend, das Haus kaum rollstuhlgängig und die Raumaufteilung unpraktisch.

Alles Gründe, um den Bau, der aus dem Jahr 1894 stammt, eigentlich abzureissen und einen Neubau aufzustellen. Doch hier kommt das grosse Aber, das der Architekt der geplanten «Ertüchtigung» des alten Gasthauses, der Zürcher Peter Moor, den rund 70 an der Generalversammlung anwesenden Genossenschaftern kürzlich im Hinwiler «Hirschen»-Saal klarmachte: «Wenn man auf dem Bachtel plant, dann unter den Argusaugen des Kantons.»

Ein Neubau sei dort oben praktisch unmöglich – oder dann nur mit einer Planungszeit von bis zu 15 Jahren. Deshalb will die Genossenschaft auf eine Gesamtsanierung setzen, die von den diversen Ämtern einfacher bewilligt werden kann. Von den Strukturen im Parterre und ersten Stock soll möglichst viel übernommen, neu soll dagegen das Dachgeschoss werden.

Der Grundriss wird kleiner

Bei der Planung des Projekts liess sich Moor vom früheren Erscheinungsbild des Hauses inspirieren. «Von 1916 bis in die 1930er-Jahre verfügte das Haus über fünf Giebel. Das faszinierte uns.» Und wie ersten Abklärungen bei den kantonalen Stellen und beim Heimatschutz zeigten, wisse das Vorhaben auch dort zu gefallen. Dabei wurde dem Architekten aber auch klar gemacht, dass ­beispielsweise die Fenster nicht zu gross werden dürften. «Der historische Bezug ist eine ­strategische Idee und bietet uns eine gewisse Planungssicherheit.»

Obwohl es bei einer Sanierung des Hauses bleibt, soll es von den Dimensionen her doch eine Änderung erhalten: So wird nicht nur auf den ehemaligen Skiraum verzichtet, sondern der Hausteil unter dem grössten Giebel wird schmäler. «Dass der Fussabdruck, also der Grundriss, kleiner wird, ist beim Kanton positiv angekommen.» Dafür wird durch die neuen Lukarnen auf dem übrigen Hausteil eigentlich ein Stockwerk gewonnen. Die vier Giebel dort werden rund anderthalb Meter höher sein als der heutige First. Das erlaubt es, dort oben nicht nur die Wirtewohnung einzubauen, sondern auch zusätzliche Zimmer. Diese könnten je nach Betriebskonzept auch vermietet werden.

Das Feuer für das Vorhaben wurde geweckt

Zudem ist ein rund 20 Plätze fassender Saal im Obergeschoss vorgesehen. Ein Lift soll künftig vom Keller bis dort hinauf führen. Und vom Parkplatz her soll es einen rollstuhlgängigen Zugang geben. Mit dem Umbau, der ausserhalb der Saison erfolgen soll, könnte die Kapazität im Lokal auf rund 150 Plätze erhöht werden, rund 40 mehr als bisher. Aussen soll es bei den rund 110 Plätzen bleiben.

Köchli und sein Vorstand schafften es, bei den Genossenschaftern das Feuer für das Vorhaben zu wecken. Einstimmig votierten die Anwesenden dafür, das Projekt Bachtel 2025 in Angriff zu nehmen. In fünf Jahren soll die Sanierung realisiert sein. Bis dahin gilt es aber noch, die grösste Hürde zu nehmen: die Finanzierung der 5,8 Millionen Franken.

Gemeinde steht Vorhaben wohlwollend gegenüber

Für die Genossenschaft stellt das Projekt einen Gewaltsbrocken dar. Mindestens 300'000 Franken sollen durch Anteilscheine und Spenden der aktuell 411 Genossenschafter zusammenkommen. Möglichst viel soll bei Dritten in Form von Beiträgen, Spenden und Subventionen gesammelt werden, etwa bei der Standortgemeinde, wie es aus dem Saal hiess. Hinwils Gemeindepräsident Germano Tezzele (SVP), der mit Gemeinderatskollegen als Gast anwesend war, machte klar, dass der Bachtel-Kulm eine grosse Bedeutung für die Region habe. Der Gemeinderat stehe dem Vorhaben jedenfalls wohlwollend gegenüber. «Und die Gemeinde Hinwil wird sich einem Antrag für einen Beitrag sicher nicht verschliessen», meinte er.

Das restliche Geld will die Genossenschaft zu banküblichen Konditionen fremdfinanzieren. «Der Baustart wird erst erfolgen, wenn die Finanzierung zu mindestens 90 Prozent gesichert ist», machte Köchli deutlich. Als nächsten Schritt wird die Genossenschaft nun einen Vorentscheid für das Vorhaben einholen – und sich dann ans Geldsammeln machen. Einen Werbeprospekt für die Bevölkerung jedenfalls gibt es bereits.