Es ist ein gewaltiges Archiv. Rund 23'000 Fotos umfasst die Sammlung des Ortsmuseums Dietikon. Geordnet nach Strassen und Orten, sind sie in Schachteln verpackt in mehreren Schränken abgelegt. Zusammengetragen hat den Grossteil von ihnen der letzten Oktober verstorbene ehemalige Lehrer Josef Hinder. Fast 40 Jahre engagierte er sich in der Kommission für Heimatkunde und dokumentierte in dieser Zeit den Wandel Dietikons. Mit seiner Kamera hielt er fast jede Veränderung fest, welche die Stadt in den letzten Jahrzehnten durchmachte. «Seine wohl grösste Leistung war es aber, dass er sämtliche Aufnahmen in einer Datenbank erfasst hat», sagt Regula Stauber, Leiterin der Kommission für Heimatkunde und des Ortsmuseums.

In den 1920er-Jahren kreuzten sich die Bremgarten-Dietikon-Bahn und die Limmattal-Strassenbahn in der Nähe des Restaurants Central.

In den 1920er-Jahren kreuzten sich die Bremgarten-Dietikon-Bahn und die Limmattal-Strassenbahn in der Nähe des Restaurants Central.

Nun wird dieses unermüdliche Schaffen mit einer eigenen Ausstellung gewürdigt. Am Samstag um 11 Uhr ist Vernissage. Gezeigt werden Aufnahmen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Ihnen gegenübergestellt sind Fotos von Hinder, die den selben Ort Jahrzehnte später zeigten. «Zeitsprünge» heisst denn auch die Ausstellung. «Für uns war rasch klar, dass wir eine solche Bilderausstellung realisieren wollen und dass dort auch Aufnahmen von Josef Hinder gezeigt werden», sagt Stauber. Ergänzt werden die Fotos durch Luftaufnahmen, die aus dem Firmenarchiv des Ingenieurbüros SWR Infra AG mit Sitz in Dietikon stammen. Rund 800 solcher Fotos befinden sich seit 2013 im Besitz des Ortsmuseums.

Der Grossteil der gezeigten Fotos dokumentiert den Wandel Dietikons entlang der Achse Zürcherstrasse/Badenerstrasse. Wobei ein Schwerpunkt bei den Verkehrsmitteln liegt. So ist auf verschiedenen Aufnahmen die Limmattal-Strassenbahn zu sehen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen der Stadt Zürich und Dietikon sowie zwischen Schlieren und Weiningen verkehrte. Auch frühe Aufnahmen der Bremgarten-Dietikon-Bahn sind zu sehen. Autos fehlen auf diesen Fotos noch fast vollständig.

Historische Dietiker Fotos von Josef Hinder (†87):

Alteingesessene Dietiker werden auf den Bildern auch längst abgebrochene Gebäude und verschwundene Geschäfte wiedererkennen. Etwa die Wirtschaft Central, die sich an der Zürcherstrasse im Ortszentrum befand. Erstellt wurde das markante Gebäude 1894, nachdem es in Bonstetten Stein für Stein abgetragen und in Dietikon wieder aufgebaut wurde, und zwar an jenem Ort, wo einst das Armenhaus stand. Das Central war berüchtigt. Mitte des 20. Jahrhunderts kam es dort immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Gästen. Vielen Dietikern dürfte auch die Kongo Bar noch ein Begriff sein, die im Erdgeschoss des Central untergebracht war. Gemäss Walter Eckert und Arthur Huber, Mitglieder der Kommission für Heimatkunde, war die Kongo Bar einst das berüchtigtste Lokal in Dietikon. Speziell zur Fasnachtszeit soll es dort hoch zu- und hergegangen sein. Ende der 1970er-Jahren musst es der Zentrumsüberbauung weichen.

Die Aufnahme aus den 1970er-Jahren zeigt die Wirtschaft Central mit dem Schriftzug der Kongo Bar auf dem Dach.

Die Aufnahme aus den 1970er-Jahren zeigt die Wirtschaft Central mit dem Schriftzug der Kongo Bar auf dem Dach.

Spezielles Geschirr

Die Fotoausstellung nimmt etwa die Hälfte des Erdgeschosses in Anspruch. Im anderen Teil des grossen Raums, in dem kürzlich ein alter Parkettboden freigelegt wurde, zeigt das Ortsmuseumsteam Objekte aus dem Bestand des Museums sowie aus der Sammlung von Michael Maier, der ebenfalls Mitglied in der Kommission für Heimatkunde ist. Zu sehen gibt es unter anderem alte Taschen- und Wanduhren. «Einige von ihnen wird Michael Maier an der Vernissage laufen lassen», sagt Stauber. Auch alte Banknoten, darunter eine 500-Milliarden-Mark-Note aus Deutschland, werden den Besuchern gezeigt.

Ein besonderes Exponat, das seinen Weg erst vor wenigen Monaten ins Ortsmuseum fand, ist das edle Geschirr der Familie Hanhart. «Ein Nachkomme der Hanharts hat uns das Geschirr vermacht», so Stauber. 1849 kaufte Johann Hanhart-Solivo aus Diessenhofen die Untere Mühle an der Reppisch und stellte ab dann in seiner Rotfärberei das türkischrote Tuch her, das von Dietikon aus in die ganze Welt verkauft wurde. Als Grundstoff diente ihm die Wurzel der Pflanze Färberkrapp. Die Familie kam durch den Handel mit Übersee zu einigem Wohlstand. Allerdings wurde das Unternehmen durch das Aufkommen von chemisch hergestellten Farben gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer unrentabler. 1905 verkaufte der Sohn, Carl August Hanhart Graf die «Rotfarb» an einen Metallgiesser. 1943 gingen aus dieser Firma schliesslich die Reppischwerke Dietikon hervor.

Impressionen vom Ortsmuseum: