Wenn sich in der Zürcher Stadtluft der Geruch von gegrilltem Fleisch mit Sambaklängen vermischt und der Boden von ausgeschütteten Caipirinhas süsslich klebt, dann ist es wieder soweit. Während dem Caliente-Festival wandelt sich kommendes Wochenende der Zürcher Kreis 4 in ein Stück Lateinamerika. Das ist aber bei weitem nicht der einzige solche Anlass. Über die Sommermonate folgen noch viele weitere Festivitäten, Quartier- und Dorffeste in der Region. Die Standbetreiber, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgen, haben Hochsaison. So auch die regionalen Suchtpräventionsstellen.

Damit beim Ausschank von Alkohol auch an Festivals der Jugendschutz eingehalten wird, gibt es das von der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs (Züfam) konzipierte online Schulungstool Jalk. Die Plattform richtet sich dabei nicht nur an Laien, die einmal im Jahr Alkohol ausschenken, sondern auch an Mitarbeiter der Gastronomie oder des Detailhandels.

Während 30 Minuten können sich Interessierte auf jalk.ch über das Thema Alkohol und dessen gesetzlichen Bestimmungen zeit- und ortsunabhängig schulen. Teilnehmer erfahren im Kapitel Wissen etwas über das Trinkverhalten der Schweizer Jugendlichen, werden im zweiten Teil auf ihre Kenntnis über die gesetzlichen Bestimmungen geprüft und im dritten Abschnitt mit realistischen Szenarien beim Ausschank oder dem Verkauf von Alkohol konfrontiert.

Alkohol gibt es erst ab 18 Jahren

Diesen Online-Kurs müssen nun auch die Standbetreiber des Caliente-Festivals absolvieren. Urs Rohr, Mitarbeiter der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich, sagt: «Das Caliente arbeitet in diesem Jahr zum ersten Mal mit Jalk. Die Schulung wurde vom Organisationskomitee für alle Standbetreiber als verbindlich erklärt.»

Was erfreulich sei, da diese freiwillige Bereitschaft bei der Suchtprävention benötigt werde. Denn es existiere keine rechtliche Grundlage, den Onlinekurs zu verordnen, so Rohr weiter. Dafür hat das OK des Caliente ein eigenes Suchtpräventionsteam ins Leben gerufen. «Sie informieren bei der Standblattausgabe die Getränkeverkäufer über ihre Pflichten und besuchen und betreuen diese während des gesamten Festivals», sagt Roger Furrer, OK-Präsident des Calientes. Die Kontrollen betreffen rund 150 der 250 Stände am Caliente-Festival. Deshalb ist es laut Furrer wichtig, dass das Verkaufspersonal seine Kenntnisse bezüglich des Alkohlausschankes im Vorfeld auffrische. Die Regeln sind klar: «Alkohol gibt es erst ab 18 Jahren», so Furrer.

Aufklärung in kürzerer Zeit

Gerade bei grossen Anlässen wie dem Caliente oder dem letztjährigen Zürifest ergibt eine Plattform wie Jalk laut Rohr Sinn. «Bei grossen Anlässen verkaufen Hunderte von Personen alkoholische Getränke. Mit der Plattform kann man diese mit relativ geringem Zeitaufwand entsprechend briefen und sensibilisieren», so Rohr. Bei kleinen Anlässen sei ein persönliches Briefing der Mitarbeiter nach wie vor effektiver.

Genau die Faktoren Zeit und Ort führten dazu, dass die Züfam ihre Jugendschutzschulung vergangenes Jahr digitalisierte. Vorgängig führten diese die regionalen Suchtpräventionsstellen im Kanton Zürich durch. «Der Aufwand solcher Schulungen war jeweils für Anbieter und Nutzer gross, sodass wir damit, auch aus Ressourcengründen, nur wenige Leute erreicht haben», sagt Laura Jucker, Projektleiterin von Jalk.

Die Digitalisierung der Schulung verfehlte seine Wirkung offenbar nicht. Seit März 2016 haben laut Jucker über 6200 Personen die Schulung online absolviert. «Wir erreichen damit deutlich mehr Leute», so Jucker. Nach der Einführung erwarb dann die Eidgenössische Alkoholverwaltung die Rechte am Online-Tool der Zürcher Präventionsstelle und ergänzte die Schulung für die restlichen Kantone. Mittlerweile kann diese auch auf Französisch absolviert werden.