Immobilien
Zartbittere Träume an der Zürcher Bahnhofstrasse

Die Confiserie Sprüngli ist seit 1859 am Paradeplatz – und das soll auch so bleiben. Laut Besitzerfamilie stünde aber am Paradeplatz sicher kein Sprüngli mehr, wenn die Immobilie nicht der Besitzerfamilie gehören würde.

Adrian Portmann
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Der Familienbetrieb Confiserie Sprüngli am Paradeplatz/Bahnhofstrasse Heinz Diener

Der Familienbetrieb Confiserie Sprüngli am Paradeplatz/Bahnhofstrasse Heinz Diener

Der Verdrängungskampf auf Zürichs Shoppingmeile dauert an. Doch nicht alle fürchten, ihren Platz zu verlieren. Die Confiserie Sprüngli residiert seit 1859 am Paradeplatz.

Während im Erdgeschoss die Schokolade im Akkord über den Ladentisch geht, lassen sich die Spezialitäten der Confiserie Sprüngli am Paradeplatz im darüber liegenden Kaffee auch gleich vor Ort ausprobieren. Das dezent weihnachtlich geschmückte Lokal scheint Generationen zu vereinen: Da sitzt die adrett gekleidete ältere Dame mit Federhut auf dem Kopf und Perlenkette um den Hals neben dem jugendlichen Hipster im Kurzarmshirt, mit Kopfhörer im Ohr – und Geschäftsleute im Business-Look treffen auf Mütter und Väter, deren Kinder auf dem altehrwürdigen Parkettboden umher wuseln – aufgepeitscht von der Schokoladentorte mit doppeltem Marzipanüberzug. Bis auf ein paar wenige freie Stühle sind alle Plätze besetzt, und es geht laut zu und her im Familienbetrieb Sprüngli.

In den Büros der Geschäftsleitung ist es ruhiger. Milan Prenosil, Präsident des Verwaltungsrates, sitzt am Tisch und gibt Auskunft über steigende Mieten an der Bahnhofstrasse, Familienbetriebe und das eigene Geschäft. Vom Paradeplatz wegzuziehen, kommt für ihn nicht infrage. «Wir haben uns nie ernsthaft überlegt, die Immobilie zu vermieten», sagt der Neffe des im Oktober verstorbenen Richard Sprüngli. Auch wenn es kein Problem wäre, einen Mieter für das Haus an bester Lage zu finden. «Wir hatten viele Angebote, aber wir haben jedes abgelehnt», sagt Prenosil. Wegen der konsequenten Haltung der Familie gebe es heute nur noch vereinzelt Anfragen von Interessenten.

Teures Pflaster

Mit dem anhaltenden Zustrom von finanzstarken Unternehmen – meist Filialen internationaler Konzerne – schiessen aber gerade die Mietpreise für Ladenflächen in der meist frequentierten Strasse der Stadt in die Höhe. «Die Spitzenmieten an der Bahnhofsstrasse liegen heute zwischen 8500 und 9000 Franken pro Quadratmeter und Jahr», sagt Robert Weinert von Wüest & Partner. Dies ist der Fall, wenn sich die Hauptnutzfläche im Erdgeschoss befindet. Bei mehrgeschossigen Läden sind die Mieten tiefer. Laut Weinert haben sich die Spitzenmietpreise an der Bahnhofstrasse seit 2010 um rund 15 Prozent erhöht. Nirgends in der Schweiz kostet der Quadratmeter mehr als an der 1.4 Kilometer langen Shoppingmeile zwischen Bahnhof und Zürichsee.

«Würden wir die Immobilie nicht selber besitzen, stände am Paradeplatz ganz sicher keine Confiserie mehr», sagt Prenosil. Ein zweites Verkaufsgeschäft von Sprüngli befindet sich gegenüber dem ehemaligen Bally-Haus, das zurzeit eingerüstet ist und in dem die spanische Modekette Zara ihre zweite Filiale an der Bahnhofstrasse eröffnen wird. Über den dortigen Mietzins will Prenosil keine Angaben machen, nur so viel: «Es ist ein angemessener Preis.»

19 Millionen Jahresmiete

Nicht angemessen findet hingegen das Warenhaus Manor den neuen Mietzins für ihre Filiale einige Meter weiter oben an der Bahnhofstrasse. Am 31. Januar 2014 läuft der bestehende Mietvertrag mit dem Hauseigentümer, dem Lebensversicherer Swiss Life, aus. 19 Millionen Franken soll das Familienunternehmen, welches seit 1984 an der Bahnhofstrasse residiert, in Zukunft hinblättern. Das sei das Dreifache des bisherigen Mietzinses, sagte Bertrand Jungo, Generaldirektor der Manor Anfang November gegenüber dem «Tages Anzeiger». Zurzeit stehen sich die Streitparteien vor dem Zürcher Mietgericht gegenüber. «Unser Vertrag mit Swiss Life beinhaltet eine Option für eine Verlängerung von fünf Jahren zu einem warenhausgerechten Mietzins», sagt Vitus Barmettler, Leiter Manor Bahnhofstrasse. Mit «warenhausgerecht» bezeichnet Barmettler einen Mietzins zwischen fünf und sieben Prozent des Jahresumsatzes. Er verweist dabei auf eine Studie des global tätigen Immobilienberatungsunternehmens «Jones Lang LaSalle», welches die Mietzinsen von Warenhäusern an ähnlichen Standorten verglichen hat.

Falls das Mietgericht gegen das Warenhaus entscheidet, will Manor den Fall an das Obergericht weiterziehen. Die Filiale an der Bahnhofstrasse beschäftigt rund 400 Mitarbeiter und wird jedes Jahr von mehr als fünf Millionen Kunden besucht. «Wir sind der Meinung, dass eine gute Durchmischung an der Bahnhofstrasse wichtig ist, und wir mit unserem Sortiment einen Beitrag dazu leisten», sagt Barmettler.