Eigentlich hatte FCZ-Captain Yassine Chikhaoui angekündigt, die Fragen auf französisch zu beantworten. Das Thema, sagte der 28-Jährige, sei zu ernst. Er wolle nicht wegen eines sprachlichen Missverständnisses falsch verstanden werden. Chikhaoui sprach dann während des Talks aber doch meist hochdeutsch: «Man muss sich verstehen», meinte er lachend. 

Der tunesische Nationalspieler wird in einem neuen, rund zweieinhalbminütigen Kurzfilm porträtiert, den das Staatssekretariat für Migration (SEM) gestern im FCZ-Museum in Zürich vorgestellt hat. Der Film ist Teil der Reihe «Migration hat viele Gesichter», mit der das SEM seit 2012 Personen und ihre Geschichte vorstellt. 

«Ob der deutsche Universitätsprofessor, der rumänische Chemielaborant oder die portugiesische Pflegefachfrau im Altersheim», heisst es beim Staatssekretariat. «Sie alle haben sich entschieden, in der Schweiz zu leben und tragen durch ihre Arbeit zum Wohlstand des Landes bei.»

Über Migration und Integration wollten Spieler Chikhaoui, der beim Film ohne Gage mitmachte, FCZ-Präsident Ancillo Canepa und SEM-Direktor Mario Gattiker gestern reden. Es wurde dann, trotz des an sich ernsten Themas, eine lockere, witzige Talkrunde. Denn: Integration? Kein Problem, lautete die Bilanz.

«Zwei Drittel der Fussballer, die in der Super League spielen, weisen einen Migrationshintergrund auf», sagte Gattiker. «Der Fussball leistet auf allen Stufen unglaublich viel für die Gesellschaft», folgerte Canepa und forderte eine grössere Unterstützung durch die Politik, die sich immer nur auf die unschönen Themen rund um den Fussball konzentriere. Und Chikhaoui sagte, dass er in der Schweiz nie Probleme gehabt habe. Er sei gut aufgenommen worden. Die Schweizer seien weniger zurückhaltend, als er erwartet habe.

Yassine Chikhaoui - Fussball integriert-SD

Yassine Chikhaoui - Fussball integriert-SD

Dass er als Fussballer mit seiner begnadeten Technik, die selbst auf den Fantribünen der Gegner bewundert wird, ein Sonderfall sei und damit gar nicht erst mit alltäglichen Problemen konfrontiert werde, wies Chikhaoui zurück. Er sei nicht nur auf dem Rasen integriert, meinte der 28-Jährige. Seine Kinder fühlten sie hier wohl, seien in der Schule oder mit den Kollegen glücklich. Er selber könne seinen Glauben leben, ohne sich verstecken zu müssen. «Und die Schweizer Nationalmannschaft zeigt doch, dass hier Integration funktioniert.» Die Schweiz, meinte Chikhaoui, sei ein Vorbild für Europa.

Natürlich sei Integration nicht gratis zu haben, sagte Chikhaoui. Es brauche beide Seiten, merkte Gattiker an. Das Interesse des Migranten für die neue Umgebung und die Offenheit der Bevölkerung. Und Canepa, der den ganzen Abend in der Mundart blieb, meinte, dass dies selbstverständlich sei.

Es gebe gewisse Grundregeln, die für alle gelten. Aber allen müsste auch ein gewisser Freiraum zustehen. Aus diesem Grund schicke der FCZ alle Spieler in einen Deutschkurs. «Aber am Ende spielen alle miteinander in einem Team, egal woher sie sind, egal welcher Religion sie angehören.» Wichtiger als die Herkunft sei die Toleranz: «Wer intolerant ist, hat keine Chance.»

Für Mario Gattiker, den Direktor des Staatssekretariats für Migration, ist dabei wichtig, dass die Integrationsbemühungen über den Arbeitsplatz hinaus gehen. Nur auf dem Fussballfeld oder im Chefbüro zu glänzen, reiche nicht: «Zusammenleben bedeutet mehr.» Man müsse sich auch privat, etwa über den Gartenzaun hinweg mit dem Nachbarn, unterhalten können.