Coronakrise

Würzige Quarantäne-Musik: Ihre neue Platte weckt Frühlingsgefühle

Philipp Kathriner und Kurt Egli (von links) veröffentlichen ihre zweite gemeinsame EP namens «Umami».

Philipp Kathriner und Kurt Egli (von links) veröffentlichen ihre zweite gemeinsame EP namens «Umami».

Kurt Egli und Philipp Kathriner bieten als Duo Wasabi auf ihrer neuen EP «Umami» Musik für die Quarantäne-Playlist. Die Veröffentlichung fällt bewusst in die Coronazeit und soll die Vorfreude auf das Ende der Krise versüssen.

«Wir freuen uns über die Veröffentlichung fast so sehr, wie wir uns über das Ende der Coronakrise freuen werden», sagt Philipp Kathriner, und sein Kollege Kurt Egli lacht. Heute ist es so weit. Nach gut einem Jahr Arbeit bringen die beiden Produzenten, die als Duo Wasabi bekannt sind, ihre neue EP heraus. Der Tonträger mit sieben Liedern trägt den Namen Umami, was auf Japanisch so viel wie schmackhaft oder würzig bedeutet. «Umami bezeichnet einen zusätzlichen, fünften Geschmack. Sojasauce ist ein gutes Beispiel dafür. Sie schmeckt salzig, gleichzeitig süss und herzhaft. Genauso facettenreich ist unsere Musik», sagt Kathriner. Auf «Umami» finden sich housige Beats, gepaart mit urbanem Hip-Hop und souligem Gesang. «Man spricht auch von Future Beats. Eine Musikrichtung, die gerade in der Schweiz am Wachsen ist», sagt Kurt Egli.

Mit Japan hat ihre zweite Platte aber nichts zu tun. «Umami und auch unser Künstler­name Wasabi sind eine Anspielung auf unsere asiatischen Wurzeln», sagt Egli. Der 34-Jährige hat eine thailändische Mutter und einen Schweizer Vater. Kathriners Mutter stammt von den Philippinen, der Vater ist ebenso Schweizer. «Wenn wir beide schon einen typischen Schweizer Namen haben, dann wollen wir wenigstens als Künstler unsere Herkunft zelebrieren», sagt Egli und lacht.

Zudem mögen beide Wasabi, Egli in Form von Snacknüssli und Kathriner frisch gerieben. Die beiden Freunde sind in der Stadt Luzern aufgewachsen. ­Kathriner legt als DJ Still Phill vor allem Hip-Hop- und R’n’B-Musik auf und leitet zudem einen Club in Luzern. Egli zog es nach Zürich. Er arbeitet als Informatiker in einer IT-Firma in Altstetten.

In der Rollschuhdisco zur Liebe tanzen

Mit der ersten Singleauskopplung «Imma Get U Right» der neuen EP meldeten sich die beiden drei Jahre nach Veröffentlichung ihrer Debüt-EP «Wasabi» schon am 13. März zurück. Auch ein Musikvideo gibt es dazu bereits. Auf Youtube wurde der Clip unterdessen fast 11000 Mal angeschaut. Junge Menschen drehen darin ihre Runden in einer Rollschuhdisco. Der Luzerner Musiker Feliciano Ponce leiht dem Lied seine Stimme und singt über die Liebe. «All unsere neuen Lieder klingen organisch und sind sehr tanzbar», sagt Kathriner. Das Duo arbeitet stets mit Schweizer Musikern zusammen. Wasabi liefert den Beat und die Melodie, die Künstler den Gesang. «Wir lassen ihnen viel Freiheit. Dass nun alle Lieder von der Liebe handeln, ist eher Zufall», sagt Kathriner.

«Imma Get U Right» (feat. Feli ciano) – die erste Single der EP «Umami» vom Duo Wasabi.

Gewollt ist jedoch die englische Sprache. «Wir haben nichts gegen Lieder in Mundart, doch wir wollten alles aus einem Guss haben und setzen auf Englisch, auch weil wir damit mehr Menschen erreichen können», sagt der 30-Jährige. Sie könnten sich aber durchaus vorstellen, die nächste EP dem Schweizer­deutschen zu widmen. Die ­zweite Single heisst «Short Of Breath» und wird von Lia Meier besungen. Das Lied wirkt etwas ruhiger und verspielter. Nichtsdestotrotz passt es gut in einen Club oder zu einer Sommer-­Sause mit Kollegen am See.

Kurt Egli und Philipp Kathriner produzieren ihre Musik selbst, haben kein grosses Musiklabel im Rücken. Sie gründeten ein Label mit anderen Luzerner Künstlern und nehmen ihre Songs in einem Studio eines Freundes auf. Die beiden bevorzugen es, eigenständig an ihrer Musikkarriere zu arbeiten.

Duo Wasabi

Kurt Egli und Philipp Kathriner produzieren ihre Musik selbst, haben kein grosses Musiklabel im Rücken. Sie gründeten ein Label mit anderen Luzerner Künstlern und nehmen ihre Songs in einem Studio eines Freundes auf. Die beiden bevorzugen es, eigenständig an ihrer Musikkarriere zu arbeiten.

Mehr Zeit, neue Musik zu entdecken

Doch gemeinsam im Club tanzen und Party feiern, das geht im Moment nicht. «Wir sind uns bewusst, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung während der Coronakrise speziell ist», sagt Kathriner. Sie hätten sich lange überlegt, ob sie damit noch warten sollen. «Die EP ist schon seit einer Weile bereit, wir mussten nur noch den Feinschliff machen und haben uns deshalb entschieden, es durchziehen», sagt Egli. Auch weil die Lieder sehr frühlingshaft und sommerlich seien, hielt man am Veröffentlichungsdatum fest. «Klar hat man jetzt das Coronavirus im Kopf. Doch viele sind nun auch zu Hause und haben Zeit, neue Musik zu entdecken», findet Egli. Die Songs könnten bei den Hörerinnen und Hörern auch die Vorfreude auf die Zeit nach der Coronakrise wecken. «Unsere EP soll Emotionen hervorrufen und das Frühlingsgefühl in der Quarantänezeit wenigstens in die eigenen vier Wände bringen. Mit unserer EP hat man sozusagen Futter für seine Corona-Playlist», sagt Egli.

Positiv gestimmt ist das Duo auch, weil die Radios derzeit sehr viel Schweizer Musik spielen und lokale Künstler unterstützen. «Uns fällt das auf und es freut uns», sagt Kathriner. Schweizer Künstler hätten es nicht einfach. «Man kann ein Nummer-1-Album rausbringen und trotzdem nicht davon leben. Das passiert nur in kleinen Ländern wie der Schweiz, Österreich oder Luxemburg.» Daher sind die beiden auch stolz, dass sie es bereits mit ihren ersten Liedern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf so einige Playlists und in der Heimat auch in ein paar Radios geschafft haben.

Der eigenständige und steinige Weg härtet ab

Das Duo produziert sich selbst, hat kein grosses Musiklabel im Rücken. «Wir haben ein Label mit anderen Luzerner Künstlern gegründet, aufgenommen wird im Studio eines Freundes», sagt Kathriner. Sie bevorzugen es, eigenständig an ihrer Musikkarriere zu arbeiten statt auf Casting-Shows wie etwa «The Voice of Switzerland» oder «Deutschland sucht den Superstar» zu setzen. «Ich glaube, dass ein homogenes Wachstum nachhaltiger ist und auf lange Sicht mehr Früchte trägt. Das heisst aber nicht, dass Casting-Shows grundsätzlich der falsche Weg sind, um im Musikgeschäft Fuss zu fassen», sagt Kathriner. Vorteile biete ihre Vorgehensweise aber, findet Egli. «Durch den steinigen Weg ist man abgehärtet, wenn man mal ein Tief hat. Man kann besser mit Niederschlägen umgehen.»

Mit ihrer neuen EP hoffen die Wasabi-Jungs nun, es von der Playlist auf die Live-Bühne zu schaffen. «Es wäre schön, wenn wir an Festivals oder Anlässen spielen könnten», sagt Kathriner. Das Finanzielle sei die falsche Motivation, um Musik zu machen. «Das Schönste ist, wenn wir mit unserer Arbeit zufrieden sind und die Lieder immer wieder hören können», sagt er und Egli fügt an: «Ich habe mehr Freude, wenn fremde Leute unsere Musik hören oder Freunde mir eine Whats­app-Nachricht schicken, weil sie gerade unser Lied im Radio gehört haben. Das ist mir mehr wert als zwei Millionen Klicks auf Youtube.»

Autor

Sibylle Egloff

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