Als Grundstein wählten die Verantwortlichen eine Plastikkiste, in der verschiedene Dokumente zur Geschichte des Areals und dem Seilziehen um die zukünftige Nutzung, Fotografien, aber auch Briefe von Genosssenschaftsmitgliedern verstaut wurden.

«Hier entsteht etwas sehr Markantes», sagte Hochbauvorstand André Odermatt (SP) vor den Medien, «eine Brücke zwischen den Kreisen 3 und 4.» Mit den 89 geplanten Wohnungen trage die Genossenschaft Kalkbreite dazu bei, dass Wohnraum in der Stadt Zürich auch längerfristig bezahlbar bleibe.

Die mehrstöckige Wohn- und Gewerbeüberbauung ist ein gemeinsames Projekt der Stadt und der Genossenschaft Kalkbreite. Ziel ist es, ein «lebendiges urbanes Zentrum zu schaffen, eine Art Stadt in der Stadt», wie Odermatt sagte.

Gemeinschaftliche Wohnformen

Die Wohnungen werden Platz für rund 230 Familien, Paare und Singles bieten, wobei günstige Mieten und ein breites Angebot an gemeinschaftlichen Wohnformen, darunter Kleinwohnungen mit grossem Gemeinschaftsraum und Küche, vorgesehen sind. Rund 5000 Quadratmeter Nutzfläche sind für Läden, Gastronomiebetriebe, Büros oder Ateliers reserviert. Auch ein Kino zieht ein.

Das Minergie-P-Eco-Projekt ist den städtischen Zielen der 2000- Watt-Gesellschaft und der Nachhaltigkeit verpflichtet. Der motorisierte Verkehr wird klein geschrieben: So werden anstelle einer Tiefgarage im Neubau über 300 ebenerdige Veloabstellplätze erstellt.

Zentrum der Anlage ist eine öffentlich genutzte, begrünte Terrasse, die zugleich das Dach der bestehenden Tramabstellanlage bildet. Erschlossen wird sie vom Rosengartenplatz her über eine breite offene Treppe.

Umstrittene Baurechtsvergabe

Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) erinnerte daran, dass der Entscheid, das Areal der Genossenschaft Kalkbreite im Baurecht abzugeben, nicht unumstritten war. Insbesondere traditionsreiche Genossenschaften seien über den Entscheid wenig erfreut gewesen, zumal sich die Genossenschaft Kalkbreite damals erst in ihrer Gründungsphase befand.

Ausschlaggebend sei jedoch «das innovative, spannende Projekt» gewesen. Hier entstehe eine neue Qualität im Wohnungsbau, etwas, dass in die Zukunft ausstrahlen könnte.

Angesichts der städtischen Vorschusslorbeeren sagte Manuel Knuchel, Co-Präsident der Genossenschaft Kalkbreite, er sei sich bewusst, dass die Genossenschaft Erwartungen geschürt habe. Er sei aber überzeugt, dass das Nutzungskonzept ausgewogen sei und auf dem Platz ein attraktives Quartierangebot entstehen könne.

Zur Attraktivität beitragen soll nicht zuletzt das Projekt Kunst am Bau. Der deutsche Künstler Christoph Faulhaber wird während 24 Jahren die Genossenschaft begleiten und ihr immer wieder einmal einen künstlerischen Spiegel vorhalten, wie Knuchel sagte.

Wie dies genau geschieht, ist noch offen. Faulhaber selbst will ein prozesshaftes Vorgehen wählen, das sich am «Gedanken der gegenseitigen Teilnahme» zwischen der Genossenschaft und ihm als Auftragnehmer orientiert, wie es auf der Genossenschafts-Website heisst. Faulhaber war Ende 2010 einstimmig zum Gewinner eines Kunst- am-Bau-Wettbewerbs erklärt worden.