Die 1973 eröffnete Autobahn Nummer 3, die Zürich und Chur verbindet, war für die Gemeinde Altendorf (SZ) einschneidend: Die neue Schnellstrasse führte mitten durch den Ort. Im Dorf am oberen Zürichsee, zwischen Pfäffikon und Lachen gelegen, sprach man von einem trennenden «Graben».

2004 war dieser zugeschüttet: Nach langen Jahren des Planens (und viel Hoffens und Bangens) wurde die A3 auf einer Länge von rund 600 Metern überdacht. Auf einem Teil der neu nutzbaren Fläche realisierte die Suva Wohnbauten. Auf dem anderen Teil erstellte die Gemeinde einen grosszügigen Sport- und Fussballplatz nahe der Schulanlagen.

Diese Überdeckung konnte «in zwei wichtigen Bereichen grosse Wirkung entfalten», hielt Albert Steinegger, der von 1990 bis 2010 Gemeindepräsident war, in der Zeitschrift des historischen Vereins des Kantons Schwyz fest. «Einerseits wurde die Lärmquelle eliminiert und im Herzen der Gemeinde an bester Lage eine grosszügige öffentliche Zone geschaffen.» Und andererseits sei auch eine positive Grundstimmung erzeugt worden. «Es entstand der Eindruck, dass selbst die grössten Probleme lösbar sind.»

Die «Mehrfachnutzung von Nationalstrassen» hat nun auch das Bundesamt für Wohnungswesen interessiert, das das «Potenzial für Wohnnutzungen» in einer Studie abklären liess. Denn: «Die Idee hat etwas Bestechendes», halten die Verfasser fest. Es ginge kein Kulturland verloren – der Boden ist ja bereits beim Bau der Autobahn versiegelt worden. Die Überdeckung würde den Strassenlärm abschirmen. Getrennte Siedlungsräume könnten zusammenwachsen, die städtebauliche Qualität verbessert werden.

13 Standorte im Kanton Zürich

Doch die Studie kommt nun zum Schluss, dass sich in der Schweiz nur relativ wenige derartige Überbauungen realisieren liessen. Auf dem 1800 Kilometer langen Autobahnnetz sind lediglich 38 Standorte realistisch, 13 davon im Kanton Zürich. Laut der Studie könnte so landesweit Wohnraum für mindestens 17 000 bis maximal 65 000 Einwohner geschaffen werden. «Das Potenzial von Überdeckungen der Nationalstrassen ist relativ gering», zieht das Bundesamt für Wohnungswesen deshalb Bilanz. Selbst bei maximaler Ausnützung «wäre lediglich der aktuell jährliche Bedarf an Neuwohnungen gedeckt».

Auch wenn das Potenzial im gesamtschweizerischen Kontext klein ist, im Einzelfall ist eine Wohnüberbauung über Autobahnen durchaus zu prüfen: «Auf lokaler bis regionaler Ebene könnte ein nicht unerheblicher Beitrag zur Schaffung von neuen, verdichteten und qualitätsvollen Wohnstandorten geleistet werden.»

Die 38 als realistisch eingestuften Standorte befinden sich nämlich vor allem in dicht besiedelten Regionen wie Zürich, Urdorf, Richterswil oder Wallisellen, wo die Nachfrage nach Wohnraum und die Mietpreise hoch sind und die Baulandreserven gering sind. Dort «machen Autobanüberdeckungen also aus gesellschaftlichen Gründen besonders Sinn», hält des Bundesamt fest.

Der Bau von Autobahndächern ist mit hohen Kosten verbunden. Die Planungs- und Bewilligungsphasen sind lang. Für Investoren sind dies keine idealen Voraussetzungen. «Vor allem dort, wo auf lokaler Ebene die politische Unterstützung zu finden ist, dürften sich Investoren aber finden lassen», heisst es dazu in der Studie.

Das war auch in der Gemeinde Altendorf so. Dort hatten die lokalen Behörden die Verantwortung an sich gerissen; die Gemeinde trat am Ende als Bauherr auf, nicht der Bund oder der Kanton. Denn nachdem 1978 die ersten Ideen einer Überdeckung entwickelt wurden, hatte sich abgezeichnet, dass der Bund nur einen kurzen Abschnitt realisieren will. Da sei die Idee entwickelt worden, «einen längeren Tunnel durch private Nutzung auf dem Tunnel zu finanzieren», erinnerte sich alt Gemeindepräsident Steinegger in seiner Schrift. «Möglichen Investoren aufzuzeigen, dass sich eine Investition von etwa 45 Millionen Franken für Wohnbauten auf einer Nationalstrasse langfristig lohnen wird und nicht mit übermässigen Risiken sowohl technischer als auch finanzieller Art verbunden ist, war kein leichtes Unterfangen.»

Als Partner konnte am Ende eben die Suva gewonnen werden, welche 93 Mietwohnungen und 16 Einfamilienhäuser erstellte. Mit den jährlichen Baurechtszinsen, die die Gemeinde einnimmt, kann sie die Pauschale bezahlen, die der Kanton für den Unterhalt des Altendorfer Tunnels verlangt.