Drei SP-Kantonsräte suchen nach Auswegen für den durchgehenden Seeuferweg. In einer Anfrage an den Regierungsrat wollen Esther Meier (Zollikon), Jonas Erni (Wädenswil) und -Davide Loss (Adliswil) vom Regierungsrat wissen, ob Landaufschüttungen die Realisierung des Uferwegs am Zürichsee möglich machen könnten.

Dabei orientieren sie sich nicht direkt an den Landaufschüttungen im 19. Jahrhundert, als jeweils bis zu 30 Meter weit aufgeschüttet wurde, sagt Esther Meier. Die Bedeutung des Seeufers habe sich in den letzten 250 Jahren verändert. Im 19. Jahrhundert ging es darum, der Industrie gute Standorte mit günstigen und schnellen Transportmöglichkeiten über den See zu schaffen. Damals war der Bedarf für aufgeschüttete Landanlagen viel grösser als im 21. Jahrhundert. «Jetzt geht es um Raum für Erholung am See für alle, um den Seeuferweg», so Meier. Das benötigte Land sei ein unbedeutender Bruchteil dessen, was im 19. Jahrhundert dem See weggenommen wurde.

Aufschüttungen sollen nur als Ergänzung zu anderen Techniken in Erwägung gezogen werden, an Stellen, wo keine andere Lösung in Sicht ist – im Wechsel mit schwimmenden Stegen, mit Brücken zu Landzungen, mit Stegen über dem Wasser oder montierten Stegen entlang senkrechter hoher Ufermauern. «Die Gestaltung moderner Aufschüttungen unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte – ich denke da etwa an Flachwasserzonen – kann auch eine Chance für Tier- und Pflanzenwelt sein», erklärt Esther Meier.

Wie sich solche Flachwasserzonen entwickeln, werde man am Beispiel entlang des bereits erstellten Uferweges zwischen Wädenswil und Richterswil beobachten können. Vom Regierungsrat will die Kantonsrätin deshalb wissen, wie sich diese Zonen entwickelt haben.

Situation entkrampfen

Der Vorschlag stammt aus dem Umfeld des Vereins «Zürisee für alli». Erstunterzeichnerin Meier ist Vorstandsmitglied, Davide Loss hat den Verein schon juristisch beraten. Jonas Erni hat schon andere Vorstösse zum Seeuferweg eingebracht (siehe Kasten). «Neue Landaufschüttungen können tatsächlich die festgefahrene Situation um den Seeuferweg ein Stück weit entkrampfen, weil es nicht um Enteignungen geht, sondern um den Nutzen des Sees, der dem Kanton gehört», sagt Esther Meier.

Jonas Erni sieht den Vorstoss als Ergänzung zu den bisherigen Bemühungen, einen durchgehenden Seeuferweg zu erreichen. Er hoffe, dem fehlenden Willen des Kantons etwas nachzuhelfen. «Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Seeuferweg», meint Erni.

Inseln als weiterer Vorschlag

Vom Regierungsrat wollen die Kantonsräte etwa wissen, wann und wo die letzten Aufschüttungen durchgeführt wurden. Oder welche Gesetzesänderungen nötig wären, um Landaufschüttungen zu erlauben. Die Exekutive soll sich auch zum Bedeutungswechsel der Seeufer äussern. Eine Idee der Planungsgruppe Zimmerberg fliesst bei den Fragen an den Regierungsrat ein: die Inselaufschüttungen. Diese seien durch die Baudirektion geprüft worden. Die Kantonsräte wollen die Ergebnisse der Prüfung erfahren. Die Antwort des Regierungsrats dürfte in einigen Wochen eintreffen.

«Das ist eine Zwängerei»

Wenig anfangen mit dem neuen Vorschlag kann Peter Vollenweider, Präsident des Vereins Fair (Für eine Aufwertung des Zürichseeufers im Recht), der sich für die privaten Grundstückbesitzer am See einsetzt. «Für mich ist das keine Lösung. Aufschüttungen sind teuer, kaum realisierbar und starke Eingriffe in die Natur. Das Ganze ist eine Zwängerei.» Der FDP-Kantonsrat aus Ürikon zweifelt daran, dass es in der Bevölkerung ein echtes Bedürfnis für einen durchgehenden Weg direkt entlang des Seeufers gebe.