Dübendorf

Wo die Armee flügge wurde

Nach dem Abzug der Kampfflugzeuge im Jahre 2005 blieb die Armee mit einer Helikopterbasis auf dem Flugplatz präsent. manuel reimann

Nach dem Abzug der Kampfflugzeuge im Jahre 2005 blieb die Armee mit einer Helikopterbasis auf dem Flugplatz präsent. manuel reimann

Die Wiege der Schweizer Militäraviatik feiert das 100-Jahr-Jubiläum am Flugplatz Dübendorf.

Die Schweizer Armeeführung tat sich kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch schwer mit der Fliegerei. «Im Besonderen ist die Aviatik etwas, mit dem ich mich bis jetzt noch gar nicht abgegeben habe, Ihren Flugplatz Dübendorf kenne ich nicht», bescheinigte Oberstkorpskommandant Wille, der spätere General, am 28. Oktober 1911 dem Vorstand der Flugplatzgesellschaft Dübendorf.

Die Diskussion in der Armeespitze drehte sich damals noch mehr um die Frage, ob nun der Fesselballon oder das lenkbare Luftschiff für die Aufklärung geeigneter sei. Während in den Ländern rundum bereits ganze Luftflotten im Aufbau begriffen waren, sah man in der Schweiz für die Aeroplane noch keinen militärischen Verwendungszweck.

Verworrene Verhandlungen

Während es oben also noch klemmte, erkannten jüngere Offiziere das Potenzial der Militäraviatik. Sie lancierten 1913 eine Geldsammlung. Immerhin begann sich darauf eine Aviatikkommission mit der Schaffung einer Fliegertruppe zu befassen. Nach verworrenen, langen und zähen Verhandlungen ging sie auch auf das Angebot der Terraingenossenschaft Dübendorf ein. Die in finanziellen Nöten steckende Genossenschaft für das 1910 geschaffene Flugfeld vor den Toren Dübendorfs suchte nämlich einen finanzstarken Pächter.

Am 24. April 1914 gab die Aviatikkommission dann einstimmig Dübendorf gegenüber anderen potenziellen Standorten wie Avenches oder Frauenfeld den Vorzug als künftiger eidgenössischer Militärflugplatz. Doch es dauerte noch bis zum 3. Dezember 1914, ehe die Dübendorfer Genossenschafter, die mit dem ausgehandelten Pachtpreis nicht ganz zufrieden waren, doch ihren Segen gaben.

Nach Kriegsausbruch Ende Juli dauerte es eine Weile, bis sich die Fliegertruppe formierte: Elf Piloten meldeten sich bei der Armeeleitung, welche die Männer dem Kommando von Hauptmann Theodor Real unterstellte. Die zusammengewürfelte Gruppe wurde gesammelt – die meisten hatten bei der Genie gedient – hinzu kamen ein Kavallerist und ein Infanterist auf dem Beundenfeld in Bern. Zum Teil brachten die Piloten ihre eigenen Maschinen, acht «Apparate» wurden requiriert.

Landung im Winter

Am 8. Dezember 1914 setzten «beim herrlichsten Wetter» um 11 Uhr die ersten drei Militärflieger mit Eindeckern in Dübendorf auf, wie das Wochenblatt des Bezirkes Uster berichtete. Eine Woche später konnte es nach Ankunft der Doppeldecker nachdoppeln: «Damit wird diese Züglete nach modernster Art zum grössten Teil beendet sein.» Zum Stephanstag 1914 gab es dann bereits den ersten Übungs-Bombenabwurf samt Feuerball zwischen Dübendorf und Fällanden. Ende November 1918 erwarb der Bund den Flugplatz für 380 000 Franken. In den 1920er-Jahren schossen Flugzeughallen wie Pilze aus dem Boden.

1920 wurde Dübendorf zum Zivilflugplatz 1. Klasse erklärt. Es dauerte allerdings bis Mitte 1933, ehe der Zivilflugplatz auf der Wangemer Seite offiziell eingeweiht werden konnte. Bis 1949 war Dübendorf die «Home Base» der 1931 gegründeten nationalen Fluggesellschaft Swissair. 1938 dürfte hinsichtlich Flugbewegungen der Rekord aufgestellt worden sein: 64 468 Landungen wurden registriert, 37 807 entfielen auf Militärflugzeuge, der Rest auf zivile. Dies bedeutete täglich 177 Flüge. Mit der Eröffnung neuer Militärflugplätze verlagerte sich der militärische Flugverkehr. Während bis 1939 rund die Hälfte aller Militärflüge von Dübendorf aus erfolgten, waren es nach dem Krieg nur noch ein Fünftel.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Dübendorf zum Auffangbecken. Weit über 100 fremde Kriegsflugzeuge, in erster Linie beschädigte US-Bomber der Typen Flying Fortress und Liberator, wurden hier gelandet.

1949 siedelte die gesamte Zivilluftfahrt, die während des Krieges eingestellt worden war, nach Kloten über. Die Anlagen der Zivilaviatik wurden vom Militär übernommen. Ausserdem wurden die Hartbelagpisten auf dem 180 Hektaren grossen Flugplatz ausgebaut.

Der Weg zu «Düsendorf»

Dübendorf war in den 1960er-Jahren der wichtigste Waffen- und Trainingsflugplatz der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen. Das Kommando des Überwachungsgeschwaders mit dem Gros der Berufspiloten der Flugwaffe war hier stationiert. Die Flugwaffe hatte im Jahr 1958 einen Bestand von 21 Fliegerstaffeln mit 425 Kampfflugzeugen, alles Jets der Typen Vampire und Venom.

Ein Quantensprung fand in den 1960er- und 1970e-Jahren statt mit der von lautstarken Nebengeräuschen erfolgten Beschaffung von 59 Kampfjets Mirage III, 130 Kampfjets Hawker Hunter und rund 100 Alouette-Helikoptern. Im Kalten Krieg wurden bis zu 45 000 Flugbewegungen gezählt, die meisten davon mit Kampfjets. Dies trug Dübendorf auch den Übernamen «Düsendorf» ein.

Helikopter bleiben

Nach dem Abzug der Kampfflugzeuge im Jahre 2005 etablierte sich ein heute weitgehend ausgeglichener Flugbetrieb mit noch rund 3000 zivilen und etwa 12 000 militärischen Flugbewegungen. Diese finden mit Spezial-, Trainings- und Transportflugzeugen sowie Helikoptern des Lufttransportgeschwaders 3 statt. In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob Dübendorf auch in Zukunft Helibasis bleibt.

Der einst grösste Militärflugplatz der Schweiz erfuhr 2008 eine markante Abstufung. So ist er seither dem Flugplatzkommando Alpnach unterstellt. Wichtig ist Dübendorf heute auch noch als Standort der Operationszentrale (Air Operations Center), der zentralen Führungs- und Schaltstelle für alle Luftwaffeneinsätze.

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