Energie
Wissenschaftler lancieren Initiative für klimafreundliche Gebäude

Im Kanton Zürich sollen künftig keine Gebäude mehr mit Öl oder Gas beheizt werden. Das fordern Wissenschaftler. Sie haben gestern eine entsprechende Initiative eingereicht

Heinz Zürcher
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Die Gebäude im Kanton Zürich, so auch dieses Haus in Dietikon, sollenklimafreundlicher werden. Das fordert eine Initiative von Wissenschaftlern. bhi

Die Gebäude im Kanton Zürich, so auch dieses Haus in Dietikon, sollenklimafreundlicher werden. Das fordert eine Initiative von Wissenschaftlern. bhi

Bettina Hamilton-Irvine

Der Kanton Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 den CO2-Ausstoss pro Kopf und Jahr von 5 auf 2,2 Tonnen zu reduzieren. Dem ETH-Architekten Niklaus Haller ist das zu wenig. Er hat gestern eine Einzelinitiative eingereicht, die dafür sorgen soll, dass die Emissionen rascher sinken. Ein grosses Potenzial sieht er im Gebäudebereich. Dieser sei für einen Drittel der fossilen CO2-Emissionen in der Schweiz verantwortlich und daher geeignet, um wirksame Massnahmen gegen den Klimawandel zu treffen.

Hallers Initiative für klimafreundliche Gebäude im Kanton Zürich wird unterstützt von einer Gruppe von Wissenschaftlern. Sie fordern, dass der Ausstoss bei der Beheizung von Gebäuden und der Erwärmung von Wasser begrenzt wird. So sollen die CO2-Emissionen aus nicht erneuerbaren Quellen wie Öl oder Gas schrittweise bis auf Null reduziert werden. Für Anlagen in Neubauten soll diese Vorgabe bereits zehn Jahre nach Annahme der Initiative gelten. Für neue Anlagen in bestehenden Gebäuden gilt eine Frist von 18 Jahren. Ausgenommen von dieser Regel sind Anlagen mit erneuerbaren Brennstoffen wie Biogas und Holz sowie die Wärmenutzung aus der Abfallbewirtschaftung. Auch soll der Kanton Ausnahmen bewilligen können – zum Beispiel dort, wo aus denkmalpflegerischen Gründen ein höheres Interesse besteht.

«Vollzug ist einfach»

Zu den über 40 Wissenschaftlern, welche die Initiative unterstützen, gehört der ETH-Professor Reto Knutti. Er findet den Ansatz des Vorstosses richtig und realistisch: «Im Gebäudesektor sind Technologien seit langer Zeit vorhanden, um fossile Brennstoffe vollständig zu elimieren», sagt Knutti. «Es braucht dazu nur klare Vorgaben und Anreize.» Der Vollzug des Begehrens sei einfach und schnell möglich, sagte gestern das Initiativkomitee an einer Medienorientierung. Daten und Verfahren, mit denen der CO2-Ausstoss berechnet werden kann, seien bereits vorhanden. Auch verfüge man über das Wissen und die Technologien, die zur Umsetzung der Initiative notwendig seien. Die Anpassung der Grenzwerte alle vier Jahre schaffe langfristige Planungs- und Investitionssicherheit. Diese zeitliche Staffelung entspreche den üblichen Erneuerungszyklen von Heizungen und führe nicht zu höheren Kosten, heisst es in der Begründung der Einzelinitiative: «Im Gegenteil: Die tendenziell tieferen Jahreskosten von alternativen Systemen führen zu gesamtwirtschaftlich positiven Effekten».

Für Professor Philippe Thalmann von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne ist die Initiative zudem «ein willkommener Impuls für die Innovation im Gebäudebereich». Anstelle das Geld für Gas- und Ölimporte auszugeben, könne es im Inland investiert werden – für innovative Technologien und Arbeitsplätze im Bauwesen.

«Es ist fünf nach zwölf»

Unterstützt wird die Initiative auch vom bekannten Städtebauer Vittorio Lampugnani, der ETH-Rektorin Sarah Springman und vom emeritierten ETH-Professor für Gebäudetechnik, Hansjürg Leibundgut. Er findet, es sei höchste Zeit, die Energiewende nun einzuleiten. «Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern bereits fünf nach zwölf», sagt Leibundgut. «Wir können uns das Verbrennen von fossilen Brennstoffen schlicht nicht mehr leisten.»

Der Zeitfaktor habe denn auch den Ausschlag gegeben, eine Einzelinitiative statt einer Volksinitiative zu lancieren. Um eine Einzelinitiative an die Regierung zu überweisen, sind im Kantonsrat mindestens 60 Ja-Stimmen nötig. Leibundgut: «Ich bin gespannt, welche Parlamentarier den Mut haben werden, gegen eine Überweisung zu stimmen – und mit welcher Begründung.»

Sollte der Vorstoss im Parlament enden, schliesst das Komitee nicht aus, später doch noch eine Volksinitiative zu lancieren.

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