Mit der Publikumsveranstaltung möchten die Hochschulen ihren Unterstützern und der breiten Öffentlichkeit ihre Arbeit näher bringen. Wir wollten es wissen:

Schaffen es Fakultäten, die Nobelpreisträger produzieren, sich dem gemeinen Volk verständlich zu machen? Die Redaktion schickt eine Kulturjournalistin vor, um die Veranstaltung auf Laientauglichkeit zu prüfen.

«Kann die Wirtschaft gesund sein?

Bereits der Auftakt Science Talk mit dem Thema «Kann die Wirtschaft gesund sein?» versucht die Quadratur des Kreises.

Jan Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF ETH, und Wirtschaftshistoriker Jakob Tanner diskutieren ausgiebig über Metaphern (rhetorische Figuren), während Anwesende eher wissen wollen, ob die Wirtschaft denn gesund sei.

Mit Egberts erster Aussage «Die Schweizer Wirtschaft ist verhältnismässig gesund», ist der Erkenntnishöhepunkt über den Konjunkturverlauf bereits erreicht.

Zur Mitte der Diskussion verlassen einige das voll besetzte Zelt auf der Polyterrasse. Gab es hier erste Vermittlungsprobleme? «Nein», kommentiert Sebastian Hagen, ein Angestellter der Universität Zürich, seinen vorzeitigen Abgang.

«Aber es ist schade, dass der Vortrag ‹Ist der Finanzsektor krank?› parallel läuft.» Verständlich hätte er Sturms und Tanners Ausführungen allemal gefunden.

Auf Herz und Nieren

Um die Verständlichkeit der Kurzvorlesungen auf Herz und Nieren zu prüfen, wählt die Schreibende als Nächstes das Thema «Sportlerherz:

Wie das körpereigene Eiweissmolekül CGRP das Herz stärkt». Überzeugt, Johannes Vogel gleich der Fachidiotie überführen zu können, muss ich mich eines Besseren belehren lassen.

Seine Powerpoint-Präsentation mit Filmchen von Mäusen, die auf Laufbändern rennen, und Aufnahmen von schlagenden Mäuseherzen fesselt die Zuhörer.

«So weit alles klar?»

Sobald ein Fremdwort naht, kündigt er es an («das ist etwas kompliziert, aber ich erkläre es gleich») und fragt sogar in die Runde: «So weit alles klar, was wir gemacht haben?»

Am Ende weiss ich, dass nichts stärker vor dem Alterungsprozess schützt, als Sport zu treiben. Selbst wer sich nur von Biokost ernährt, stirbt sieben Jahre früher als ein Hobbysportler. Bestnote im Fach Verständlichkeit für Professor Vogel!

Von Marc Chesney’s Plädoyer für eine stärkere Finanzmarktaufsicht und die Zertifizierung von Finanzprodukten bekomme ich nur noch das Ende mit.

Mir bleibt, dass er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält und auf seinen Blog responsiblefinance.ch hinweist. «Das war auf jeden Fall verständlich», sagt Michaela Petuker beim Rausgehen.

Als Bauingenieurin aus Zug ist sie am Thema interessiert, betrachtet sich aber nicht als Spezialistin. Ganz anders ein Zuhörer, dem die Ausführungen Chesney’s «etwas zu kurz gefasst» waren. Er outet sich jedoch als Experte auf diesem Gebiet.

Alle Vorlesungen stark frequentiert

Die 48 Stände in den grossen Hallen der Hochschulen sind wie alle Vorlesungen stark frequentiert. Viele Fragen tangieren den Alltag der Besucher:

Wie viel Information ist (noch) gesund? Alkohol- und Drogentests bald mit dem Laser? Physiotherapie bei Hunden und Katzen. Die Forschenden gehen auf die Gäste zu und erklären mit Herzblut ihr Fachgebiet.

Bei manchen Texttafeln ist dies auch dringend notwendig. Noch besser klappt manchmal die Kommunikation, wenn man englisch kann.

Forschungsergebnisse in zehn Minuten

Die Teilnehmer am Science Slam haben sich die Verständlichkeit auf die Fahne geschrieben. Ihre Aufgabe besteht darin, Forschungsergebnisse in zehn Minuten auf der Bühne zu vermitteln.

Sie setzen Bilder von explodierenden Walen ein, lassen Bierflaschen ploppen und spielen auf der Klarinette. So macht Wissenschaft richtig Spass. Unter dem Strich wurde für jedermann, speziell auch für Kinder, etwas Interessantes geboten.

Den Elfenbeinturm habe ich nicht gesehen, dafür Besucher jeden Alters, die mit den Wissenschaftlern in Gespräche vertieft waren, weil diese spannende Impulse geliefert hatten.