Verkehr
Wirtschaft beharrt auf der Äusseren Nordumfahrung

Diverse Gewerbe- und Wirtschaftsverbände im Kanton Zürich fordern eine rasche Realisierung der äusseren Nordumfahrung und anderer Strassenbauprojekte. Sie seien unabdingbar für eine Entschärfung der Verkehrsprobleme.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die «ständigen Staus» seien eine grosse Belastung für die Region, so die Wirtschaftsverbände. Deshalb sei die Äussere Nordumfahrung unverzichtbar. (Archiv)

Die «ständigen Staus» seien eine grosse Belastung für die Region, so die Wirtschaftsverbände. Deshalb sei die Äussere Nordumfahrung unverzichtbar. (Archiv)

Keystone

Seit Jahren wird über den Ausbau der Nordumfahrung und den Bau der dritten Gubriströhre diskutiert und gestritten. Während nach wie vor nicht alle Details geklärt sind, ist man sich grösstenteils einig: Der Ausbau ist dringend nötig. Denn im Jahr 2013 wurden auf der A1 vor dem Gubristtunnel jeden Tag durchschnittlich 7 Stunden Stau pro Richtung registriert. Nur an 20 Tagen gab es gar keinen Stau.

Weit weniger einig ist man sich im Bezug auf die äussere Nordumfahrung. Sie soll mit einer komplett neuen Autobahn Wettingen und Winterthur verbinden – über Dielsdorf, Niederglatt, Bülach, Embrach und Pfungen.

Die Idee dazu ist nicht neu. Schon seit 2008 ist die Umfahrung im kantonalen Richtplan eingetragen. Als dieser im Frühling 2014 revidiert wurde, wollten die links-grünen Kantonsräte das Vorhaben kippen – aber ohne Erfolg. Die neue Autobahn bleibt im Richtplan. Ob sie je realisiert wird, steht jedoch in den Sternen.

Druck auf den Bund

Nun machen Limmattaler und Zürcher Wirtschaftsverbände Druck auf die Regierung, die Planung voranzutreiben. Nicht weniger als zehn Verbände – darunter der Gewerbeverband Limmattal, der Industrie- und Handelsverein Dietikon, die Wirtschaftskammer Schlieren und der Industrie- und Handelsverein Spreitenbach – fordern den Zürcher Regierungsrat in einer gemeinsamen Mitteilung auf, «sich beim Bund vehement dafür einzusetzen, dass die Planungen für die äussere Nordumfahrung frühzeitig an die Hand genommen werden».

Ob sie damit bei der Kantonsregierung auf offene Ohren stossen werden, ist indes fraglich. Denn diese hat sich nun schon zum zweiten Mal sehr verhalten zum Vorhaben geäussert. Bereits 2002 drückte der Regierungsrat in einer Stellungnahme seine Skepsis aus.

Nun wollten es die drei Kantonsräte Christian Lucek (SVP, Dänikon), Dieter Kläy (FDP, Winterthur) und Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) nochmals wissen: Weil seither das Verkehrsaufkommen massiv zugenommen habe und der Richtplan angepasst worden sei, müsse die Situation neu beurteilt werden, fanden sie in einer Anfrage. Doch auch in seiner aktuellen Antwort vom Januar 2015 gibt sich der Regierungsrat wenig enthusiastisch.

Es sei nicht davon auszugehen, dass der Bund die Planung der äusseren Nordumfahrung in absehbarer Zeit an die Hand nehmen werde, schreibt er.

Und: «Angesichts des ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses sieht sich der Regierungsrat nicht veranlasst, eigene Planungen vorzunehmen.» Er weist zudem darauf hin, dass das Bauwerk Landschaft und Natur stark beeinträchtigen und die Zersiedelung fördern würde.

Mit ihrer Skepsis befindet sich die Zürcher Regierung in bester Gesellschaft: Schon 2008 schrieb der Bundesrat, eine Genehmigung der äusseren Nordumfahrung sei «aus heutiger Sicht» nicht möglich. Auch der Kanton Aargau lehnt das Vorhaben ab.

Davon lassen sich die Wirtschaftsverbände aber nicht entmutigen. In der gestern verschickten Mitteilung schreiben sie, es brauche dieses Generationenprojekt, um die Stauproblematik im Kanton Zürich auf lange Sicht zu entschärfen, indem der Verkehr weiträumig um die Stadt Zürich und ihre Agglomeration herumgeführt würde.

Dass die neue Autobahn die bestehende Nordumfahrung nur gerade um 13 bis 15 Prozent entlasten würde, wie der Regierungsrat schreibt, bezweifeln sie: Eine Diplomstudie der Zürcher Hochschule in Winterthur zeige ein Entlastungspotenzial von 25 bis 30 Prozent auf.

Gerade beim Gubrist, beim Limmattaler Kreuz und in der Region Winterthur müsse der Stau dringend verringert werden, da sie die «schlimmsten Engpässe der Schweiz» seien, schreiben die Verbände. Unter dem täglichen Stau leide nicht nur die Bevölkerung und das Gewerbe, sondern auch die Wirtschaft: Der volkswirtschaftliche Schaden betrage gemäss Berechnungen des Bundesamts für Verkehr jährlich 1,5 Milliarden Franken.

Frühestens in 20 bis 30 Jahren

Josef Wiederkehr, Kantonsrat und Vizepräsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon, zeigt sich auf Anfrage zuversichtlich, dass der Versuch, beim Regierungsrat Druck zu machen, nicht vergebens sein werde. «Es ist eine Frage des Zeithorizonts», sagt er.

«Es ist uns allen bewusst, dass ein solches Vorhaben nicht in zehn Jahren realisiert werden kann.» Eine Eröffnung der Umfahrung sei frühestens in 20 oder 30 Jahren realistisch.

Doch gerade wenn man sehe, wie lange sich der geplante Ausbau der Nordumfahrung nun schon verzögere, erscheine es umso wichtiger, dass man die Projektierung der nächsten Umfahrung frühzeitig plane.

Zwar liege der Ball beim Bund, aber dieser werde das Vorhaben nicht von sich aus priorisieren. «Letztlich sind es die Kantone, die lobbyieren, die für ihre Projekte Geld bekommen», so Wiederkehr.

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