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Wirte bekämpfen Alkoholverbot im Vorfeld des Zürcher Fussballderbys

Die Stadt Zürich schränkt zum Fussballderby zwischen dem FC Zürich und den Grasshoppers am kommenden Sonntag den Alkoholverkauf ein. Ganz zum Entsetzen der lokalen Wirte.

Oliver Graf und Pascal Unternährer
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Neue Auflagen

Neue Auflagen

30 Restaurants, 4 Kioske und 10 Kleinverkaufsstellen dürfen am kommenden Sonntag von 16 bis 19.30 Uhr nicht in gewohntem Umfang Alkohol verkaufen. Aufgrund der Sicherheitslage rund ums Fussballderby FCZ - GC dürfen sie in dieser Zeit nur Leichtbier mit einem Alkoholgehalt von maximal drei Prozent ausschenken.

Der Entscheid von Polizeivorstand Daniel Leupi (Grüne) stösst Ernst Bachmann sauer auf. Der Präsident von Gastro Zürich und SVP-Kantonsrat spricht von einer «Unbotmässigkeit gegen das Gastrogewerbe» und von «amtlich verfügten Willkürschlägen». Sein Verband ruft zu zivilem Ungehorsam auf: «Der Vorstand fordert die betroffenen Wirte explizit dazu auf, die angeordneten Einschränkungen nicht zu beachten.»

Dass rund um die Fussballstadien Probleme bestehen, bestreitet Bachmann nicht. «Aber diese Ausschank-Restriktionen sind einfach sinnlos.» Unverständlich ist für den Gastro-Präsidenten insbesondere das gewählte Zeitfenster. «Bis zum Spielbeginn ist alles übliche erlaubt – erst um 16 Uhr, wenn die Partie angepfiffen wird, gelten die Einschränkungen.» Die angestrebte Beruhigung rund um den Letzigrund werde so nicht erreicht. Erreicht werde einzig, dass die Wirte ihre Gäste verärgern müssten, weil sie ihnen nicht alle gewünschten Getränke servieren könnten.

Nur bei Hochrisikospielen

Dass Fussballfans noch bis zum Spielanpfiff Starkbier trinken können, begründet das Polizeidepartement mit den bisherigen Erfahrungen. Demnach wird bereits auf der eigentlichen Anreise viel Alkohol konsumiert, auf dem kurzen Weg zum Stadion nicht mehr. Zudem handelt es sich um die erste derartige Verfügung bei einem Hochrisikospiel, die auf der neuen Polizeiverordnung basiert. Deshalb sei die «mildeste Massnahme» gewählt worden, sagt Mediensprecher Reto Casanova.

Sollten sich die Zeiten nicht bewähren, könnten sie bei späteren Partien angepasst werden. In der laufenden Saison dürften noch bei den Auftritten der Basler sowie beim Aufeinandertreffen der beiden Zürcher Teams die Alkohol-Restriktionen verfügt werden.

Ungerechte Strafe

Der Aufruf von Gastro Zürich, sich über die Auflagen hinwegzusetzen, stösst bei den Wirten auf viel Verständnis. Dennoch wollen es sich die meisten nicht mit der Stadt verscherzen. Alexia Hungerbühler vom «Bayerischen Hof» (ex Zic Zac) sagt, sie werde extra Leichtbier anschaffen. Dass sich der Verband wehrt, begrüsst sie aber: «Wir sind überhaupt nicht begeistert von den Auflagen. Man bestraft uns wegen der Untaten von ein paar wenigen.»

Auch Wladimir Leuenberger vom Restaurant Hardhof hat ein paar Schwachbier-Fässer angeschafft. Er befürchtet aber, auf diesen sitzen zu bleiben. Wein und Spirituosen wird er ausschenken, nachdem er die städtische Verfügung genau gelesen hat – in dieser wird nur Bier explizit erwähnt. Auch Leuenberger klagt: «Wegen ein paar Vollidioten werden Tausende kollektiv bestraft.» Da die Ausschankrestriktionen erst ab Matchbeginn gelten, befürchtet Leuenberger aber keine grossen Umsatzeinbussen. Mutas Fernandez von der Pizzeria Libero und vom Restaurant Schara wiederum sagt, er werde gar keinen Alkohol ausschenken, auch kein Light-Bier.

«Auflagen sind ein Witz»

Nur einer der angefragten Wirte ist noch unsicher. Zafter Tokay vom «Flora New Point» am Albisriederplatz will sich mit Gastro Zürich in Verbindung setzen, um Näheres zu erfahren. «Vermutlich werden wir uns aber an die Auflagen halten», sagt er. Ein Gastronom in der Nähe des Letzigrunds, der nicht mit Namen genannt werden möchte, will die Grauzonen der Weisung nutzen, die er einen «Witz» nennt. Bei ihm werden alle – auch Fans in Vollmontur – ihr normales Bier, Wein oder Schnaps bekommen – solange sie etwas essen.

Die Stadtpolizei Zürich wird den Stadtratsbeschluss umsetzen, wie Mediensprecher Marco Cortesi sagt. Sollten Verstösse gegen die Verfügung festgestellt werden, drohen Bussen von bis zu 500 Franken. Sollte es wirklich so weit kommen, bezahle der Gastroverband die Bussen, sagt Ernst Bachmann.