Wahlen
Wird Köppel statt Vogt ins Rennen um den Ständerat geschickt?

Wechselt die SVP ihren Kandidaten aus? Verschiedene Parteiexponenten setzen in Gedankenspielen auf Roger Köppel als Ständeratskandidaten im zweiten Wahlgang. Köppel selber winkt aber ab.

Oliver Graf
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Kommt es im zweiten Wahlgang zum Duell Köppel gegen Noser?

Kommt es im zweiten Wahlgang zum Duell Köppel gegen Noser?

Keystone

Parteipräsident Alfred Heer hatte gestern persönlich einen Wechsel des Kandidaten kategorisch ausgeschlossen.

Roger Köppel hatte sie auf der Nationalratsliste alle überholt: Der Weltwoche-Chefredaktor und politische Quereinsteiger war vom 17. Listenplatz aus gestartet – und landete am Ende der Auszählung 178 090 Stimmen auf Platz 1. Köppel überflügelte selbst Natalie Rickli, die vor vier Jahren noch den SVP-Spitzenrang holte (damals mit 145 776 Stimmen).

Nun wird der politische SVP-Überflieger von verschiedenen Parteiexponenten als möglicher Kandidat für den zweiten Ständerats-Wahlgang ins Gespräch gebracht. Natalie Rickli sagte dem „Blick“, dass sie sich vorstellen könnte, dass Köppel den noch freien Sitz holen könnte. Auch die „NZZ“ schreibt heute davon, dass aus Zürcher SVP-Reihen die Möglichkeit einer Köppel-Kandidatur gewünscht werde.

Diese Überlegungen überraschen nach dem gestrigen Wahlergebnis nicht. Grundsätzlich dürften Roger Köppel, würde er denn fürs Stöckli antreten, derzeit die höheren Wahlchancen als dem bisherigen Ständeratskandidaten Hans-Ueli Vogt zukommen. Vogt hat weniger Stimmen über die Parteigrenzen hinweg geholt als Köppel.

Ob die SVP allerdings den Kandidaten zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang austauschen wird, ist fraglich. Kantonalpräsident Alfred Heer hatte gestern eine personelle Veränderung ausgeschlossen: Es gebe keinen Grund, Hans-Ueli Vogt aus dem Rennen zu nehmen. Allerdings dürfte nun hinter geschlossenen Türen der Wahlausgang genauer analysiert werden. Der Parteivorstand wird morgen Dienstagabend über das weitere Vorgehen entscheiden. Roger Köppel nimmt sich selbst aber bereits aus dem Rennen: Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt er, dass er nicht für den Ständerat antreten wolle. «Das ist kein Thema.»

Noch offen ist, wer für den zweiten Wahlgang antreten wird. Nachdem Daniel Jositsch (SP) bereits im ersten Wahlgang die Hürde des absoluten Mehrs geschafft hat, gilt es am 22. November nur noch den zweiten Zürcher Ständeratssitz zu besetzen. Zumindest die FDP, die mit Ruedi Noser hinter Jositsch auf dem zweiten Platz gelandet war, hofft auf einen Rückzug der SVP, die mit Vogt auf dem dritten Rang landete. Denn teilen sich die Stimmen der Bürgerlichen auf, könnte dies die im bürgerlichen Kanton Zürich überraschende Chance für den Grünen Bastien Girod sein, der auf dem vierten Platz auf steht.

Dass sich die SVP aber zugunsten der FDP zurückzieht, scheint derzeit eher unwahrscheinlich: Alfred Heer meinte gestern zumindest, Vogt habe dafür ein zu gutes Ergebnis erzielt und die SVP sei im Kanton Zürich klar die stärkste Kraft. „Warum zieht sich nicht die FDP zurück?“ fragte Heer. Die Freisinnigen werden aber ihren bisher vom zurücktretenden Felix Gutzwiller gehaltenen Sitz nicht freiwillig frei geben. Damit dürften am 22. November drei Kandidaten um den letzten freien Sitz kämpfen: die SVP mit Vogt oder eventuell Köppel, die FDP sicher mit Noser und die Grünen, die heute Abend entscheiden, mit kleinem Wahlkampfbudget und mit Girod. Die FDP und die SVP werden morgen Dienstagabend über das weitere Vorgehen befinden.