Gärten
Wird dicht gebaut, geraten Grünflächen unter Druck – eine Kampagne will dies ändern

«Je dichter eine Siedlung, desto wichtiger wird die Qualität der Aussenräume», sagt Cordula Kessler, Geschäftsführerin der nationalen Informationsstelle zum Kulturerbe (Nike). «Denn unter zunehmendem Druck kann die Siedlungsentwicklung nach innen auch in eine innere Zersiedlung münden.»

Heinz Zürcher
Merken
Drucken
Teilen
Zum Auftakt des Gartenjahrs 2016 trafen sich die Beteiligten in der Zürcher Villa Patumbah, dem Sitz des Schweizer Heimatschutzes. Keystone

Zum Auftakt des Gartenjahrs 2016 trafen sich die Beteiligten in der Zürcher Villa Patumbah, dem Sitz des Schweizer Heimatschutzes. Keystone

KEYSTONE

Will man wertvolle Landschaften und Kulturflächen schützen, muss die Zersiedelung gebremst werden. Das geht angesichts der steigenden Einwohnerzahlen aber nur, wenn Gebäude höher und näher aneinandergebaut werden. Verdichtung lautet das Gebot der Stunde. In der Bestrebung, die vorhandenen Bauparzellen möglichst auszunutzen, gehen aber Freiräume und Grünflächen gerne vergessen. Obwohl sie für die Erhaltung der Lebensqualität mitentscheidend sind.

Um Gärten und Freiräume in Städten und Agglomerationen zu schützen, wurde am Donnerstag die Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen» lanciert. Zum Auftakt trafen sich die Beteiligten im Park der Zürcher Villa Patumbah, dem Sitz des Schweizer Heimatschutzes.

Die nationale Kampagne ist breit abgestützt. Getragen wird sie vom Schweizer Heimatschutz und Nike sowie vom Bund der Landschaftsarchitekten, der Gesellschaft für Gartenkultur und diversen Denkmalpflegen. Vier Bundesämter unterstützen sie. Landesweit sind bis Oktober zahlreiche Veranstaltungen geplant, alleine im Kanton Zürich sind es weit über hundert (siehe Kontext).

«Betreten verboten» ist out

Die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr hofft, mit der Kampagne ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Politik sowie Städteplaner und Eigentümer zu sensibilisieren. Schliesslich sei die Region Zürich besonders betroffen. Zwar seien die Zürcher Wälder, Wiesen und Seen schnell erreichbar, doch: «Ist es nicht so, dass wir manchmal tage-, ja wochenlang nichts von diesen Schönheiten haben, weil die Zeit eben fehlt?» Deshalb brauche es Erholungsgebiete in unmittelbarer Nähe. Gute Beispiele gebe es durchaus: in Zürich die künstlich angelegten Parkanlagen am See, in Oerlikon der MFO-Park, in Uster der Zellweger Park und in Winterthur der Eulachpark.

Getreu dem Motto ihrer Wahlkampagne «Zürich kann mehr», wolle sie sich für noch mehr solcher Freiräume einsetzen, sagt die SP-Politikerin. Insbesondere die Stadt Zürich, die gemäss Studien bis im Jahr 2027 um 80 000 Einwohner wachsen dürfte, könne bei diesen Bestrebungen eine Pionierrolle einnehmen. Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, stimmt der Regierungsrätin zu. «Weil auch die beanspruchte Wohnfläche pro Person stetig zunimmt, sind Parkanlagen und Gärten in der Nähe des Wohn- und Arbeitsumfeldes umso wichtiger.» Diese Grünflächen stellt sich Christine Bräm als multifunktionale Freiräume vor. «Sie mit ‹Betreten verboten› zu beschildern, ist nicht mehr zeitgemäss.»

Natürlich liegt es nicht immer an der öffentlichen Hand, zu entscheiden, wie grün eine Siedlung wird. Regierungsrätin Jacqueline Fehr sieht dennoch einige Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. So etwa mit dem Instrument des Gestalpungsplans.

Wichtig sei, dass der Kanton Arealentwicklungen nicht einfach geschehen lasse, sondern planerisch begleite, sagt Fehr: «Indem zum Beispiel mit Eigentümern gesprochen wird und sie überzeugt werden, dass der Wert einer Liegenschaft steigt, wenn nicht jeder Quadratmeter überbaut wird.»

Alles rund ums gestaltete Grün

Während der Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen» finden im Kanton Zürich über hundert Anlässe statt. Das Angebot soll nicht nur Fachleute ansprechen, sondern auch Gartenliebhaber und Familien. Mit «Gärten in Zürich» will etwa die Stadt Zürich dazu beitragen, dass die Bevölkerung einen vertieften Einblick in die Gartenkultur erhält. Mit einer Sonderausstellung widmet sich das Museum Rietberg von Mai bis Oktober den Gärten der Welt. Erste Veranstaltungen stehen bereits in diesem Monat auf dem Programm. «Artgarden Winterthur» zum Beispiel ist eine Ausstellung von Gartenbaubetrieben in der Innenstadt von Winterthur. Sie beginnt am 15. April. Dass nicht nur der Mensch von den städtischen Grünflächen profitiert, zeigen Exkursionen vom 10. Mai bis 17. Juli. Sie führen zu Landschaften und Gärten in und um Zürich, in denen Glühwürmchen leben.