100 Jahre ABZ

«Wir wollen den Leuten über alle Lebensphasen hinweg günstigen Wohnraum anbieten»

Das «Flaggschiff» der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ): die Siedlung Sihlfeld am Zürcher Bullingerplatz. zvg

Das «Flaggschiff» der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ): die Siedlung Sihlfeld am Zürcher Bullingerplatz. zvg

Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich, in der Schweiz die grösste ihrer Art, wird 100 Jahre alt.

Im April 1916 gründeten 15 Arbeiter die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ). Die damalige Zielsetzung, guten und bezahlbaren Wohnraum für Alle zu schaffen, ist heute nicht weniger aktuell. Von den steigenden Mieten in den vergangenen Jahren war die Stadt Zürich und deren Umgebung besonders stark betroffen. Der Bau gemeinnütziger Wohnungen soll dazu beitragen, dass Zürich auch für Leute mit durchschnittlichen oder tiefen Einkommen erschwinglich bleibt.

Rund ein Viertel der Mietwohnungen gehören aktuell gemeinnützigen Bauträgerschaften. Bis ins Jahr 2050 soll der Anteil auf ein Drittel steigen. Dies hat die Stadtzürcher Stimmbevölkerung vor einigen Jahren beschlossen. Dieses Ziel zu erreichen, dürfte aber nicht einfach werden. «Der Anteil lässt sich eigentlich nur durch den Kauf von Liegenschaften noch weiter steigern», sagt Peter Schmid, Präsident der ABZ. Rund 11 000 Bewohnerinnen und Bewohner leben derzeit in den über 4500 Wohnungen der Baugenossenschaft in und um Zürich. Die ABZ ist damit nicht nur die grösste Baugenossenschaft der Region, sondern der ganzen Schweiz.

Riesiger Andrang

Im Vergleich zu den Wohnungen auf dem freien Markt sind die ABZ-Wohnungen deutlich günstiger: Eine 4-Zimmer-Altbauwohnung gibt es bereits für knapp unter 1000 Franken, eine 4,5-Zimmer-Neubauwohnung kostet rund 1800 Franken – jeweils inklusive Nebenkosten. Dass die Mieten so günstig sind, hat nicht nur damit zu tun, dass die ABZ nicht gewinnorientiert arbeitet. «Wir bauen keine riesigen Wohnungen», sagt Schmid etwa. Das bedeute aber nicht, dass diese eng oder klein wären. Wichtig sei, so zu planen, dass der vorhandene Raum von den Mietern auch tatsächlich sinnvoll genutzt werden könne.

Ein weiterer Faktor ist der Umstand, dass die ABZ die Grundstücke ihrer Siedlungen teilweise schon sehr lange Zeit besitzt und deshalb bei der Berechnung der Mieten sehr tiefe Bodenpreise verwenden kann. Auch die seit Jahren tiefen Hypothekarzinsen seien für die Baugenossenschaft positiv, sagt Schmid.

Der Andrang auf frei werdende Wohnungen ist laut Geschäftsführer Hans Rupp so gross, dass schon seit einiger Zeit gar keine Warteliste mehr geführt wird. «Freie Wohnungen schreiben wir auf unserer Internetseite aus. Nach wenigen Stunden löschen wir das Inserat wieder, weil sich bis dann meist schon sehr viele Interessenten gemeldet haben».

In den nächsten fünf bis sieben Jahren will die ABZ Wohnungen für rund 1500 Menschen bauen. Die Hälfte der Wohnungen soll auf dem freien Markt ausgeschrieben werden, also auch Personen offenstehen, die (noch) nicht Mitglied der ABZ sind.

Nach innen verdichten

Mehr Wohnraum entsteht meist dann, wenn die ABZ in bestehenden Siedlungen Ersatzneubauten vornimmt. Dabei wird auch der Mix der verschiedenen Wohnungsgrössen angepasst. «Früher war die ABZ fast ausschliesslich auf Familienwohnungen ausgerichtet», sagt Rupp. Heute wolle man den Leuten über alle Lebensphasen hinweg Wohnraum anbieten, Familien genau so wie alleinstehenden älteren oder jüngeren Menschen.

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