Verbot der Milizjagd

«Wir werden als Psychopathen bezeichnet» – so streiten sich eine Tierschützerin und ein Wildhüter

Die Jagd-Debatte ist emotional aufgeladen: Marianne Trüb vermutet, dass Jäger am Töten eine gewisse Freude haben, weil sie es ausserberuflich tun. Christian Jaques ist es leid, sich als Hobbyjäger beschimpfen zu lassen. Das Töten sei nur ein kleiner Teil der vielfältigen Jägerarbeit.

Die Jagd-Debatte ist emotional aufgeladen: Marianne Trüb vermutet, dass Jäger am Töten eine gewisse Freude haben, weil sie es ausserberuflich tun. Christian Jaques ist es leid, sich als Hobbyjäger beschimpfen zu lassen. Das Töten sei nur ein kleiner Teil der vielfältigen Jägerarbeit.

Die Stimmberechtigten entscheiden am 23. September über eine Initiative, welche die Milizjagd im Kanton Zürich verbieten will. Stattdessen sollen professionelle Wildhüter die Aufgaben der Jagdgesellschaften übernehmen. Jäger und Jagdaufseher Christian Jacques kreuzt die argumentativen Klingen mit Jagdgegnerin und Mitinitiantin Marianne Trüb.

Auf der Website der Initianten steht folgender Satz: «Jagd ist wie Prostitution. Jäger entrichten Geld, um ihrer Leidenschaft frönen und den Tötungstrieb ausleben zu können.» Was halten Sie von diesem Satz?

Marianne Trüb: Ich hätte ihn nicht so formuliert, aber abwegig finde ich ihn nicht. Der Gedanke ist mir auch schon gekommen, als ich Jäger beobachtete. Freude – auch am Töten – muss bei ihnen vorhanden sein, sonst macht man das nicht als Hobby. Man tut es höchstens aus beruflichen Gründen, etwa als Wildhüter, wenn man muss.

Christian Jaques: Dieser Satz reiht sich ein in eine Reihe von geschmacklosen Provokationen der Initianten und grenzt an Rufschädigung. Wir werden als Psychopathen bezeichnet, dabei geben wir uns Mühe, das Wild zu hegen und zu pflegen. Der Tötungsakt beim Jagen ist nur ein kleiner Teil. Unsere Aufgaben sind vielfältiger.

Die Initianten sagen, der ständige Jagddruck steigere die Fruchtbarkeit der Wildtiere. Ohne Jagd müssten keine oder weniger Tiere geschossen werden. Ihr Kommentar?

Christian Jaques: Das stimmt nicht. Die Fertilität hängt in erster Linie vom Nahrungsangebot ab. Bei intensiver Landwirtschaft wie bei uns, wo Mais, Zuckerrüben oder Weizen angebaut wird, ist der Tisch für Wildschweine immer gedeckt. Das gibt automatisch mehr Nachwuchs. Bei Rehen ist die Fertilität genetisch bedingt und hat mit der Jagd nichts zu tun. Eine Rehgeiss gebärt pro Jahr in der Regel zwei Kitze. Der Rehbestand verdoppelt sich pro Jahr, wenn man nicht eingreift. Krankheiten und Seuchen sind die Folge.

Marianne Trüb: Dass die Jagd die Fertilität erhöht, ist wissenschaftlich belegt. Nicht nur das Futter, auch der Lebensraum spielt beim Nachwuchs eine Rolle. Die Tiere brauchen Platz. Wird er knapp, gibt es automatisch weniger Tiere. Sie vertreiben sich gegenseitig oder werden krank. Die Rechnung der Jäger, wonach der Tierbestand ohne Jagd zunimmt, stimmt nicht. Das zeigt der Kanton Genf, der seit 44 Jahren jagdfrei ist. Einzig bei Wildschweinen sind Abschüsse in grosser Zahl nötig. Die Tiere fliehen teilweise von Frankreich, wo jagen erlaubt ist, nach Genf. Aber weder Rehe noch Füchse müssen in Genf bejagt werden.

Christian Jaques: Im Jagdrevier Eschenberg in Winterthur sieht man sehr schön, was ohne Jagd passiert. Wegen eines Rekurses durfte ein Jahr lang nicht gejagt werden. Als die Jagd noch erlaubt war, gab es sechs bis acht Verkehrsunfälle mit Wildtieren. Die Wildschäden bezifferten sich auf 2000 bis 4000 Franken. Im Nichtjagdjahr stieg die Zahl der Unfälle auf 24, und die Schadenssumme erhöhte sich auf 20 000 Franken.

Marianne Trüb: Ich bezweifle, dass das stimmt. Für eine seriöse Erhebung braucht es einen längeren Beobachtungszeitraum. Zudem müsste man alle Umstände miteinbeziehen. Das ist nur möglich, wenn man die Initiative annimmt. Kurzfristig mag es sein, dass die Wildbestände ohne Jagd zunehmen, aber langfristig würde es sich einpendeln. Und bis es soweit ist, könnten die professionellen Wildhüter eingreifen.

Im Initiativtext steht, die Wildhut darf nur regulierend eingreifen, wenn alle erdenklichen Schutzmassnahmen nicht erfolgreich waren. Die Wildhüter finden also sehr hohe Hürden vor, wenn sie ein Tier erlegen wollen. Warum?

Marianne Trüb: Sonst besteht schon bei kleinsten Schäden die Gefahr, dass man von den Wildhütern verlangt, ein Tier abzuschiessen. Die Stadt Zürich, die das Wildhütersystem bereits kennt, macht vor, wie es geht. Sie klärt die Bevölkerung mit einer Broschüre auf, wie sie mit dem Fuchs leben kann und dabei kleine Störungen in Kauf nehmen muss. Gleiches gilt auch für Wildschweine und Rehe. Die Formulierung im Initiativtext erlaubt den Wildhütern, Bauern darauf hinzuweisen, dass sie Schutzmassnahmen ergreifen sollen, um Schäden zu verhindern.

Christian Jaques: Die Formulierung «alle erdenklichen Massnahmen» ist absolut und heisst doch nichts anderes als einzäunen, damit die Wildtiere nicht den Mais fressen und sich am Jungwuchs im Wald bedienen. Wenn man aber im grossen Stil einzäunt, schränkt man den Bewegungsspielraum der Wildtiere noch mehr ein. Das ist tierschutzwidrig. Das Wild soll sich frei bewegen können. Das geht nicht, wenn alles eingezäunt ist. Und auch für die Bevölkerung ist es untragbar, wenn die Waldgebiete eingezäunt sind.

Marianne Trüb: In der Initiative steht nichts von Einzäunungen. Die Formulierung «alle erdenklichen Massnahmen» ist nicht besonders restriktiv. Gemeint sind Massnahmen, die dem heutigen Wissensstand entsprechen. Es soll keine Freibriefe für Abschüsse geben. Die Wildhüter sollen zurückhaltend agieren. Im Übrigen ist die Initiative eine allgemeine Anregung. Der Kantonsrat würde den exakten Text noch ausarbeiten.

Wie wollen Sie denn verhindern, dass Wildtiere grössere Schäden verursachen?

Marianne Trüb: Auch unter dem heutigen Regime gibt es Schäden. Die Jäger sagen ja selber, dass sie teilweise in Kauf zu nehmen sind. Man muss eben in jedem Fall genau hinschauen, warum solche Schäden auftreten. Man sollte zum Beispiel nicht bis zum Waldrand ackern. Wenn man es trotzdem macht, sind Schäden programmiert.

Christian Jaques: Die Waldabstände sind bereits heute genau geregelt. Stimmen sie nicht, gibt es keine Entschädigungen.

Die Initiative fordert ein professionelles Wildmanagement. Laut dem Regierungsrat existiert dies bereits: Die Jäger zählen die Tiere, aufgrund der Zahlen schreibt der Kanton dann die Abschussquoten vor. Die Jäger können also nicht schiessen, was sie wollen.

Marianne Trüb: Was vorhanden ist, ist kein Wild-, sondern lediglich ein Zahlenmanagement. Und ob die Zahlen einer genaueren Prüfung standhalten, ist fraglich. Die Jäger fahren einfach mit Scheinwerfern durch die Wälder und zählen die Augenpaare. Es ist ein reines Zahlenmanagement, weil sich die Jäger nicht fragen, ob eine gewisse Tierpopulation Probleme macht oder nicht. Sie regulieren einfach, indem sie eine bestimmte Zahl von Tieren abschiessen.

Christian Jaques: Natürlich hat die Wildzählung eine Fehlerquote. Ich schätze sie auf plus/minus zehn Prozent. Aber das ist nicht relevant, weil die Fehlerquote immer dieselbe bleibt. Wir stellen fest, dass wir seit vielen Jahren einen Rehbestand von gegen 11 000 Tieren haben. Entsprechend wird die Abgangsplanung vorgegeben. Wir haben einen gesunden Tierbestand dank unserem Wildtiermanagement.

Wie sähe denn ein professionelles Wildmanagement aus Sicht der Initianten aus?

Marianne Trüb: Das hiesse für mich, dafür sorgen, dass ein gutes Zusammenleben zwischen Wildtieren und Bevölkerung möglich ist. Wenn eine Tierpopulation keine Probleme macht, muss man sie weder überwachen noch bejagen. Es gibt viele Tiere, die keine Schäden anrichten und doch jagdbar sind. Tiere wie Eidechsen oder Libellen stehen ja auch nicht ständig unter Beobachtung und kommen ohne Jäger aus.

Die Initianten sprechen von Hobbyjägern und kritisieren damit deren Ausbildung. Wäre es für die Jäger nicht die beste Strategie gegen Kritik, die Ausbildung zu verbessern?

Christian Jaques: Der Kanton Zürich hat heute schon die härteste Jägerprüfung und beste Ausbildung in der Schweiz. Im Theorieteil sind das 24 bis 26 Lektionen à zwei Stunden. Dazu ein Lehrbuch fürs Selbststudium zu den Themen Wildbiologie, Gesetz, Ökologie, Flora und Fauna. Nach der Theorieprüfung folgt ein Waffenkundekurs mit Schiessprüfung. Wer sie besteht, erhält einen Gästepass und darf für zwei Jahre unter die Fittiche eines erfahrenen Jägers. Dort darf er in Begleitung auch ein Tier erlegen. Frühestens nach zwei Jahren kann er dann die ganztägige Prüfung zum Jäger machen. In Deutschland genügt dafür ein dreiwöchiger Kurs.

Marianne Trüb: Gemäss dem geltenden Jagdgesetz sind auch Personen ohne jagdliche Ausbildung bis zu sechs Tagen im Jahr als Jagdgäste zugelassen.
Christian Jaques: Keiner darf heute ohne eine Ausbildung selbstständig jagen. Und jeder Jäger muss jedes Jahr eine Schiessprüfung machen.

Mit der Abschaffung der Milizjagd stellen die Initianten eine radikale Forderung. Wäre es nicht erfolgversprechender gewesen, eine bessere
Jäger-Ausbildung zu verlangen?

Marianne Trüb: Töten soll kein Hobby sein – das ist die Begründung der Initiative. Wer ein Tier tötet, muss einen wirklich guten Grund haben. Radikal heisst, an die Wurzeln gehen. Man muss das Jagdproblem an der Wurzel packen. Das jetzige System ist nicht gut. Es gibt bessere, wie die Beispiele Genf und Stadt Zürich zeigen. Die Jäger begründen ihr Tun ständig mit dem dicht bevölkerten Kanton und den kleinen Tierhabitaten. Genau deshalb braucht es Profis für die Arbeit mit Wildtieren.

Christian Jaques: Ich wehre mich gegen diese ständige Herabsetzung der Jäger als schiessgeile Hobbyjägerlein, die gern töten. Wir sind verantwortungsbewusst und nehmen unsere vom Kanton erhaltene Aufgabe ernst. Wir wollen Artenvielfalt und gesunde Wildtiere. Aus Erfahrung wissen wir, dass wir im dicht besiedelten Kanton regulierend eingreifen müssen. Das hat mit Hobby und Lust am Töten nichts zu tun.

Bis zu zehnmal rücken Jäger im Kanton jede Nacht aus, um Tiere zu bergen oder zu erlösen, die Opfer des Verkehrs geworden sind. Sie behaupten, dass gewisse Jäger dies nur widerwillig oder überhaupt nicht machen.

Marianne Trüb: Einem Kreisschreiben des Jagdverwalters entnehme ich, dass das nicht einwandfrei funktioniert. Es geht mir aber nicht nur darum, sondern allgemein um den Umgang mit verletzten Wildtieren. Bei Verkehrsunfällen mit Tieren sollte immer die Polizei beigezogen werden – Bagatellen ausgenommen. Damit Sicherheit besteht, dass alles rechtmässig vor sich geht. Bei Verkehrsunfällen sollte man wie in Genf vorgehen. Dort sucht man Tiere nachts mit Infrarot nach. Wenn im Kanton Zürich nachts ein Tier verunfallt und dann verletzt und nicht auffindbar ist, wartet man in der Regel bis am nächsten Tag mit der Suche. Aber die meisten Leute meinen, die Jäger kämen auf den Platz und erlösten verletzte Tiere unverzüglich. Nachts wird in der Regel nicht nachgesucht. Im neuen Jagdgesetz, das noch im Parlament ist, wird sogar empfohlen, nur in Ausnahmefällen nachts Tiere nachzusuchen.

Christian Jaques: Den Vorwurf von Frau Trüb, dass die Jäger nachts nicht ausrücken wollen, hat der Jagdverwalter öffentlich als baren Unsinn bezeichnet. Er bestätigt, dass innerhalb von 15 bis 30 Minuten die Jäger auf dem Platz sind. Der Ablauf ist so: Passiert ein Wildunfall, ruft der Lenker die Nummer 117 an. Die Verkehrsleitzentrale kann dann auf eine Liste aller Reviere und Jäger samt Prioritätenliste zugreifen. Der diensthabende Jäger muss ausrücken, das tote Tier bergen und einen Rapport erstellen. Ist das Tier schwer verletzt – etwa mit einem Beckenbruch –, muss er es erlösen. Ist das Tier verletzt und verschwunden, ruft er ein Nachsuchgespann mit Hund. Geht es um ein Reh, wird noch nachts gesucht. Bei Wildschweinen ist es anders. Sind sie verletzt, sind sie aggressiv. In solchen Fällen rückt man erst bei Tag aus. Noch ein Wort zu den Polizisten: Sie nützen den Tieren auf der Unfallstelle nichts. Sie sind nicht dafür ausgebildet, Tiere zu erlösen. Dafür haben sie weder die richtige Waffe noch die richtige Munition.

Ein kontroverses Thema ist auch die Treibjagd, an der die Jäger unbedingt festhalten wollen. Ist es nicht ein grosser Stress für Wildtiere, wenn sie von Hunden und Treibern vor die Flinte der Jäger gejagt werden?

Christian Jaques: Wildtiere wie Rehe haben sich durch die Zivilisation zunehmend in den Wald und ins Dickicht zurückgezogen. Deshalb ist es schwieriger geworden, sie zu bejagen. Daher braucht es die Bewegungsjagd. Ich spreche nicht von Treibjagd oder Hetzjagd – das sind historische Formen, die es bei uns nicht mehr gibt. Bei der heutigen Bewegungsjagd setzt man kleine spezialisierte Hunde wie Spaniel, Terrier oder Dackel ein – alles Hunde, die nicht schnell sind. Sie müssen durch Bellen das Wild aufscheuchen. Die Rehe rennen dann 50 bis 100 Meter, bis sie stehen bleiben und horchen. Da die Hunde einen anderen Weg gehen, sind die Rehe nicht gestresst, sondern ruhig. Die Jäger dürfen sie schiessen, sofern die Entfernung maximal 30 Meter beträgt und ein Kugelfang in Form eines Erdwalls vorhanden ist. Auf fliehende Rehe darf ein Jäger nicht schiessen.

Marianne Trüb: Was Sie als harmlos darstellen, ist in Wirklichkeit schlimm. Ich wohne in einem Jagdrevier und höre jeweils das Johlen und Herumschreien der Treiber, die mit Stöcken an die Bäume schlagen und das Unterholz mit dem Gertel wegschneiden. Ich sehe die Jäger, wie sie an Bäume angelehnt stehen oder auf Hochsitzen warten. Die Rehe stehen selten dort still, wo die Jäger sie abpassen, sodass die Jäger auch schiessen, wenn die Tiere rennen. Die Kugelfänge sind ein weiteres Problem. Niemand holt das Blei wieder aus den Böden heraus. Jedes Jahr wird so tonnenweise Blei ausgebracht. Ein riesiges Umweltproblem. Dabei behaupten die Jäger, etwas für die Umwelt zu tun.

Weshalb ist für die Jäger die Treibjagd wichtig?

Christian Jaques: Ohne sie würde die Jagd massiv erschwert. 40 Prozent der erlegten Rehe stammen von Bewegungsjagden mit der Flinte. Diese finden zwei- bis dreimal pro Jahr und Jagdrevier statt. Das ist also eine sehr beschränkte Beunruhigung im Wald. Danach ist wieder Ruhe. Die Tiere haben dabei immer auch die Chance, den Jägern zu entkommen.

Marianne Trüb: Treibjagden sind einfach nicht tierschutzkonform.

Sprechen wir noch von der Baujagd. Sie gilt als grausam und soll im neuen Gesetz nur noch ausnahmsweise erlaubt sein. Warum sind Sie nicht strikt gegen die Baujagd?

Christian Jaques: Baujagden haben sich grundsätzlich überlebt. Früher waren Terrier und Dackel Gebrauchshunde und lebten oft im Zwinger. Bei der Jagd wurden sie in den Fuchsbau getrieben, um den Fuchs hinauszujagen. Es gab oft verletzte Tiere. Heute sind Jagdhunde Haustiere und gehören zur Familie. Kein Jäger will sie einem Risiko aussetzen. Deshalb hat die Baujagd an Bedeutung verloren. Ich kenne viele Jäger, aber nur einen einzigen, der das noch macht. Die Baujagd ist eidgenössisch zwar erlaubt, wir gehen aber davon aus, dass sie im neuen kantonalen Gesetz verboten wird. Wir wehren uns dagegen nur moderat und könnten ein Verbot akzeptieren.

Marianne Trüb: Die Baujagd ist tierquälerisch und damit eine Schweinerei. Ich verstehe die Jäger nicht, dass sie solche krassen Dinge nicht verbieten lassen wollen – zugunsten ihres Images.

Christian Jaques: Wie gesagt, wir gehen davon aus, dass die Baujagd verboten wird. Wir wehren uns aufgrund der Erfahrungen mit unseren meist radikalen Gesprächspartnern: Denn wenn wir die Baujagd stoppen, folgt als nächste Forderung sofort das Verbot der Bewegungsjagd. Das ist Salamitaktik.

Die heutige Milizjagd ist für den Kanton mit nur gut einer Million Franken jährlich kostengünstig. Würde die Initiative angenommen, müssten laut Regierung 80 bis 90 staatliche Wildhüter eingestellt werden, was bis zu 30 Millionen kosten soll. Weshalb sollen wir Steuerzahler so tief in die Tasche greifen?

Marianne Trüb: Weil etwas Gutes auch etwas kosten darf. Sparen könnte man bei den Jagdschiessanlagen. Jene in Embrach ist ein Desaster. Wildhüter müssen zwar das Schiessen auch üben. Aber es ist ein Unterschied, ob rund 1500 Jäger und Jagdgäste ihre Schiessprüfungen ablegen oder ein paar Dutzend Wildhüter. Kurz: Die wahren Kosten der Milizjagd sind nicht transparent. Die Kostenschätzung für die Initiative stammt aus der Küche von Baudirektor Markus Kägi, der selber Jäger ist. Er ist befangen. Ich misstraue seinen Zahlen. 16 Millionen scheinen mir realistischer.

Christian Jaques: 16 Millionen Franken reichen einzig für die Löhne der Wildhüter: 180 000 Franken müssen Sie für einen Wildhüter rechnen. Auto, Arbeitsplatz, Bewaffnung und Weiterbildung eingerechnet. Bei 90 Wildhütern sind Sie bei 16,2 Millionen Franken. Und weil es uns Jäger dann nicht mehr gibt, steigen die Schäden, die sich auf 10 Millionen summieren. Damit sind wir bei 26 Millionen. Dazu kommen noch die Vergütungen durch Ertragsausfälle. Ich frage mich, was der Sinn sein soll, dass der Kanton das bewährte Milizsystem aufgeben und 30 Millionen in ein Wildhüter-System investieren soll. In ein System, das personell nicht einmal in der Lage wäre, all das abzudecken, was die Jäger heute leisten.

Marianne Trüb: Der Kanton Genf machts billiger. Die haben rund sechseinhalb mal weniger Landwirtschaftsfläche als der Kanton Zürich. Die Wildhut kostet dort 1,2 Millionen. Ob es in Zürich wirklich 90 Wildhüter braucht, ist fraglich. So oder so sollte man in Zürich den Versuch mit Wildhütern wagen. Das wäre gut für den Tier- und Umweltschutz.

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