Biocan AG
«Wir waren wohl naiv»: Hanfpioniere streiten um Geld

Bald können die Produzenten von Biocan wieder Hanf für ihren legalen Tabakersatz ernten. Die Führung indessen hat sich zerstritten und nun getrennt.

Melanie Kollbrunner
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«Ich sehe keinen anderen Weg, zu meinem Recht zu kommen, als den juristischen», sagt Dario Tobler, ehemaliger Geschäftsleiter Biocan AG. (Im Bild: Dario Tobler beim Interview im fumoir der Niagara-Lounge in Dübendorf)

«Ich sehe keinen anderen Weg, zu meinem Recht zu kommen, als den juristischen», sagt Dario Tobler, ehemaliger Geschäftsleiter Biocan AG. (Im Bild: Dario Tobler beim Interview im fumoir der Niagara-Lounge in Dübendorf)

Matthias Scharrer

Gemeinsam einen Joint zu rauchen, gilt als friedliche Angelegenheit. Dank der Pionierarbeit der Hanfbauern aus Ossingen im Bezirks Andelfingen und Brütten im Bezirk Winterthur kann man dies völlig legal tun. Doch kaum haben sie sich einen Namen gemacht, sind sie zerstritten: Es droht ein handfester Rechtsstreit.

Den Namen hat sich die Biocan AG spätestens seit der Lancierung des ersten legalen Tabakersatzes aus THC-armen Cannabisblüten gemacht: Das CBD-Produkt mit dem Namen CPure wird heute, knapp ein Jahr nach der Markteinführung, von den wichtigen Schweizer Tabakgrossisten und auch vom Grossverteiler Denner verkauft.

«Es herrscht Goldgräberstimmung in der Branche», sagte der damalige Geschäftsleiter der Biocan AG, Dario Tobler, in dieser Zeit, die sich für ihn bald ändern sollte. Noch im April hat er in Dübendorf einen ersten legalen Coffeeshop eröffnet.

Ein Anruf bei der Biocan im Juni zu Recherchezwecken ergab, dass man sich von Tobler getrennt hat, was Hans Peter Kunz, interimistischer Geschäftsführer der Biocan, heute bestätigt: «Wir haben Dario Tobler gekündigt.» Mehr wolle er derzeit nicht dazu sagen. Auch Firmen- und Geländebesitzer Markus Walther will nicht über personelle Schwierigkeiten sprechen, es fehle ihm die Zeit.

Rechtsweg eingeschlagen

Im Juni direkt auf die Kündigung angesprochen, sagte Tobler, er höre dies alles gerade zum allerersten Mal. Er sei krankgeschrieben gewesen, wisse nichts von einem solchen Rausschmiss.

«Wir konnten uns nicht finden», sagt er heute. Auch die Schlichtungsstelle habe nichts bewirken können. Nun werde er eine Klage einreichen: «Ich sehe keinen anderen Weg, zu meinem Recht zu kommen, als den juristischen.» Seit Ende Mai habe er keinen Lohn mehr erhalten, dabei schulde ihm die Firma Lohnzahlungen bis Ende Oktober. Nicht rechtens sei auch das Kündigungsverfahren gewesen, so wenig wie die Kündigung der Pensionskasse.

Finanziell schwerer als die fehlenden Monatsgehalte dürfte wiegen, dass es keine juristische Handhabe gibt, sich die Anteilscheine an der Firma auszahlen zu lassen. «Wir waren wohl naiv», sagt er heute, «in dieser Branche geschah alles auf Handschlag.» So kam es, dass seine Beteiligungen zwar rückverfolgbar sind, ihm heute aber nichts vom Geschäft «in Millionenhöhe» bringen.