Gemeinsam mit der Reha Clinic Zurich AG will das Spital Limmattal eine neue Physiotherapie-Abteilung ins Leben rufen. Was vom Spital als Reorganisation bezeichnet wird, nennt Ernst Joss eine Auslagerung. Der Dietiker AL-Gemeinderat reichte beim Bezirksrat eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Vorhaben ein. Anfang Woche wurde der Entscheid publik.

Das Gremium sieht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass, aktiv zu werden, mahnt aber, dass das Spital Limmattal die Mehrheit an einer möglichen Aktiengestellschaft halten solle. Verwaltungsratspräsident des Spitals Limmattal und Schlieremer Stadtpräsident, Markus Bärtschiger (SP), nimmt Stellung.

Herr Bärtschiger, wie beurteilen Sie den Entscheid des Bezirksrates?

Er hält fest, dass der Verwaltungsrat des Spitals Limmattal jederzeit die Strukturen des Spitals überdenken darf und soll nun demzufolge entscheiden, in welche Richtung sich das «Limmi» entwickeln soll. Mit den beiden Absichtserklärungen für die Reorganisation der Physiotherapie-Abteilung mit der Reha Clinic Zürich AG hat der Verwaltungsrat dies getan. Einen definitiven Beschluss über diese Auslagerung liegt aber noch nicht vor, würde aber natürlich von den entsprechenden Gremien eingeholt.

Wann kann das Spital Limmattal mit einem Beschluss an die Öffentlichkeit?

Im Bereich Physiotherapie laufen derzeit zwei Projekte parallel. Einerseits will die Reha Clinic Zürich AG im Spitalneubau eine Rehabilitationsklinik eröffnen. Noch besteht dafür jedoch kein Leistungsauftrag vom Kanton. Ohne diesen geht es nicht. Einen vorläufigen Leistungsauftrag auf Basis eines Forschungsprojekts zur integrierten Versorgung wurde bis Ende Juli aber in Aussicht gestellt.

Bei der Auslagerung der Physiotherapie in ein neues Zentrum handelt es sich um das zweite Projekt. Wann lässt sich hierzu Konkretes sagen?

Einen genauen Zeitplan gibt es nicht. Erst wenn klar ist, dass die Rehabilitationsklinik den Betrieb im «Limmi»-Neubau aufnehmen kann, werden wir schauen, unter welchen Bedingungen, wir unsere Physio auslagern können. Für uns ist es zentral, weiterhin eine gute Physiotherapie-Abteilung zu haben, bei der wir auch etwas zu sagen haben.

Der Bezirksrat verweist darauf, dass die Spitaldelegierten – und bei einem Referendum das Volk – über eine Umstrukturierung befinden sollen. War das bislang auch der Plan?

Ja. Uns ist bewusst, dass eine Auslagerung Konsequenzen für die Therapie, aber auch für das Personal hat. Daher würden wir einen solchen Schritt nicht im stillen Kämmerlein vollziehen.

Auch vermerkt der Bezirksrat, dass die Physiotherapeuten eines ausgelagerten Zentrums trotzdem in die hierarchischen Strukturen des Spitals eingegliedert sein und die Ärzte weisungsbefugt bleiben sollen. War auch dies ohnehin Plan?

Die Ärzte bestimmen das Krankheitsbild und überweisen Patienten zu den Physiotherapeuten. Letztere sind auf ihrem Gebiet die Spezialisten. Die Ärzte und Physiotherapeuten arbeiten als Team. Daher sorgte das Wort ‹Weisungsbefugnis› für ein wenig Irritation im Spital. Zentral ist die hierarchische Eingliederung in den Spitalbetrieb.

Eine Möglichkeit zur Erreichung dieser hierarchischen Eingliederung sei, wenn das Spital Limmattal die Mehrheit an der zu gründenden Aktiengesellschaft besitze, so der Bezirksrat.

Dabei handelt es sich um eine Empfehlung. Man könnte dies auch anders handhaben. Was eine Aktienmehrheit bringt, wenn der Verwaltungsrat mit Leuten besetzt ist, die nicht vom Spital sind, erschliesst sich mir nicht. Dass eine der beiden Parteien eine Mehrheit der Aktien haben muss, war der Reha Clinic Zürich wie auch uns klar. Eine gleichmässige Aufteilung kann schnell schiefgehen. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die Reha Clinic Zürich AG die Mehrheit halten soll, nun müssen wir in Gesprächen eruieren, ob wir es allenfalls andersrum machen sollen.

Im Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung war der Plan noch vor einem Jahr, das Spital und die Reha Clinic gleichmässig zu berücksichtigen.

Wegen des Leistungsauftrags, welcher der Rehabilitationsklinik noch fehlt, sind wir in Verzug. Die Verhandlungen wurden nicht weitergeführt. Die Verzögerung kam zustande, weil die Managementkapazitäten aktuell für den anstehenden Umzug und den Bau des Pflegezentrums in Anspruch genommen werden.

Ziel wäre es gewesen, mit Fertigstellung des Neubaus, der im Oktober eröffnet wird, auch das neue Physiotherapiezentrum zu eröffnen.

Ursprünglich schon. Die Physiotherapie-Abteilung des Spitals Limmattal wird nun in leicht grössere Räume des Neubaus ziehen. Diese wurden für die Reha Clinic Zürich AG grösser geplant.

Erhielten Sie bereits negative Rückmeldungen aus der Delegiertenversammlung?

Es ist mir gerade keine präsent. Die Kritik von Ernst Joss nehme ich als Sozialdemokrat aber durchaus ernst. Bei meiner Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten sagte auch ich klipp und klar, dass ich gegen Auslagerungen bin. Aber: Man muss das Vorhaben genau prüfen. Es ist möglich, dass es sich bei der Reorganisation um die bessere Lösung handelt. Die Patienten können danach ganzheitlich versorgt werden.

Und die Angestellten?

Wir sagten immer, dass wir die Physiotherapeuten gegenüber den restlichen Spitalangestellten nicht schlechter stellen wollen. Das ist eine der Bedingungen zu den Verhandlungen.

Aber gibt man nicht die Entscheidungsmacht über die Anstellungsbedingungen mit der Auslagerung ab?

Nein. Bei der Übernahme des Personals liesse sich dies vertraglich regeln. Man müsste festlegen, dass es beispielsweise gleich viele Ferien gibt, ein gleich hoher Lohn bezahlt wird und dieselben Arbeitsstunden gelten. Die Pensionskasse der Reha Clinic Zürich AG bietet sogar leicht bessere Bedingungen als die BVK. Auch verfügt das Personal in einer allfälligen neuen Struktur über Aufstiegsmöglichkeiten. Etwas, das in der Physiotherapie-Abteilung des «Limmi», schwer möglich ist.

Eine Ausgliederung ergibt also nach wie vor Sinn?

Genau. Die möglichen Nachteile, die von Ernst Joss ins Feld geführt werden, könnten eintreffen. Die Anstellungsbedingungen wie auch die Arbeitsqualität könnten sich verschlechtern, wenn man ein solches Projekt nicht vorsichtig und sauber genug durchführt. Das wird jedoch nicht passieren.