Eurovision Song Contest
«Wir haben mehr Humor, als wir uns immer gegenseitig einreden»

Leo Wundergut, die schräge Kunstfigur des Zürcher Tausendsassas Christian Jott Jenny, hat nach dem Schweinegrippe-Song ein neues satirisches Lied auf Lager. Er will mit «La Suisse: Zéro Points» zum Eurovision Song Contest.

Bettina Hamilton-Irvine
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Herr Wundergut, gemeinsam mit dem «Bad und Kur Orchester» wollen Sie die Schweiz am Eurovision Song Contest mit dem Lied «La Suisse: Zéro Points» vertreten. Zurzeit läuft das öffentliche Voting. Hoffen Sie auf mehr als null Punkte?

Leo Wundergut: Wir wissen aus sicherer Quelle, dass wir jetzt schon über null Punkten liegen.

In Ihrem Lied singen Sie: «Endlich akzeptieren wir es, stehen dort, wo wir stehen: Wir stehen am Schluss.» Werden Herr und Frau Schweizer so viel Selbstironie goutieren?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir Schweizer viel mehr Humor haben, als wir uns immer gegenseitig einreden. Seien wir ehrlich, wer ohne Selbstironie durchs Leben tingelt, der verpasst doch die schönsten Momente.

Sie müssen sich gegen mehr als 300 Konkurrenten durchsetzen. Wieso soll man ausgerechnet für Sie stimmen?

Weil die Schweiz mit diesem Lied nur gewinnen kann. Egal, ob wir 12 oder 0 Punkte erhalten, wir gewinnen so oder so. Das ist doch eine wundergute Sache. Und den Leuten, die sagen, das sei zu ausgefallen für einen Mainstream-Wettbewerb sage ich: Als aussereuropäisches Land müssen wir im Lied-Wesen ja keinen EU-Normen entsprechen.

Dieses Jahr haben sich so viele Künstler für die Vorausscheidung angemeldet wie schon lange nicht mehr - darunter Fannie Lüscher, Peach Weber, Melanie Oesch, Piero Esteriore, Michel Villa und Salvo. Fühlen Sie sich wohl in der Gesellschaft all dieser singenden Models, Ex-Castingshow-Sternchen und alternden Comeback-Sänger?

Was ich tue, tue ich für dieses Land. Ich könnte auch in meiner zweiten Heimat Acapulco sitzen und Margaritas schlürfen, aber ich bin hier und singe. Das ist mein erster Versuch. Wenns nicht klappt, miete ich vielleicht einen Mercedes und fahre damit in den Hauptsitz eines grosses Zeitungsverlags.

Wieso wollen eigentlich plötzlich alle für die Schweiz an den Eurovision Song Contest?

Ich habe gehört, Düsseldorf soll sehr schön sein. Aber eben. Was alle anderen wollen, kann ich nicht sagen. Ich bin der Meinung, das wäre eine grosse Chance, zu zeigen, dass wir in der Schweiz glatte und gmögige Leute sind. Unser Ruf im Ausland war ja auch schon besser.

Lys Assia sucht ebenfalls noch einen Platz auf der Eurovisions-Bühne. Wie wäre es mit einem Duett?

Ich müsste zuerst die Bühne ausmessen, aber für eine Background-Sängerin dürfte es eigentlich noch Platz haben.

Falls es nicht klappt diesmal: Was dürfen wir von Ihnen als Nächstes erwarten?

Wissen Sie, Frau . . . äh . . . man sollte ans Leben nicht allzu viele Erwartungen stellen. Ich lasse mich treiben, und wenn plötzlich wieder ein Thema die Welt bewegt, bewegt es auch mich - und schwups gibts ein neues Lied. So geht das. Schwups.