Alkoholkonsum
Wir fragen uns: «Wieso nicht auch eine Bierkarte im Restaurant?»

Der Trend geht vom Wein zum Bier. Doch nicht die Masse machts, wie ein Zürcher Geniesser im Interview mit der az Limmattaler Zeitung erklärt.

Michael Rüegg
Merken
Drucken
Teilen
Barack Obama trinkt Bier

Barack Obama trinkt Bier

Keystone

Herr Reuter*, Schweizer trinken pro Kopf 57 Liter Bier im Jahr. Freut Sie das?

Reuter propagiert die Vielfalt.

Reuter propagiert die Vielfalt.

Immerhin, vor fünf Jahren gab es 175 Brauereien, heute 345. Ein gutes Zeichen?

Das ist so. Aber auch das muss man relativieren. Viele davon sind Mikrobrauereien, die nur geringe Mengen produzieren. Noch immer haben wir zwei Konzerne, die den Markt dominieren. Trotzdem sagt mir diese Zunahme, dass es den Leuten wichtiger geworden ist, welche Biere sie trinken. Wir sind immer gegen die «Mirau»-Kultur angetreten. Dass jeder einfach dasselbe bestellt wie der neben ihm. Jedes Restaurant hat eine Weinkarte – wieso nicht auch eine Bierkarte?

Mal ehrlich, wir reden von Hopfen und Malz. Wie viel Vielfalt kann aus diesen Zutaten hervorgehen?

Herrje, das fängt doch schon beim dunklen und hellen Bier an! Grund für die Farbe ist der Temperaturunterschied beim Brauen. Und der Anteil an Hopfen bestimmt, wie bitter das Bier wird. Spezli sind meist bitterer als Lager. Dann gibt es untergäriges und obergäriges Bier. Alles hat Auswirkungen auf die Geschmacksnoten. Man kann aber auch Weizen beimischen oder geräuchertes Bier machen.

Dass man beim Bier wenig Auswahl hat, hängt auch damit zusammen, dass Beizer ihren Vertragsbrauereien treu sind. Wie könnte man sie zu mehr Untreue anstiften?

Wir haben zum Beispiel in Zürich erreicht, dass in Lokalen, die der Stadt gehören, die Fremdbierquote erhöht worden ist. Ein Wirt kann etwa einen Drittel fremde Biere anbieten. Aber Wirte müssen das auch wollen. Viele denken bloss in Hektolitern. Doch auf Dauer rechnet sich das nicht. Wir wollen ja keine Komasäufer, wir wollen Geniesser haben.

Was kann man als Gast tun?

Immer erst fragen. Wenn ich zum ersten Mal in einem Lokal bin, frage ich «Habt ihr verschiedene Biere?» Einmal hörte ich: «Ja, grosses und kleines.» Solche Erlebnisse zeugen davon, dass die Schweiz biertechnisch ein Entwicklungsland ist. Die Gastronomie hat in diesem Punkt auf jeden Fall noch viel zu lernen.

*Der Zürcher Daniel Reuter ist seit zwölf Jahren Präsident der Gesellschaft für Biervielfalt.