«Lucy»
«Wir dachten an den Beatles-Song»

Der Architekt Daniele Marques hat die neue Weihnachtsbeleuchtung an der Bahnhofstrasse entworfen. Er habe beim Entwurf einen diamantenbesetzten Himmel vor Augen gehabt und und den Beatles-Song «Lucy in the Sky with Diamonds» in den Ohren, so Marques.

Sarah Jäggi
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«Lucy»: So sieht die neue Weihnachtsbeleuchtung aus.

«Lucy»: So sieht die neue Weihnachtsbeleuchtung aus.

Limmattaler Zeitung

Ab Donnerstag leuchtet «Lucy»

Wenn man am Paradeplatz steht und sich nicht ablenken lässt von Spendensammlern und Passantengewühl, und gen Himmel blickt, dann sieht man sie: Lucy, die neue Weihnachtsbeleuchtung. Noch ist sie das magere Skelett ihrer selbst, ein Geflecht aus Stahlseilen, daran Hunderte von Schnüren, an denen fünf, sechs oder mehr Punkte hängen. Jeder Punkt ein Kristall, darin zwei Leuchtdioden, würde man sie zählen, müsste man bis 12000 zählen. Ab Donnerstag bringen sie, computergesteuert, Lichterglanz auf die 1050 Meter zwischen Hauptbahnhof und Bürkliplatz. Die erste Montage von «Lucy» hat 19 Wochen gedauert. «Das scheint lange, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass nur zwischen 1 und 5 Uhr gearbeitet werden konnte, wenn keine Trams fahren», so Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Bahnhofstrasse Zürich. Für die Konstruktion wurden 12000 Meter Stahlseile verlegt und 250 Anker in Fassaden gerammt. Die neue Beleuchtung wird halb so viel Strom wie die in Ungnade gefallene Vorgängerin, «the World's Largest Timepiece» verbrauchen und 100-mal weniger als der Lichtervorhang, der von 1971 bis 2004 für Weihnachtsstimmung gesorgt hatte. Finanziert wird die neue, 2.5 Millionen teure Beleuchtung von 28 Firmen. Hünig freut sich, dass die Bahnhofstrasse mit «Lucy» wieder eine «weihnachtliche Beleuchtung» erhält und geht davon aus, dass das Thema für die nächsten vier Jahre vom Tisch ist. Dann wird die Bahnhofstrasse saniert und die Bäume, die zum weihnachtlichen Zauber beitragen, gefällt. «Ich gehe davon aus, dass wir dann den Himmel verstärken müssen, damit er nicht leer wirkt», sagt er. (jas)

Merken die Fussgänger etwas von diesem Spiel mit Licht und Farben?
Die Veränderungen sind sicherlich kein Chilbi-Event, und wer durch die Bahnhofstrasse hastet, wird nicht viel davon merken. Wer einen Moment stehen bleibt, wird die Veränderungen, die wir als sanfte, atmosphärische Veränderungen verstehen, sicherlich wahrnehmen.

Das Licht stammt von 24000 Leuchtdioden. Wie soll mit LED-Licht, das doch als kaltes Licht bekannt ist, eine weihnachtliche Stimmung entstehen?
Das war in der Tat eine Herausforderung. LED steht für Sachlichkeit, Kühle und Vernunft, wir wollten aber eine atmosphärische Stimmung, ähnlich dem Licht in einer Alphütte bei Kerzenschein. Die Lösung besteht darin, dass wir Kristalle entwickelt haben, in die Rücken an Rücken zwei Leuchtdioden eingebracht sind und die von einem facettenreichen Kunststoff umhüllt sind, sodass das Licht gebrochen und reflektiert wird. Die Kristalle sind unterschiedlich gefärbt, die Mischung aus den zwölf Farben ergibt das warme Licht.

Ist eine Weihnachtsbeleuchtung Kunst, Architektur oder einfach eine Dekoration, um die Menschen zum Einkaufen zu verführen?
Ich glaube nicht, dass man die Architektur eindeutig von Kunst trennen kann, und auch Dekoration hat ihre Berechtigung –, auch wenn ich kein Freund von aufgesetzter Effekthascherei bin. Insofern spielten alle drei Begriffe eine Rolle bei unserer Auseinandersetzung.

Der Erschaffer von «Lucy» Der Luzerner Architekt Daniele Marques hat zusammen mit dem St. Galler Lichtgestalter Charles Keller und dem Zürcher Künstler Adrian Schiess die neue Weihnachtsbeleuchtung an der Zürcher Bahnhofstrasse entworfen. Ab Donnerstag sorgt sie in der Zürcher Bahnhofstrasse für festliche Vorweihnachtsstimmung. (jas)

Der Erschaffer von «Lucy» Der Luzerner Architekt Daniele Marques hat zusammen mit dem St. Galler Lichtgestalter Charles Keller und dem Zürcher Künstler Adrian Schiess die neue Weihnachtsbeleuchtung an der Zürcher Bahnhofstrasse entworfen. Ab Donnerstag sorgt sie in der Zürcher Bahnhofstrasse für festliche Vorweihnachtsstimmung. (jas)

AZ

Wie halten Sie es persönlich mit Weihnachtsbeleuchtungen – in Ihrem Haus? Im Garten?
Ich habe weder Haus noch Garten! Aber klar, auch für mich ist Weihnachten eine schöne Zeit und ich mag nach den düsteren Novembertagen etwas Behagliches, eine schöne Kerze zum Beispiel. Auch gibt es in unserer Wohnung einen Weihnachtsbaum für die Kinder und der ist – trotz meines Berufes – nicht einmal schwarz!