Die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg (LAF) ist die einzige öffentliche Luftseilbahn im Kanton Zürich. Vor zwei Jahren nahm sie ihren ersten Seilbahner-Lehrling auf. Mit Abschluss seiner Lehre ist Cristiano Monteiro der Allererste, der je im Kanton Zürich diese Ausbildung absolviert hat.

Um 7 Uhr morgens beginnt der Arbeitstag von Cristiano Monteiro in der LAF-Talstation in Adliswil. Er bereitet die Seilbahn für den Tag vor. Dabei hält er sich an eine genau definierte Kontrollliste auf einem Tabletcomputer — ein wichtiges Werkzeug von ihm. Sorgfältig und ruhig arbeitet er die Liste ab. Zuerst meldet er sich bei der SZU-Leitstelle an. «So weiss sie, dass die Bahn in Betrieb genommen wird», erklärt er.

Kaum Zeit für die Aussicht

Von Zählern und Anzeigen liest der 18-Jährige verschiedene Werte ab. Dann schaltet er die Anlage über die Steuerkonsole ein. Mit Rauschen und metallischem Getöse erwacht die Seilbahn. «Bevor wir Gäste in die Gondeln lassen, muss man einen Testlauf machen», sagt er und navigiert flink seine Finger über den Bildschirm der Bahnsteuerung. Mit ein paar Knopfdrücken schickt er die Gondeln aus den Stationen und testet die Bremsen der Anlage.
Schnell steigt der gross gewachsene junge Mann die steile Treppe hinunter in den Maschinenraum. Mit der Fingerspitze prüft er routiniert die Bremsbeläge. «Wenn es Öl darauf hat, greift die Bremse nicht mehr richtig.» Es ist alles in Ordnung. Zurück auf dem Bahnsteig folgt sein prüfender Blick dem Seil bis auf die Felsenegg. Dann steigt er für die Dienstfahrt in die Gondel.

Langsam offenbart sich das Panorama über den Zürichsee. Die Sonne steht zwar schon hoch am Himmel, aber es herrscht immer noch eine Morgenstimmung. Die Aussicht könne er aber nicht geniessen, sagt Cristiano Monteiro konzentriert, während er in der fahrenden Kabine hochklettert und die kleinen Dachluken öffnet. Mit einem Blick nach oben kontrolliert er, ob die Rollen an den Masten richtig laufen.

Auf der Felsenegg bewegt er sich zielstrebig durch die Bergstation. Er wischt den Warteraum. Alles müsse sauber sein für die Gäste. Die grosse Verantwortung für die Anlage stimmt ihn nicht unruhig. «Das habe ich alles gelernt. Die Abläufe haben sich für mich automatisiert», antwortet er selbstbewusst.

Aufmerksam geworden war Cristiano Monteiro auf diese Lehrstelle durch das Berufsinformationszentrum (BIZ). Seine Interessen passten zum Beruf des Seilbahners, den er zuvor nicht gekannt hatte. Zuerst sei er noch abgeschreckt gewesen, dass die Berufsschule weit weg im bernische Meiringen gelegen sei, erklärt er. «Aber dann war die Lehrstelle eine gute Entscheidung. Die Seilbahn habe ich bewundert.»

Zweieinhalb Zugstunden von Zürich entfernt, ging er ins Ausbildungszentrum von Seilbahnen Schweiz in Meiringen. Dort wurde er blockweise theoretisch ausgebildet, beispielsweise in Seilbahntechnik. Seine Mitschüler waren zunächst skeptisch gegenüber dem Stadtzürcher. «Am Anfang sagten sie, dass Zürcher arrogant seien. Am Schluss waren wir aber alle wie eine Familie.» Auf den gemeinsamen Zugfahrten in die Berufsschule haben die angehenden Seilbahner nicht etwa über Fussball oder schnelle Autos geredet, sondern ihre Seilbahnen verglichen, erzählt er. Aber mit der kleinen LAF habe er in den Gesprächen nicht mithalten können.

Bald kommt die RS

Am Anfang seines praktischen Einsatzes bei der LAF sei der Kundenkontakt schwierig für ihn gewesen wegen seiner Schüchternheit. Mittlerweile gefällt ihm die Interaktion mit Kunden. «So lernte ich schon viele Leute kennen», freut sich Monteiro. Daneben möge er die unterschiedlichen Arbeiten draussen wie drinnen.

Das letzte Geländer auf der Felsenegg ist geputzt. Für einen kurzen Moment kann er die Aussicht geniessen. «Es ist angenehm, von der Stadt weg zu sein.» Unten im Tal kommen die ersten Gäste. Er verkauft ihnen Billette und schickt sie dann mit der ersten Gondel des Tages bergwärts.

Noch ein halbes Jahr arbeitet Cristiano Monteiro bei der Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg. Während dieser Zeit unterstützt er den neuen Seilbahner-Lehrling. Dann muss er in die RS. Was danach kommt, weiss er noch nicht. Vielleicht eine Anstellung bei einem grossen Seilbahnbetrieb oder gar einst bei der neuen Züri-Bahn über den Zürichsee.