Die ersten vier Kandidierenden, darunter CVP-Stadtpräsident Michael Künzle, haben am Dienstag die Werbetrommel in eigener Sache gerührt.

Frohe Botschaften kann der Stadtpräsident momentan nicht viele überbringen. Vor die Medien tritt Künzle meist wegen negativer Nachrichten, etwa wegen des 62-Millionen-Lochs in der Kasse oder dem Sparprogramm. Die Dossiers seien momentan nicht gerade einfach, räumte Künzle vor den Medien ein. Dennoch wolle er wieder antreten.

Seine Partei nominierte ihn einstimmig zur Wiederwahl, weil er die Stadt «mit ruhiger und überlegter Hand führt». Mit dieser Haltung will Künzle auch nach den Wahlen weiterarbeiten. Die Finanzen würden natürlich eines der Hauptthemen bleiben, sagte er. Wichtig seien aber auch die Arbeitsplätze, von denen Winterthur nach wie vor zu wenig habe.

Die Erhöhung des Steuerfusses von 122 auf 127 Prozent erachtet Künzle als unumgänglich. «Man soll die Erhöhung aber so bald wie möglich wieder rückgängig machen.» Hier ist er mit seiner Partei ausnahmsweise nicht einer Meinung: Die CVP-Fraktion des Grossen Gemeinderates will die beantragte Steuererhöhung voraussichtlich ablehnen.

«Von Null auf 62 Millionen»

Ihre Kandidatur gaben am Dienstag auch alle bisherigen SP-Regierungsmitglieder bekannt, Sozialvorsteher Nicolas Galladé sowie Bauvorsteherin Pearl Pedergnana und Finanzvorsteherin Yvonne Beutler.

Letztere fasste ihre ersten elf Monate im Stadtrat mit «von Null auf 62 Millionen» zusammen, in Anspielung auf das Millionenloch. Auch wenn man es kaum glauben könne, aber sie sei immer noch überzeugt, das richtige Departement gewählt zu haben, sagte sie.

Alle drei SP-Vertreter unterstützen die geplante Steuererhöhung. Angebote abzubauen würde einzelne Gruppen immer stark treffen, sagte Beutler. Eine Steuererhöhung treffe zwar alle, aber dafür nicht so schmerzhaft. Galladé erinnerte daran, dass man heute weniger Steuern zahle als noch vor 12 Jahren. «Gleichzeitig bietet die Stadt aber viel mehr.»

Pedergnana appellierte daran, trotz Krise den Stärken der Stadt Sorge zu tragen. Alte Institutionen, etwa aus dem kulturellen Bereich, seien über Generationen über viele Krisen hinweg gerettet worden. «Wir dürfen sie jetzt nicht wegen einer finanziellen Misere opfern.»

Auch GLP und SVP wollen einen Sitz

Im Stadtrat bleiben wollen auch der Vorsteher der technischen Betriebe, Matthias Gfeller (Grüne), Schulvorsteher Stefan Fritschi und Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier, beide FDP. Sie alle wurden bereits nominiert.

In die Stadtregierung wollen auch die GLP und die SVP. Die GLP schickt den ETH-Agronomen Beat Meier ins Rennen, der seit 2010 im Grossen Gemeinderat sitzt. Es ist bereits ihr dritter Versuch, einen Sitz zu ergattern. Wenig Erfolg hatte in den vergangenen Jahren auch die SVP. Seit 2002 - dem Rücktritt von Leo Iten - ist sie nicht mehr im Stadtrat vertreten.

Alle bisherigen Versuche, den Sitz zurückzuholen, schlugen fehl. Nun soll es der Kantonspolizist Josef Lisibach richten, der 2012 Präsident des Grossen Gemeinderates war. Ob die EVP ebenfalls einen Kandidaten nominiert, ist noch unklar. Sie verlor ihren Sitz 2010 an die FDP.