Bahnverkehr

Winterliche Stellwerkstörungen: SBB will Weichen mit Erdwärme heizen.

Die SBB sind parat für den Winter: Bei Schnee verhindern Heizungen, dass Weichen zufrieren.

Die SBB sind parat für den Winter: Bei Schnee verhindern Heizungen, dass Weichen zufrieren.

Die Hälfte der 15'000 Weichen im SBB-Netz der Schweiz sind mit einer Gas- oder Elektroheizung ausgestattet. Die SBB testen ein Modell mit Erdwärme.

Stellwerkstörung. Diesen Begriff hassen Bahnpassagiere, weil er meistens Verspätung bedeutet. Die Ursachen von Stellwerkstörungen sind vielfältig. Manchmal steckt eine vereiste oder zugeschneite Weiche dahinter, sagt Daniel Föhn, Lifecycle Manager bei den SBB und Spezialist für Weichenheizungen. Zum Auftakt der Wintersaison erklärt er im Gleiswirrwarr des Zürcher Kohledreiecks gerade ein Modell vor Ort.

Rund 15'000 Weichen existieren auf dem SBB-Netz der Schweiz. Die Hälfte davon – rund 7400 – ist heizbar, entweder mit Gas (38 Prozent) oder elektrisch (62 Prozent). Das Modell, das Föhn und seine Mitarbeiter gestern den Medien vorstellten, funktioniert mit Gas. «Gasheizungen sind leistungsfähiger», sagt Föhn. Sie würden in grösseren Bahnhöfen wie Zürich und an exponierten Lagen eingesetzt wie am Gotthard oder im Jura. Und generell in Höhen über 700 Meter über Meer.

Saisonale Bereitschaft

Früher hielt man Gasheizungen für umweltfreundlicher. Heute erhalten dieses Prädikat die Elektroheizungen. Die SBB stellen deshalb um, wo es geht. Die Weichenheizungen sind nicht ganzjährig, sondern nur von Mitte Oktober bis Mitte April im Bereitschaftsdienst, was laut den SBB-Fachleuten ausreichend ist. Auch so verschlingen sie noch 60 bis 70 Gigawattstunden jährlich, was rund 15'000 Haushalten entspricht und Kosten von rund drei Millionen Franken verursacht.

Die Heizungen sind kleine technologische Wunderwerke. Sie schalten sich je nach Aussentemperatur selber ein und aus. Das Gasmodell, das Föhn vorstellt, schaltet sich ein, wenn die Aussentemperatur Minus 12 Grad beträgt oder wenn Schnee fällt bei 0 Grad. Bei Minus 10 Grad schaltet sie sich wieder aus. Die Sensoren sind je nach Gebiet unterschiedlich eingestellt. Trotz Heizung kommt es vor, dass eine Weiche im Winter klemmt. Zum Beispiel, wenn die Bise die Wärme wegbläst. Ist das gefährlich? Nein, sagt Föhn. Funktioniert eine Weiche nicht, setzt das System eine automatische Rückmeldung in die Betriebszentrale ab. Der Zug kann nicht durchfahren.

Versuch mit Erdwärme

Weil heizen teuer ist und CO2 verursacht, wollen die SBB sparen. Ihr Klimaziel bis 2020: Energieverbrauch um 20 Prozent senken. Seit September testen sie eine Gleisheizung in Eschenbach LU, die mit Erdwärme läuft. Sie funktioniert mit einer Erdsonde und Wärmepumpe, gleich wie in einem Einfamilienhaus. Die Gleise werden gewärmt durch Rohre, die mit Warmwasser gefüllt sind. Die SBB erwarten einen Energiespareffekt von 30 Prozent.

Mit Gleisheizungen allein können die Bahnen den Winter natürlich nicht zähmen. Auf Verspätungen muss man sich gefasst machen. Nicht nur wegen Stellwerkstörungen. Bei Schnee und Eis müssen die Züge teilweise das Tempo drosseln. Und weil mehr Passagiere unterwegs sind, dauert das Ein- und Aussteigen länger. Manchmal streikt auch der Schliessmechanismus der Türen. Die Statistik der SBB stimmt aber zuversichtlich: Bei der Pünktlichkeit der Züge lässt sich kein Unterschied zwischen Sommer und Winter feststellen.

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