Kanton Zürich
Wildschweine strahlen kaum Radioaktivität aus

Der Zürcher Kantonschemiker gibt Entwarnung: Die erste genauere Untersuchung von Wildschweinfleisch in der Deutschschweiz hat ergeben, dass hiesige Bestände im Gegensatz zu deutschen Tieren nicht übermässig mit Cäsiumresten der Tschernobyl-Katastrophe belastet sind.

Christian Wüthrich
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Wildschweine wühlen in den tieferen Bodenschichten nach Nahrung.

Wildschweine wühlen in den tieferen Bodenschichten nach Nahrung.

Fotolia

80 Wildschweinproben von Tieren aus Zürcher Wäldern hat das kantonale Labor von Rolf Etter in den letzten Monaten auf radioaktive Strahlung untersucht. Auslöser für diese gross angelegte Untersuchung waren unter anderem Meldungen aus dem süddeutschen Raum, wonach besonders im grenznahen Schwarzwald sowie in Oberschwaben teils mehr als die Hälfte aller erlegten Wildschweine viel zu hohe radioaktive Strahlungswerte aufwiesen. Deutsches Wildschweinfleisch musste deshalb öfters verbrannt werden, anstatt dass es auf einem Teller gelandet wäre.

Nun liegen die ersten Schweizer Ergebnisse aus dem Zürcher Kantonslabor vor. Und es zeigt sich, dass beim erlegten Schwarzwild südlich des Rheins weder Toleranz- noch Grenzwertüberschreitungen feststellbar sind. Etters Fazit lautet deshalb: «Wildschweinfleisch aus Zürcher Jagd kann bezüglich Radioaktivität als unbedenklich eingestuft werden.» Untersucht wurde die Strahlungsaktivität von Cäsium-134 und -137.

Beide Cäsiumisotope stammen aus dem explodierten Atomreaktor von Tschernobyl, dessen giftiges Erbe per Wind und Wetter Ende April des Jahres 1986 auch die Schweiz erreichte. Cäsium-137 ist mit einer Halbwertszeit von etwas mehr als 30 Jahren lange aktiv und auch heute noch problemlos in hiesigen Böden, Pflanzen und manchen Tieren nachweisbar.

Der Grenzwert von 1250 Becquerel pro Kilo Fleisch wurde allerdings bei den Schwarzwildproben bei weitem nicht erreicht. Selbst der tiefere Toleranzwert – er liegt bei 600 Becquerel – wurde in keiner Zürcher Probe gemessen.

Das am stärksten strahlende Wildschwein wies einen Wert von 388 Becquerel pro Kilogramm auf, was lediglich 31 Prozent des Grenzwertes bedeutet. Alle Proben stammen von Zungen von Wildschweinen, die zwischen November und Januar geschossen wurden.

Von den 80 Zürcher Proben lagen 31 unter der Nachweisgrenze (2 Bq/kg), während in 49 Fällen Cäsium-137 in einem durchschnittlichen Wert von 28 Becquerel pro Kilogramm gefunden wurde.

Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu anderen Untersuchungen – nicht nur in Deutschland. So wurden in der Jagdsaison 2013/14 im Tessin 470 Wildschweine untersucht. Im Gegensatz zu den tiefen Werten im Zürichbiet lagen dort allerdings 6 Prozent der Tiere über dem zulässigen Limit, und die höchsten Strahlungswerte erreichten gar 7000 Becquerel pro Kilogramm.

Dass die Zürcher Wildschweine weniger verstrahlt sind, hat mit der Wetterlage im Frühling 1986 zu tun. So waren Süddeutschland wie auch das Tessin stärker von Niederschlägen betroffen. Der sogenannte Fallout mit radioaktivem Staub aus der Sowjetunion hatte sich dort stärker in den Böden abgesetzt und wird heute besonders von Wildschweinen auf der Nahrungssuche nach Pilzen und Wurzeln aufgewühlt.