Wiesen mähen, Schülern bei den Hausaufgaben helfen, im Altersheim den Nachmittagstee ausschenken: Solche Arbeiten erledigen Zivildienstleistende. Alleine im Kanton Zürich sind 5677 Zivis wohnhaft. Das sind rund ein Drittel der Zivis die im vergangenen Jahr schweizweit im Einsatz waren. Also jener, die militärdiensttauglich wären, aber aus persönlichen Gründen keinen Armeedienst leisten möchten.


Der Zivildienst feiert diesen Monat sein 20-jähriges Bestehen und weist derzeit Rekordwerte auf. So ist die Zahl der Zivildienstleistenden seit 2010 im Raum Zürich um rund 20 Prozent gesteigen. Weil immer mehr Zivildienstleistende vorhanden sind, vergrössert sich auch die Zahl der Einsatzbetriebe. Seit drei Monaten nun ist das Schulwesen offiziell zugelassen, auch Zivis zu beschäftigen.


Immer mehr Zivis


Thomas Brückner, Mediensprecher der Vollzugsstelle für den Zivildienst, sagt dazu: «Wir stellen ein Interesse bei den Schulen und bei den Zivis für die neuen Einsatzmöglichkeiten fest. Von Schulen haben wir schon positives Feedback erhalten.» Dennoch sei es für eine umfassende Einschätzung so kurz nach der Einführung verfrüht.


Die Dienste richten sich an Unterrichtseinheiten, aber auch an Unterstützung ausserhalb des Unterrichts. Zivis unterstützen beispielsweise bei der Pausenaufsicht und entlasten damit Lehrpersonen, oder helfen am Mittagstisch und im Hausdienst aus. Weiter gehört die Aufgabenhilfe, die Assistenz der Lehrpersonen oder aber die Begleitung von Schulprojekten zu ihrem Aufgabenfeld. Die Verantwortung des Unterrichts bleibt dabei jederzeit bei der Lehrperson.


Durch das neu erschlossene Tätigkeitsfeld und die zunehmende Zahl an Gesuchen, dürfte die Zahl der Einsatzbetriebe künftig noch mehr steigen. Derzeit gibt es im Regionalzentrum Rüti, zu der auch Zürich gehört, 1247 Betriebe, die die Bestimmungen für Zivildienstleister erfüllen.

Dabei handelt es sich nicht um privatwirtschaftliche Firmen. Nur Betriebe, die einen gemeinnützigen Zweck nachweisen und zudem steuerbefreit operieren, dürfen Stellen an Zivildienstleister vergeben. Dazu gehören Vereine, öffentliche Institutionen oder Spitäler. Grundsätzlich dürfen gewinnorientierte Betriebe nur dann Zivildienstleister beschäftigen, wenn sie mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören.

Der Grund für diese Bestimmung ist, dass die Arbeitsleistung des Zivis dem öffentlichen Interesse zu Gute kommt. Entsprechend dürfen diese Leistungen nur in Betrieben erbracht werden, die ein öffentliches Interesse vertreten. Nicht möglich ist es zudem, den Zivildienst bei seinem eigenen Arbeitgeber zu absolvieren. Grundsätzlich ist ein Zivildiensteinsatz nicht als private Aus- und Weiterbildung zu verstehen.


Im Dienst der Gesellschaft


Das Regionalzentrum in Rüti überprüft die Vereinbarungen für die Zivi-Einsätze. Die Anzahl Zivildienstleister, die ein Betrieb beschäftigen darf, ist gesetzlich festgelegt. Neben dem Kanton Zürich werden auch Einsätze in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Glarus, beide Appenzell und Graubünden von Rüti aus gesteuert. Brückner stellt klar: «Zivis leisten zeitlich begrenzte Einsätze.» Steigt die Zahl der Zivis pro Einsatzbetrieb auf über zehn, muss das Regionalzentrum zudem mit der Arbeitsmarktbehörde des Kantons Zürich Kontakt aufnehmen.


Wie eine Erhebung der Vollzugsstelle für den Zivildienst zeigt, wurde 2015 eine deutliche Mehrheit aller Diensttage im Sozial- und Gesundheitswesen, sowie im Umwelt- und Naturschutz geleistet. Brückner sagt: «In diesen Bereichen gibt es die grösste Nachfrage nach unterstützenden Einsatzkräften.» Im Kanton Zürich entfallen drei Viertel der Dienste auf das Sozial- und Gesundheitswesen. Diese Tätigkeitsbereiche gehören zu den Schwerpunktprogrammen des Zivildienstes.


Insgesamt aber gibt es über 11 000 Pflichtenhefte, die die Aufgaben für mögliche Einsätze klar definieren. Zivis mit einer höheren Ausbildung dürfen entsprechend auch im Zivildienst Tätigkeiten ausüben, die mehr Verantwortung erfordern. Grundsätzlich trifft man Zivis dort an, wo der grösste gesellschaftliche Bedarf besteht. Genau deshalb sind sie als Assistenten im Unterricht an Schulen, in den Aufenthaltsräumen der Altersheime oder auf den Gängen der Spitäler unterwegs.