Kanton Zürich
Wieso haben Gemeinden einen Doppelnamen?

Im Kanton Zürich gibt es bisher vier Gemeinden, die einen Doppelnamen mit Bindestrich tragen – das hat allerdings nichts mit Fusionen zu tun. Das hat ganz andere Gründe. Besonders der Fall Laufen-Uhwiesen ist besonders interessant.

Fabio Mauerhofer
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Die Finanzen sind bei einer Gemeindefusion entscheidend. Doch die Namenswahl ist mindestens genauso heikel. Der Gleichberechtigung zuliebe können Gemeinden auch einen Doppelnamen mit Bindestrich eintragen lassen. «Der Kanton macht grundsätzlich keine materiellen Vorgaben für Gemeindenamen», erklärt Roland Wetli vom kantonalen Gemeindeamt. Dies liege im Einflussbereich der Gemeinden.

Namensänderungen müssen allerdings vom Regierungsrat genehmigt werden. Zudem existieren Empfehlungen vom Bund: So sollte der Gemeindename in der ganzen Schweiz eindeutig sein und 24 Zeichen nicht überschreiten. Auch werden grundsätzlich möglichst kurze, einprägsame Namen empfohlen. Daher äussert auch der Kanton gewisse Vorbehalte gegenüber Doppelnamen. «Sie sind halt kompliziert», sagt Wetli. Bei einer Gemeindefusion mit zwei gleichberechtigten Partnern sei es aber durchaus ein gangbarer Weg.

Bei ungleichen Fusionspartnern war bisher dagegen der Name der grösseren Gemeinde Trumpf. So nehmen die Bertschiker hin, dass sie ab 2014 in der Gemeinde Wiesendangen aufgehen. Gleich verhält es sich bei einer allfälligen Fusion von Bauma und Sternenberg. Obwohl sich beiderorts Einwohner für einen Doppelnamen starkgemacht haben, soll die neue Gemeinde Bauma heissen. Die Begründung der Behörden: Es wäre unverhältnismässig, wenn wegen 350 Sternenbergern die gut 4000 Baumer ihre Adressen und Dokumente ändern müssten.

Der Fall Laufen-Uhwiesen

Obwohl es in den letzten 80 Jahren im Kanton Zürich keine Fusionen gab, existieren vier Gemeinden mit Doppelnamen: Freienstein-Teufen, Illnau-Effretikon, Laufen-Uhwiesen und Wangen-Brüttisellen. Dass Doppelnamen nicht unbedingt erwünscht sind, musste vor allem Freienstein-Teufen erfahren. «Der Kanton hat sich zuerst dagegen gesträubt», weiss Gemeindepräsident Werner Lienhard. Es war ein Kantonsrat aus der Region nötig, der dafür geweibelt hat.

Entstanden ist der Doppelname bei der Auflösung der beiden Zivilgemeinden Freienstein und Teufen in den 1950er-Jahren. «Den Einwohnern aus Teufen tat es weh, sich von ihrem Namen zu trennen», erklärt Lienhard. Und sie fanden beim Freiensteiner Gemeinderat Gehör. Obwohl schon damals nur ein Fünftel der Einwohner in Teufen wohnte. Eine Knacknuss wäre die Fusion von Freienstein-Teufen und Rorbas. Denn einen Dreifachnamen akzeptiert der Kanton nicht. «Das haben wir abgeklärt», sagt Lienhard.

Am Doppelnamen Laufen-Uhwiesen ist laut Ortschronist Remi Ackeret hingegen ausgerechnet der Kanton schuld. Nachdem sich im 19. Jahrhundert nacheinander Dachsen und Flurlingen von Laufen (damals galt die Kirchgemeinde als Grundlage für die politische Gemeinde) abgespaltet hatten, fanden die Uhwieser, dass sie eigentlich der Hauptort sein müssten.

Doch der Kanton bestand laut Ackeret darauf, dass Laufen im Namen erhalten bleibt. «Obwohl es nie ein Wohnort war.» Laufen bestand eigentlich immer nur aus Schloss, Kirche und Pfarrhaus. Der Doppelname ist bis heute nicht populär. «Es sagt niemand, dass er in Laufen-Uhwiesen wohnt», so Ackeret. Selbst er habe manchmal Mühe damit. «Ich habe unsere Gemeinde in Abstimmungstabellen auch schon unter dem Buchstaben U gesucht.»

Der Fall Illnau-Effretikon

Dass 1973 aus der Gemeinde Illnau die Stadt Illnau-Effretikon entstand, geht auf den Aufschwung Effretikons zurück. «Dort lebten inzwischen dreimal mehr Einwohner», erklärt Stadtpräsident Ueli Müller. Früher war Illnau dagegen grösser und bedeutender.

Wangen-Brüttisellen verdankt seinen Namen derweil einem politischen Vorstoss. An einer Gemeindeversammlung erhielt die Exekutive 1974 den Auftrag, dem Regierungsrat ein Gesuch um Änderung des Namens Wangen auf Wangen-Brüttisellen zu unterbreiten.

Schlechte Erfahrungen mit dem Doppelnamen hat eigentlich niemand gemacht. «Ich finde es eine gute Sache, weil so beide Ortsteile vertreten sind», sagt Werner Lienhard, Gemeindepräsident von Freienstein-Teufen. Einziges Problem: «Die Computerprogramme sind nicht unbedingt auf solch lange Namen ausgelegt.» Daher falle manchmal ein Teil weg.