Zürich

Wie zwei Studenten Milliarden an Energiekosten sparen wollen

Die beiden Unisieve-Gründer Samuel Hess (links) und Elia Schneider präsentieren ihren Membran-Prototypen.

Die beiden Unisieve-Gründer Samuel Hess (links) und Elia Schneider präsentieren ihren Membran-Prototypen.

Die Reinigung von Gasen für die industrielle Produktion verbraucht viel Energie – das preisgekrönte Zürcher ETH-Unternehmen Unisieve will das ändern. Experten finden ihre Idee vielversprechend.

Das Zürcher Start-up Unisieve hat sich zum Ziel gesetzt, die C02-Emmissionen bei der industriellen Produktion zu senken. Die Köpfe der Jungfirma, Samuel Hess und Elia Schneider, versuchten deshalb, das Trennverfahren von Gasen zu optimieren. Genauer genommen haben sie sich dabei auf die Reinigung von Propylen konzentriert.

Was dabei herauskam, ist eine Membran-Technologie, mit welcher gemäss Experten Millionen Tonnen an C02-Emmissionen verhindert werden können. Die Idee des Zürcher Start-ups wurde auch von der Jury von Venture Kick gewürdigt. Die Finanzierungs-Initiative für Start-ups unterstützt die Entwickler deshalb mit 130 000 Franken Preisgeld.

Warum sich die beiden ETH-Doktoren gerade auf Propylen konzentriert haben, liegt auf der Hand. Es ist der weltweit am zweitmeisten verwendete Rohstoff, dessen Reinigungsprozess äusserst energieintensiv ist. Propylen wird beispielsweise für die Herstellung von Aceton, Kunststoff oder Kunstfaser benötigt. Die Destillation des Gemischs in teils über 100 Meter hohen Stahlbehältern verursacht laut Experten ungefähr ein Tausendstel des globalen Energieverbrauchs.

Riesiges Sparpotenzial

Die Antwort von Unisieve auf die umweltbelastende Aufbereitung des Gases ist eine Membran-Technologie. Von aussen sieht das Stahlrohr, das mittels Siebmechanismus Gase voneinander trennt, bescheiden aus. Doch die Technologie hat es in sich. Wie bei einem konventionellen Küchensieb werden grosse von kleinen Teilchen getrennt. «Im Fall der Unisieve-Technik werden aber nicht Spaghetti von Wasser, sondern Moleküle von Atomen getrennt», wie Unisieve-Mitgründer Hess sagt.

Experten bestätigen der Zürcher Technologie Potenzial. Dieses umfasst eine Reduktion von 90 Prozent der bislang beim Destillierprozess verbrauchten Energie. Dies würde eine globale Einsparung von Milliarden an Energiekosten und Millionen von Tonnen an CO2-Emmissionen bedeuten. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor: «Zurzeit evaluieren wir zusammen mit Firmen fallspezifische Werte», sagt Hess.

Das ETH-Start-up Unisieve hat seine seit 2013 am Institut für Chemie und Bioingenieurwesen entwickelte Technologie nun am Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum angemeldet. «Momentan steht das Patent kurz vor der Bewilligung», sagt Hess. Für nächstes Jahr stehen Pilottests auf dem Programm der Jungfirma. Weitere geplante Anwendungsbereiche der Unisieve Membranen sind die Reinigung von Energiegasen wie Wasserstoff oder Biogas. Die Technologie auch in der Sensortechnik anwenden zu können, gehört ebenfalls zu den nächsten Entwicklungsschritten.

Über den möglichen Preis der entwickelten Membran kann Hess noch keine Angaben machen. Denn damit die Technologie marktreif werden kann, suchen die beiden Forscher nun nach Investoren.

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