Architektur
Wie wohnt Zürich? Der Verein Open House Zürich zeigt es - mit mehr als 80 offenen Türen

Jede Bauepoche hat ihre architektonische Handschrift. Einige der herausragendesten Gebäude in der Stadt und im Raum Zürich können dieses Wochenende besichtigt werden.

Lina Giusto
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Angenehm wohnen und arbeiten Die Doldertalhäuser am Adlisberg von Zürich gelten als Hauptwerke des Neuen Bauens in Zürich. Die Architekten Alfred und Emil Roth haben das Grundstück von Besitzer Sigfried Giedion, einem Professor der Architekturtheorie und Wegbereiter des Neuen Bauens, für Bauzwecke zur Verfügung gestellt bekommen. Giedion wollte das Bauland oberhalb seiner Villa mit Wohnungen für den gehobenen Mittelstand bebauen lassen. Dies schreibt Autor Arthur Rüegg in seinem Buch «Die Doldertalhäuser. Ein Hauptwerk des Neuen Bauens in Zürich». Die Schweizer Architekten erhielten zwischen 1932 und 1936 Unterstützung des deutsch-amerikanischen Architekten Marcel Breuer, der zudem als Erfinder des modernen Stahlrohrmöbels, gilt. Das dreigeschossige Wohnhaus beherbergt in den beiden Hauptgeschossen je eine grosse Wohnung. Zwei dieser Privatwohnungen können am Samstag auch von innen besichtigt werden. Während die Wohn- und Schlafräume im quaderförmigen Hauptteil des Gebäudes liegen, sind Nebenräume wie Treppenhaus, Küche und Balkon zum Wolfbach hin ausgerichtet. Das zurückgesetzte Dachgeschoss enthält je zwei Dachateliers. Im Untergeschoss liegen neben dem Hauseingang die Garagen. Wegen der eher abgeschiedenen Lage am Zürichberg entgingen die Mehrfamilienhäuser laut Arthur Rüegg der Dynamik der Stadtveränderung. Aufgrund von Instandhaltungsarbeiten kamen den meisten Gebäuden, die der modernen Klassik zugeordnet werden können, ihre architektonische Eigenheit abhanden schreibt Rüegg in seiner Abhandlung über die Doldertalhäuser weiter.
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Die Gebäudehülle liefert den Strom Der Neubau der Huggenbergfries Architekten liegt am Ufer des Zürichsees im Kreis 2 zwischen der Seestrasse und der S-Bahn-Linie. Der Bau wurde von 2011 bis 2017 geplant und realisiert. Die Fassade und das Dach des Solaris-Hauses bestehen aus auberginefarbenen Gläsern, die Photovoltaikelemente enthalten. Das für das Gebäude entwickelte Energieverbundsystem liefert laut den Architekten Strom für den doppelten Verbrauch des Wohnhauses. Im Gebäude sind zehn Wohnungen und ein Atelier enthalten. Im Inneren des Hauses erinnern Eibenstützen an den ursprünglichen Baumbestand des Grundstückes.
Das Haus besteht aus Mineralien Das Wohnhaus der Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS in Zürich Leimbach wurde 2013 für Menschen erstellt, die wegen Umweltgiften, Elektrosmog oder Magnetfeldveränderungen an gesundheitlichen Störungen leiden. Das Wohnhaus gilt europaweit als Pilotprojekt. Für den Bau wurden laut Zimmermann Sutter Architekten mineralische Substanzen verwendet. Um eine Verzerrung des natürlichen Erdmagnetfeldes ausschliessen zu können, ist erstmals im Wohnungsbau ein Haus grossmehrheitlich mit Glasfaserstäben verstärkt worden, schreiben die Architekten im Baubeschrieb. Besucher sollen für die Besichtigung keine Kosmetikartikel auftragen.
Singlewohnungen gibt es selten Der Zürcher Architekt Werner Stücheli hat mit dem Appartementhaus im Zürcher Kreis 8 vor über 60 Jahren ein Wohnhaus erstellt, dessen Form ursprünglich aus den 1920er-Jahren stammt. Das Haus besteht aus Kleinwohnungen für Singles und gilt in Zürich bis heute als seltene Wohnbauform. Bei der Sanierung vor zwei Jahren wurde die ursprüngliche Bausubstanz aussen sowie zeittypische Ausstattungen der Wohnungen weitestgehend erhalten. Charakteristisch für die am Sonntag zur Besichtigung zugänglichen Wohnungen sind die Parkett- und Klinkerböden sowie die Einbauschränke und die aus Holzlamellen bestehenden Trennwände.
Quer zur Strasse gebaut Die 1932 fertiggestellte Siedlung Neubühl in Zürich Wollishofen gilt als wichtigste Überbauung im Stil des Neuen Bauens. Die 121 Häuser umfassen insgesamt 194 Wohnungen und wurden auf Initiative der Genossenschaft Neubühl errichtet. Die für den Mittelstand konzipierten Flachdachbauten stehen quer zur Strasse, um Staub und Verkehrslärm abzuhalten, schreibt Arthur Rüegg in seinem Buch «Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen 1928–1932». Mitgestaltet hat die Überbauung der Zürcher Architekt Max Bill. Wie Autor Rüegg weiter festhält, waren die ersten Neubühl-Bewohner vor allem junge Leute und Kreative, die vom modernen Bau angezogen waren.
Künstler wohnten in der Kolonie Die Atelierhäuser des Künstlers Gottfried Honegger stehen unmittelbar am Waldrand von Gockhausen. In den 1950er-Jahren sind sie als «Künstlerkolonie Gockhausen» geplant und realisiert worden. Wie auf der Website der Überbauung steht, haben in den Holzpavillons am Waldrand auch die Schriftsteller Max Frisch und Jürg Federspiel zeitweise gelebt. Die Wohn- und Arbeitsräume in den Holzpavillons erlauben mit ihren zum Wald und zur Wiese ausgerichteten Fenstern einen fliessenden Übergang zwischen Natur und Wohnbereich. Die drei unterschiedlich grossen Ateliers können am Samstag während des ganzen Tages besichtigt werden.

Angenehm wohnen und arbeiten Die Doldertalhäuser am Adlisberg von Zürich gelten als Hauptwerke des Neuen Bauens in Zürich. Die Architekten Alfred und Emil Roth haben das Grundstück von Besitzer Sigfried Giedion, einem Professor der Architekturtheorie und Wegbereiter des Neuen Bauens, für Bauzwecke zur Verfügung gestellt bekommen. Giedion wollte das Bauland oberhalb seiner Villa mit Wohnungen für den gehobenen Mittelstand bebauen lassen. Dies schreibt Autor Arthur Rüegg in seinem Buch «Die Doldertalhäuser. Ein Hauptwerk des Neuen Bauens in Zürich». Die Schweizer Architekten erhielten zwischen 1932 und 1936 Unterstützung des deutsch-amerikanischen Architekten Marcel Breuer, der zudem als Erfinder des modernen Stahlrohrmöbels, gilt. Das dreigeschossige Wohnhaus beherbergt in den beiden Hauptgeschossen je eine grosse Wohnung. Zwei dieser Privatwohnungen können am Samstag auch von innen besichtigt werden. Während die Wohn- und Schlafräume im quaderförmigen Hauptteil des Gebäudes liegen, sind Nebenräume wie Treppenhaus, Küche und Balkon zum Wolfbach hin ausgerichtet. Das zurückgesetzte Dachgeschoss enthält je zwei Dachateliers. Im Untergeschoss liegen neben dem Hauseingang die Garagen. Wegen der eher abgeschiedenen Lage am Zürichberg entgingen die Mehrfamilienhäuser laut Arthur Rüegg der Dynamik der Stadtveränderung. Aufgrund von Instandhaltungsarbeiten kamen den meisten Gebäuden, die der modernen Klassik zugeordnet werden können, ihre architektonische Eigenheit abhanden schreibt Rüegg in seiner Abhandlung über die Doldertalhäuser weiter.

Zur Verfügung gestellt

Wohnen tut jeder irgendwie. Aber wie? Der Verein Open House Zürich gewährt dieses Wochenende bereits zum zweiten Mal Einblicke in unterschiedlichste Gebäude- und Wohnformen. Die Auswahl der über 80 Bauten treffen die Vereinsmitglieder zusammen mit Architekten und Spezialisten. «Sie alle weisen eine überdurchschnittliche architektonische Qualität auf. Zudem versuchen wir, alle Nutzungsbereiche von Gebäuden abzudecken wie auch eine sinnvolle geografische Streuung zu gewährleisten», sagt Christoph Kretz von Open House Zürich. Die Besucher können sich über die interaktive Karte auf der Open-House-Website ihre persönliche Tour durch den Raum Zürich zusammenstellen.

Ebenso vielfältig wie die Zürcher Baukultur sind auch die nach Kategorien ausgewählten Gebäude. Von Baustellen über Aussenräume und Sakralbauten können bis hin zu Pflegeeinrichtungen auch Schulhäuser besichtigt werden. Die Kategorie «Wohnen» ist mit 26 Objekten unter allen Gebäuden aber am stärksten vertreten. So kann von Altstadtwohnungen über Häuser der klassischen Moderne bis hin zu Wohnbauten aus den 1950er-Jahren unterschiedlichste Architektur in Augenschein genommen werden. Sieben Wohnhäuser sollen die bauliche Vielfalt hier veranschaulichen.

Limmattal: Auch in Dietikon gibt es etwas zu sehen

Das Dietiker Limmatfeld mit dem Limmattower sowie das Schulhaus Steinmürli können im Rahmen von Open House Zürich 2018 unter fachkundiger Führung besichtigt werden. Prägend für das Stadtbild Dietikons ist der neue Stadtteil Limmatfeld mit seinem 80 Meter hohen Wohnturm, dem Limmattower. Der Stadtverein bietet neben einer Wohnungsbesichtigung im 23. Stockwerk Führungen im und ums Limmatfeld an. Besucherinnen und Besucher können so verborgene Ecken des Limmatfeldes entdecken.

Zudem kann das Schulareal Steinmürli in Dietikon ebenfalls besichtigt werden. Aufgrund steigender Bevölkerungszahlen musste die Stadt ihr Schulraumangebot stetig erweitern. Architekturinteressierte können sich von Fachleuten aus der Hochbauabteilung und dem Architekturbüro Agps durch die Erweiterungsbauten führen lassen und erfahren, warum sie als Leuchtturmprojekte im städtischen Schulhausbau gelten.