Architekturwettbewerb
Wie sicher wird der neue Hardturm?

Nach den Ausschreitungen beim Derby vom vergangenen Wochenende im Letzigrund ist die Debatte über Sicherheit in Fussballstadien neu entbrannt. Die Stadt Zürich hält sich punkto Stehplätze alle Optionen offen.

Matthias Scharrer
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Limmattaler Zeitung

Nach den Ausschreitungen beim Derby vom vergangenen Wochenende im Letzigrund ist die Debatte über Sicherheit in Fussballstadien neu entbrannt. «Das wird Einfluss auf die Gestaltung neuer Stadien haben», ist Ivo Sollberger überzeugt. Das Bieler Architekturbüro Sollberger Bögli Architekten AG in Arbeitsgemeinschaft mit KCAP aus Zürich gehört zu den zwölf Teams, die am Architekturwettbewerb für den Bau des neuen Hardturmstadions teilnehmen dürfen. Ausgewählt hat sie die Stadt Zürich aus 93 Bewerbungen aus dem In- und Ausland, wie das Zürcher Hochbaudepartement gestern mitteilte.

«Ich denke, die Sicherheitsvorschriften beim Stadionbau werden verschärft», meint Sollberger, der bereits die Pläne für den Ausbau des Winterthurer Stadions Schützenwiese gestaltet. Zwar sei Hooliganismus primär ein gesellschaftliches Problem. «Aber es ist einfacher, Zäune höher zu machen, als die Gesellschaft zu verändern. Unsere Aufgabe wird es sein, dafür zu sorgen, dass ein Stadion trotzdem nicht wie ein Gefängnis aussieht.» Die Sicherheitskosten werden seiner Ansicht nach einen beträchtlichen Anteil an den Gesamtkosten fürs neue Hardturm-Stadion ausmachen.

In Fan-Blogs im Internet geht nach den Ausschreitungen vom Samstag die Befürchtung um, dass die GC- und FCZ-Anhänger im neuen Stadion nun doch keine Stehplatz-Tribünen erhalten könnten. Die Stadt Zürich hält aber zumindest an den separaten Fankurven fest: «Der FCZ erhält seine Südkurve», stellte Stadtrat Gerold Lauber, Vorsteher des Zürcher Schul- und Sportdepartements, am Montag klar. Dies, obwohl Stadtpolizei-Kommandant Philipp Hotzenköcherle schon früher öffentlich kritisiert hatte, dass dadurch ein Aufeinanderprallen mit Gästefans erleichtert werde.

Der Stadtrat lässt die Kritik jedoch weiterhin abprallen. «Die wesentlichen Sicherheitsaspekte sind bereits bei der Ausschreibung des Architekturwettbewerbs eingeflossen», sagte Hochbaudepartements-Sprecher Urs Spinner gestern auf Anfrage. Daran müsse man jetzt nichts ändern.

Die detaillierten Wettbewerbs-Unterlagen fürs neue Hardturm-Stadion übergebe Stadtrat André Odermatt den nun ausgewählten zwölf Architekturteams Ende Oktober. «Sicherheit wird dabei ein wichtiges Thema sein», so Spinner weiter. Bei der Gestaltung der Sektorentrennung, der Fluchtwege, der Aufmarschwege für die Polizei, der Zirkulationswege fürs Publikum und der Vereinzelungsanlagen beim Stadioneintritt gebe es noch einigen Spielraum für die Architekten.

Streitfrage Stehplätze

In der Streitfrage, ob das neue Stadion auch Stehplätze erhalten soll, lässt sich die Stadt laut Spinner beide Optionen offen. Auf Druck der Fussballklubs GC und FCZ sowie aus Fankreisen hatte der Stadtrat beschlossen, dass das neue Stadion auch Stehplätze erhält. Diese werden bei internationalen Spielen gemäss den Vorschriften des Europäischen Fussballverbands Uefa in Sitzplätze umgewandelt. An diesem Konzept hält die Stadt gemäss Spinner fest. «Man kann sich auch 2017 noch entscheiden, ob man Sitz- oder Stehplätze will», so der Hochbaudepartements-Sprecher. Dann soll das neue Stadion betriebsbereit sein. Mit Stehplätzen bietet es Platz für 19000 Zuschauer, ansonsten für 16000. Die Kosten sind auf 130 Millionen Franken veranschlagt.

Am Architekturwettbewerb beteiligen sich auch die Erbauer der neuen Stadien in Aarau (Burkard Meyer), in Luzern (Marques AG), in Thun (pool Architekten), Teams aus Spanien, Portugal und Norwegen sowie die Zürcher Lokalmatadoren Gigon/Guyer (Prime Tower). Der Wettbewerbssieger wird laut Stadtrats-Mitteilung im Juli 2012 präsentiert.