Sicherheitsbericht
Wie sicher lebt es sich in der Stadt Zürich?

Stadtrat Richard Wolff (AL) beurteilt die Sicherheit in der Stadt Zürich als hoch. Die Zahlen im neuen Sicherheitsbericht stützen diese Sicht mehrheitlich. Aber es gibt Problembereiche

Thomas Schraner
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Trotz dem stetigen Wachstum der Zürcher Bevölkerung ist die Stadt ein ziemlich sicheres Pflaster, laut Sicherheitsbericht.

Trotz dem stetigen Wachstum der Zürcher Bevölkerung ist die Stadt ein ziemlich sicheres Pflaster, laut Sicherheitsbericht.

Keystone

Scharenweise strömen die Ausgehfreudigen jeweils an Wochenenden nach Zürich, um zu feiern und zu trinken. Im Morgengrauen kommt es dabei auch regelmässig zu Pöbeleien mit und ohne Verletzte. Dennoch ist die Stadt Zürich ein ziemlich sicheres Pflaster. Diesen Schluss lässt die Lektüre des neuesten Sicherheitsberichts (2016) zu, den Stadtrat Richard Wolff (AL) gestern präsentierte. Er zeigte sich zufrieden mit der Sicherheit in der Stadt, für die er zuständig ist. Erstaunlich findet er, dass die Kriminalität in Zürich generell abgenommen hat, obwohl die Bevölkerung gewachsen ist.

Je nach Deliktkategorie zeigt die sogenannte urbane Kriminalität ein heterogenes Bild. Um acht Prozent zugenommen haben die Delikte gegen Leib und Leben. Unter diesem Titel figurieren Tötungen, Körperverletzungen, Tätlichkeiten, Gefährdungen des Lebens oder Raufhändel. Am stärksten ist die Zunahme bei den Tätlichkeiten (+23 Prozent), während die einfachen Körperverletzungen (+4 Prozent) nur leicht gestiegen sind. Hingegen waren die Anzeigen wegen Angriffs (–27 Prozent) und Gefährdung des Lebens (–45 Prozent) stark rückläufig. Viele dieser Delikte ereigneten sich laut Wolff nachts im Ausgang.

Weniger Jugendgewalt

Deutlich abgenommen (–8 Prozent) hat die Jugendgewalt, die früher gross Schlagzeilen machte. Laut Bericht geht der grösste Teil dieser Deliktarten aufs Konto von Minderjährigen, die nicht in Zürich wohnen. Im Langzeitvergleich haben sich die Fallzahlen seit 2009 sogar halbiert. Im Bericht wird dies unter anderem der polizeilichen Prävention zugeschrieben. Nicht gewirkt hat diese offenbar bei den Delikten in den sozialen Medien, die Jugendliche begangen haben. Dazu zählen Gewaltdarstellungen. Solche haben laut Bericht zugenommen.

Ebenfalls zugenommen hat die Internetkriminalität und zwar deutlich. Das nicht auf die Stadt Zürich beschränkte Phänomen zeigt sich besonders ausgeprägt bei den Betrugsfällen in der Stadt Zürich. Deren Zahl nimmt zwar seit Jahren ab. Gleichzeitig steigt aber seit 2014 der Anteil der im Internet begangenen Taten. 2016 lag dieser Anteil bereits bei 45 Prozent (Grafik). «Wir müssen hier mehr Prävention machen», kommentierte Wolff die Zahlen und verwies auf ein laufendes Projekt in den Stadtzürcher Primarschulen. Dort werden die Schüler auf die Gefahren des Internets aufmerksam gemacht.

Mehr Lärmklagen

Erneut zugenommen haben letztes Jahr die nach Mitternacht eingegangenen Lärmklagen und zwar um 9 Prozent auf 2362. Das ist der zweithöchste Wert seit 2012. Überdurchschnittlich viele Meldungen gab es laut Bericht von Juli bis September. Die Lärmklagen zählen zu den sogenannten Nachtstadt-Ereignissen. Das sind polizeiliche Journaleinträge unter anderem zu Tätlichkeiten oder eben Lärm zwischen ein Uhr und sechs Uhr morgens. Die Nachtstadt-Ereignisse stiegen letztes Jahr deutlich von 3611 (Vorjahr) auf 3898 Einträge an. Im Hinblick darauf habe die Stadtpolizei in den fraglichen Monaten in den Nächten von Freitag bis Samstag ihre Präsenz erhöht, steht im Bericht.

Einbrüche rückläufig

Rückläufig ist die Zahl der Drogendelikte, wobei das Suchverhalten der Polizei (und das Anzeigeverhalten der Leute) hier ein grosse Rolle spielen. «Je mehr polizeiliche Mittel man einsetzt, desto mehr findet man», sagte Wolff. Diese Statistik spiegelt die Realität also nur bedingt. Ein zuverlässigeres Bild liefern die Einbruchszahlen. Denn hier dokumentiert die Polizei sämtliche Vorfälle. In Zürich waren die Einbruchdiebstähle letztes Jahr mit 2470 Meldungen auf dem tiefsten Stand. 2012 waren es noch 6031 Fälle. Die Hintergründe dieser markanten Abnahme, die dem schweizweiten Trend folgt, seien nicht genau eruierbar, heisst es im Bericht. Möglicherweise trage die Prävention und Repression der Stadtpolizei auch dazu bei.

Feuerwehr und Rettungsdienst

Zu spät am Brand- oder Unfallort

Zehn Minuten nach der Alarmierung müssen die Stadtzürcher Feuerwehr und der Rettungsdienst am Brand- oder Unfallort sein. Diese Vorgabe kann Schutz und Rettung in den peripheren Gebieten der Stadt nicht erfüllen. Dabei gibt es grosse Unterschiede nach Stadtkreisen.

Auf den Rettungsdienst und damit auf medizinische Nothilfe müssen Patienten vor allem in den Kreisen 2, 11 und 12 zum Teil länger warten, wie es im Sicherheitsbericht heisst. Bei der Feuerwehr kann es in den Kreisen 7, 10, 11 und 12 länger dauern. Mit dem Bevölkerungswachstum verschärft sich das Problem. Deshalb sollen in den nächsten 10 bis 15 Jahren zusätzlich zu den bestehenden Wachen drei neue im Norden, Westen und Osten der Stadt entstehen. (tsc)