«Wahrscheinlich sprangen auch schon die alten Kelten in den Zürichsee», sagt Martin Walker. Der Buchautor hat kürzlich einen Zürcher Bäderführer veröffentlicht. Gestern führte er anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des Hallenbads City Interessierte durch Zürichs Badegeschichte.

Über die Badekultur der alten Kelten an Limmat und Zürichsee sind zwar kaum gesicherte Erkenntnisse überliefert. Doch die alten Römer hinterliessen Spuren eines Thermalbades. An der Thermengasse, nahe der Rathausbrücke, sind sie durch ein Gitter im Boden zu besichtigen. Die Therme war eine Art Sauna. Schwimmen konnte man dort nicht, dafür im Dampf sitzen, Schwitzen und sich in einer Wasserwanne abkühlen. Das Römerbad dürfte vom 1. bis ins 3. Jahrhundert in Betrieb gewesen sein.

Danach fand Zürichs Badekultur lange Zeit wohl ohne eigens dafür erstellte Bauten statt. Ein Erlass der Stadtregierung aus der Endzeit des Mittelalters lässt erahnen, wie die mittelalterlichen Zürcher planschten: Das Springen von den Wasserrädern in der Limmat wurde 1525 unter Androhung von Busse verboten, ebenso das dabei offenbar übliche Gekreische.

1804 weihte die Stadt dann ihren ersten offiziellen Badeplatz am See ein. Er lag nahe beim heutigen Bellevue. In den 1840er-Jahren begann der Boom der sogenannten Kastenbäder. Es waren schwimmende Bäder, die sich im Wasser verschieben liessen. Einige davon sind noch heute in Betrieb: Das Männerbad Schanzengraben ist das älteste davon. Um die Wende zum 20. Jahrhunderts entstanden das Frauenbad nahe bei der Seemündung, das Bad Utoquai am See und das Flussbad Unterer Letten als Weiterentwicklungen des Kastenbades.

Rebellion im Strandbad

Die Geschlechtertrennung wurde 1922 im neu eröffneten Strandbad Mythenquai durch einen rebellischen Akt aufgehoben. Zwar war eine Trennwand zwischen dem Männer- und dem Frauenbereich eingebaut, doch kaum jemand hielt sich daran. Kurz darauf wurde die Trennwand abgebaut.

Quartier-Freibäder mit grossen Liegewiesen folgten, etwa das in den 1940er Jahren von Max Frisch erbaute Letzibad. Das vor 75 Jahren eröffnete heutige Hallenbad City blieb bis in die 1970er-Jahre das einzige Stadtzürcher Hallenbad.

Dann folgten weitere, darunter auch das Hallenbad Oerlikon. In Oerlikon steht nun das nächste grosse Badbauprojekt an: Ein Neubau soll das in die Jahre gekommene Hallenbad ersetzen. Die Planungen dafür laufen schon seit einiger Zeit. Nächstes Jahr soll es konkreter werden.