Spätestens ab 2040 müssen grosse Kläranlagen so ausgebaut sein, dass sie mindestens 80 Prozent der sogenannten «Mikroverunreinigungen» aus dem Abwasser entfernen können. Diese organischen Spurenstoffe – unter anderem Rückstände von Medikamenten, Reinigungsmitteln, Pflanzen- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie Kosmetika – können selbst in sehr geringen Konzentrationen das Wachstum von Pflanzen und Tieren in Gewässern beeinträchtigen.

Die Stadt Zürich macht vorwärts: Sie hat in dieser Woche begonnen, ihr Klärwerk Werdhölzli um die erforderliche Reinigungsstufe zu erweitern.

Die Baukosten werden auf 50,4 Millionen Franken geschätzt. Der Stadtrat hat diese gebundenen Ausgaben bereits im Sommer bewilligt. Vom raschen Handeln verspricht er sich nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Vorteile. Der Bund hat einen Spezialfinanzierungstopf geschaffen.

Kosten von 1,2 Milliarden Franken

Denn landesweit müssen rund 100 der bestehenden 700 Abwasserreinigungsanlagen ausgebaut und modernisiert werden. Es handelt sich um jene, die über ein grosses Einzugsgebiet (über 80 000 Einwohner) verfügen oder an einem See liegen.

Bei den kleinen Anlagen wäre das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu ungünstig. Und mit dem Aufrüsten der 100 grossen Anlagen kann gemäss einer Studie bereits viel erreicht werden: «Der Eintrag an organischen Spurenstoffen in die Gewässer wird halbiert und die Wasserqualität in vielen belasteten Gewässern wird deutlich verbessert.» Der Bund geht von Gesamtinvestitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Franken aus.

Damit diese Kosten nicht nur bei den 100 betroffenen Anlagebetreibern – und deren Gebührenzahlern – hängen bleiben, fordert der Bund von allen 700 Inhabern zentraler Abwasserreinigungsanlagen eine neue Abgabe von neun Franken pro Einwohner ein. Aus diesem so geäufneten Topf sollen drei Viertel der Kosten finanziert werden.

Eine Investition für die Limmat

Wer nun aber seine Kläranlage bereits vor dem Fristende im Jahr 2040 modernisiert, der muss diese Neun-Franken-Abgabe ab Inbetriebnahme der neuen Reinigungsstufe nicht mehr leisten. Ein rascher Ausbau lohnt sich also: Im Fall der Stadtzürcher Werdhölzli-Anlage wird die neue Klärstufe zwar jährliche Mehrkosten von gegen 2,75 Millionen Franken verursachen.

Diese liegen aber tiefer als die bis dahin anfallende Neun-Franken-Gebühr, die sich für das Werdhölzli auf rund 3,7 Millionen belaufen wird. «Damit spart die Stadt jährlich rund eine Million Franken ein», sagte Filippo Leutenegger im Sommer. Und, als weiterer, unbezahlbarer Vorteil des Projekts: «Die Limmat profitiert ökologisch.»

Im Werdhölzli wird eine Ozonungsanlage erstellt. Durch Ozon werden die komplexen Moleküle der Mikroverunreinigungen aufgespalten. Diese werden dadurch unwirksam und können einfacher abgebaut werden. Laut einer Medienmitteilung der Stadt Zürich soll die Anlage 2018 in Betrieb gehen.