Prävention

Wie man beim Gamen den Umgang mit Geld lernen kann

Im Fach «Wirtschaft-Arbeit-Haushalt» des Lehrplans 21 werden die Finanzkompetenzen der Jugendlichen geschult.

Im Fach «Wirtschaft-Arbeit-Haushalt» des Lehrplans 21 werden die Finanzkompetenzen der Jugendlichen geschult.

Der Verein Finance Mission schult Jugendliche in ihrem Umgang mit Geld

Für einmal ist gamen im Unterricht erlaubt. Der Verein Finance Mission mit Sitz in Zürich hat vor einem Jahr das Lernspiel Financemission Heroes und Unterrichtsmaterial für die Schule lanciert. Inhaltlich will das Spiel wie auch der Lernstoff die Finanzkompetenz von Jugendlichen fördern.

Dabei hat der Verein bei der Entwicklung des Lernspiels, dessen Inhalt auf den im Kanton Zürich auf das Schuljahr 2018/19 einzuführenden Lehrplan 21 abgestimmt. Ursula Huber, Geschäftsführerin von Finance Mission, sagt: «Wirtschaft-Arbeit-Haushalt ist ein neuer Fachbereich im Lehrplan 21. Unter anderem wird die Finanzkompetenz der Jugendlichen geschult. Dabei werden Themen wie Kaufentscheidungen, der Umgang mit Geld oder das Budgetieren behandelt.»

Der Umgang mit Geld soll möglichst früh geschult werden. Dies scheint auch dringend nötig. Wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, wohnt jeder vierte Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren in einem Haushalt mit Zahlungsrückständen. Erhebungen belegen, wer früh in die Schulden abrutscht, schaffts es, wenn überhaupt, nur beschwerlich wieder aus der Schuldenspirale heraus.

Der Verein Finance Mission macht derzeit mit Fernsehwerbung auf die Tücken des bargeldlosen Bezahlens auf seine Tätigkeit aufmerksam. Gegründet wurde der Verein vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), dem Syndicat des Enseignants Romands (SER) und dem Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB). Letztere waren bei der Entwicklung der Lehrmittel nicht involivert. Jedoch unterstützen sie den Verein finanziell. Wie Huber sagt, sei die Motivation gegen die Jugendverschuldung vorzugehen, gerade bei den Banken gross.

Über Risiken aufklären

So setzt sich die Zürcher Kantonalbank bereits heute für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld ein. «Wir merken, dass das Thema Jugendverschuldung brisant ist. Das Interesse unserer Kunden an Fragen zu Geld und Konsum zeigt, dass die gezielte Förderung der Finanzkompetenz von Jugendlichen und die Sensibilisierung für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld der richtige Ansatz sind», sagt Olivier Cordey von der Zürcher Kantonalbank.

Deshalb entwickelte die ZKB in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Juventute eine Broschüre, die Fragen zum Umgang mit Geld beantwortet. Diese wird von der Stiftung an Elterngesprächen eingesetzt. «Rund 38 solcher Elternabende finden im Kanton pro Jahr statt», so Cordey. Mittlerweile führe die Bank entsprechende Informationsveranstaltungen auch intern durch. Also für Angestellte, die Eltern sind.

Laut Cordey weitet die ZKB dieses Angebot nun auch gezielt auf Bankkunden aus, die Kinder haben. Die Motivation der ZKB auf die Gefahren des bargeldlosen Einkaufens und Bezahlens hinzuweisen, erklärt Cordey folgendermassen: «Der Umgang mit Geld gehört zu unserem Kerngeschäft. Als Kantonalbank erfüllen wir einen Leistungsauftrag. Neben dem Anbieten von Finanzprodukten, klären wir auch über Risiken auf.»

Da der Lehrplan im Kanton Zürich voraussichtlich in einem Jahr eingeführt ist, ist Finance Mission in der Region erst langsam auf dem Vormarsch. Derzeit konzentriert sich der Verein auf die Kantone, die den neuen Lehrplan bereits eingeführt haben oder diesen noch in diesem Jahr einführen werden. Namentlich geht es hier um die Kantone Basel-Stadt, Graubünden, Obwalden, St.Gallen und Appenzell Innerrhoden sowie Ausserrhoden. In diesen Kantonen lanciert der Verein zusammen mit dem Präsidenten Beat Zemp, der auch den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer präsidiert, zusammen mit Regierungsräten und Verantwortlichen Bildungsvertretern Kick-off Veranstaltungen zur Einführung in die Unterrichtsmaterialien.

Huber zieht nach der erst kurzen Vereintstätigkeit ein erstes Resumé: «Nach dem ersten Jahr nun ziehen wir Bilanz und werten die Erfahrungen von Lehrpersonen und Schülern aus. Auf der Basis der Ergebnisse werden wir das Lerngame sowie die Unterrichtsmaterialien weiterentwickeln.» Bei Schülern wie Lehrern komme das Spiel gut an. Lehrer begrüssen dass sie vorbereitete Materialien ohne grösseren Aufwand im Unterricht integrieren können. Den Schülern dagegen gefällt der spielerische Aspekt. Spielen aber können es alle.

Das Game kann im App-Store oder von Google Play heruntergeladen werden. Online kann man es direkt auf der gleichnamigen Homepage des Vereins spielen. Wichtig für Huber ist zudem: «Das Spiel ist so konzipiert, dass keine Daten gesammelt werden. Man kann es ohne Logins spielen.»

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