Gericht
Wie lange eine Kalaschnikow im Auto liegen darf

Eine Waffe muss nach dem Kauf nach Hause transportiert werden – Umwege und ein Barbesuch können aber drinliegen.

Oliver Graf
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Wie lange eine Kalaschnikow im Auto liegen darf.

Wie lange eine Kalaschnikow im Auto liegen darf.

Keystone

Während 14 Stunden lag eine Kalaschnikow, die sich ein 48-jähriger Schweizer zum Geburtstag gekauft hatte, in dessen Wagen. Statt direkt nach Hause zu fahren, hatte er mehrere Zwischenstopps eingelegt. Das Obergericht hatte den Mann im vergangenen September dennoch vom Vorwurf des unbewilligten Waffentragens freigesprochen – jetzt liegt das begründete Urteil vor.

Unbestritten ist der Ablauf. Der Mann erwarb um die Mittagszeit bei einem Händler im Kanton Aargau eine Waffe. Diese legte er nicht abgedeckt in den Fussraum hinter dem Fahrersitz seines Mercedes. Er fuhr in der Folge nicht umgehend an seinen Wohnort am Zürichsee zurück.

Er stiess bei einem Kollegen zunächst auf seinen Geburtstag an, holte dann gegen 15.30 Uhr bei einer Firma etwas ab und ass um 18.30 Uhr an einem Stand am Strassenrand eine Wurst. Anschliessend feierte er in einer Bar, die ein paar hundert Meter von seiner Wohnung entfernt lag, seinen Geburtstag.

Kurz vor zwei Uhr in der Früh ging der Mann zu seinem Wagen, um Geld für die Rechnung zu holen. Ein anderer Gast war ihm dabei auf den Parkplatz gefolgt – und griff nach der im Wagen liegenden Kalaschnikow. Der Besitzer nahm sie ihm umgehend wieder ab. Das Gerangel um die Waffe hatten Anwohner gesehen, die die Polizei alarmierten.

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen «Waffentragens ohne Bewilligung» und wegen «unsorgfältigen Aufbewahrens von Waffen» an. Das erstinstanzlich zuständige Bezirksgericht verurteilte den Mann – es auferlegte ihm eine Busse von 1500 Franken sowie eine bedingt Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

Das Gesetz verlange aber nicht, dass eine erworbene Waffe unverzüglich und auf direktem Weg nach Hause geschafft werden müsse, machte der Mann geltend. Das Obergericht als zweite Instanz bestätigte dies nun: Es sei vom Waffentragen zwecks Bewaffnung und dem Mitführen einer Waffe zwecks Transport zu unterscheiden. Das Waffentragen, worunter auch das ständige Mitführen einer Waffe in einem Wagen fällt, ist bewilligungspflichtig, das Transportieren nicht.

Generelle Regeln, wie die Waffe von einem Ort zum andern zu verbringen sei, bestünden nicht, hält das Obergericht fest. Das Gesetz spricht davon, dass der Transport so lange dauern dürfe, wie es «angemessen» sei. Dies erlaubt einen gewissen Spielraum: Unangemessen wäre es gewesen, wäre der Kalaschnikow-Besitzer auf dem Weg zur Bar am Zielort, also an seiner Wohnung, vorbeigefahren, schreibt das Obergericht im gestern im Internet veröffentlichten Urteil.

Doch auch der letzte, längere Zwischenstopp sei kurz vor dessen Wohnung erfolgt. «Dieser Zwischenhalt ist noch vom ursprünglichen und eigentlichen Transportzweck gedeckt, eine unangemessene räumliche Abweichung liegt nicht vor.»

Dass der Mann seine neue Waffe unsorgfältig aufbewahrt haben soll, glaubt das Obergericht auch nicht. «Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass sein Fahrzeug verdunkelte Fenster aufwies und es zudem über eine Einbruchsicherung und über eine Alarmanlage verfügte.» Er habe damit sein Möglichstes getan, um einen Unberechtigten vor einem Zugriff auf die Waffe abzuhalten. (og)