Zürich

Wie klimafreundliches Bauen geht, zeigt ein Projekt in Wallisellen

Peter Doderer, Präsident der Baukommission des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, führt durch die Baustelle des neuen Ausbildungszentrums.

Peter Doderer, Präsident der Baukommission des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, führt durch die Baustelle des neuen Ausbildungszentrums.

Das neue Ausbildungszentrum des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands in Wallisellen soll möglichst umweltfreundlich gebaut werden. An einer Baustellenführung zeigten Vertreter der Baubranche, wie das bewerkstelligt wird.

Neben dem Bahnhof Wallisellen wird zurzeit das neue Ausbildungszentrum des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, kurz SMGV, gebaut. Für rund
30 Millionen Franken entsteht ein Gebäudekomplex, der neben dem Geschäftssitz und Ausbildungsstätten für angehende Maler und Gipser auch den Verband der Schweizerischen Schreinermeister und Möbelfabrikanten sowie die Coiffeur Suisse beherbergen wird.

Das Ausmass des Projekts wird an der Anzahl involvierter Baufirmen ersichtlich: 30 Unternehmen mit rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind am Bau beteiligt, damit das Ausbildungszentrum 2021 bezogen werden kann. Die Maxime des Millionenprojekts: möglichst umweltverträglich bauen.

Wände bestehen aus Stahlblechprofilen

«Mit dem Bau des Ausbildungszentrums nehmen der Verband und seine Mitglieder sozusagen eine Vorbildfunktion ein», erklärt Peter Doderer, Präsident der SMGV-Baukommission. «Wir wollen damit zeigen, wie man mit möglichst wenig Energieaufwand umweltfreundlich bauen kann.» Doderer präsentierte an der Baustellenbegehung die verschiedenen Massnahmen, die man bei der komplizierten Planung des Gebäudekomplexes getroffen hat. Der Anlass wurde von der Organisation Bausinn.ch, die sich für die Wertschätzung der Schweizer Baubranche einsetzt, durchgeführt. Beim Gang durch die Hallen und Flure des Ausbildungszentrums sieht man an den nackten Wänden noch, was hinter dem umweltfreundlichen Bauen tatsächlich steckt. Anstelle eines Rohbaus aus Beton besteht ein Grossteil der Wände aus Stahlblechprofilen, die mit Gipsplatten abgedeckt werden. Hinter diesen spielt sich auch das ab, was zur Nachhaltigkeit des Gebäudes beiträgt: Neben Wasser und Lüftungsleitungen werden die Hohlräume auch mit Mineralwolle als Dämmstoff ausgekleidet.

Der Vorteil dieses Systems, neben der einfachen Montage, ist, dass die Gipsplatten einfach wieder rezykliert werden können. Aber auch in Sachen Energie hat man investiert: 30 Erdsonden versorgen das Gebäude mit Wärme. Im Sommer wird ein passives Kühlsystem eingesetzt. Gerade beim komplexen Heizsystem des Gebäudes zeigt sich der enorme Planungsaufwand. Das Ausbildungszentrum wird nämlich über die Decken geheizt und gekühlt. Mit thermoaktiven Bauteilsystemen, sogenannten Tabs, in den Decken wird die Temperatur in den Räumen reguliert. Die Tabs speichern dabei die Energie im Beton und nutzen ihn zur Wärmung.

Hier prallen die Bedürfnisse an die Wärmeisolation und die Schalldämpfung aufeinander. Eine konventionelle Schallisolation würde den Wärmeeffekt dämmen. Mithilfe von Lamellen aus Aluminium kann das Problem umgangen werden.
Die Glaswolle in den Lamellen dämpft den Lärm, durch das Metall wird die Wärme ungestört weitergeleitet. Auf den Dächern des Komplexes will man zudem zwei Photovoltaikanlagen errichten und damit rund zwei Drittel des Energiebedarfs via Solarstrom decken.

Grosse Chancen für den Klimaschutz

In Zeiten der Klimadiskussion ist die Baubranche wiederholt in den Fokus gerückt. Laut einer Erhebung des Bundesamts für Umwelt sind in der Schweiz Gebäude für 26 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Dabei werden gerade in diesem Bereich seit Jahren grosse technische Fortschritte gemacht. Seit 1990 konnten die Emissionen von Gebäuden um rund 25 Prozent gesenkt werden.

Am Beispiel des SMGV-Ausbildungszentrums sieht man auch die Chancen für den Klimaschutz: Der Neubau wird nach Minergiestandard gebaut. Aber auch am alten Gebäude spart man dank moderner Isolationstechnologie Energie. Laut Christoph Andenmatten, Präsident von Bausinn.ch, können rund eine Million Gebäude in der Schweiz auf die gleiche Art klimafreundlicher werden. «Es gibt noch sehr viel Potenzial», sagt er.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1