Zürich
Wie hat man früher geschlafen? Drei Einblicke in die Geschichte des Bettes

Wann kam eigentlich das Pyjama auf? Antworten darauf gibt eine neue Ausstellung im Landesmuseum.

Heinz Zürcher
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Musste auch repräsentativ sein: Hausmantel.
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Für den Weltfrieden im Bett vor versammelter Journalistenschar: Das «Bed-in for Peace» von Yoko Ono und John Lennon im Jahr 1969 ging um die Welt.
Drei kleine Bettgeschichten
Ehebett von 1767, Bei Wohlhabenden brachte die Braut das Doppelbett und den Wäscheschrank in die Ehe mit.

Musste auch repräsentativ sein: Hausmantel.

zvg

Gut ein Drittel unserer Zeit verbringen wir im Bett, die einen mehr, die anderen weniger. Kein Möbel ist uns wohl so nah. Aber wie hat man früher geschlafen? Das Landesmuseum in Zürich widmet dem Bett ab heute eine Ausstellung und führt die Besucher durch die Schlafgemächer der gehobenen Schweizer Gesellschaft des 17. bis 20. Jahrhunderts. Wir erzählen schon mal drei kleine Geschichten.

Im Himmelbett

Ein eigenes Bett – das war für lange Zeit auch in der Schweiz ein Luxus. Man war froh, überhaupt eine Unterlage zu haben und nicht mit Mäusen und Käfern auf dem Boden schlafen zu müssen. Nachts rückte man zusammen oder hielt sich in der Nähe des Ofens warm. «Erst ab dem 14. und 15. Jahrhundert besitzt man ein Bett, wie man es heute kennt», sagt Christina Sonderegger, die zusammen mit Joya Indermühle die neue Ausstellung im Landesmuseum ­kuratiert hat.

Während die Unterschicht im 17. Jahrhundert ganz einfache Möbel besitzt, wandelt sich das Bett in der gehobenen Schweizer Gesellschaft zum ­Statussymbol. Es werden die ersten Himmelbetten gebaut – und dies aus rein praktischen Gründen. Das Dach soll ver­hindern, dass einem im Schlaf von der Zimmerdecke Dreck auf die Nase rieselt und Ungeziefer herunterfällt. Vorhänge schützen vor Zugluft und beim Liebesspiel vor neugierigen ­Blicken.

Wer etwas auf sich hält, lässt sein Himmelbett bemalen und verzieren und zeigt es im grössten Raum mit Stolz seinen Gästen. «Es soll repräsentieren, zeigen, dass man vermögend ist und Kunstverstand besitzt», sagt Sonderegger. «Das Bett, die Decken und Kissen gehören oftmals zum Wertvollsten im Haus.» Dazu gönnt man sich ein Keilkissen. Denn geschlafen wird in fast aufrechter Haltung – man will schliesslich nicht ­aussehen wie ein Toter. Richtige Matratzen hat damals auch die Oberschicht noch keine. Man liegt auf Stroh oder Säcken mit Eichen- und Buchenlaub, das man im Herbst einsammeln lässt. Darüber eine Schicht aus Tüchern und Kissen. Erst im späteren 19. Jahrhundert wird die riechende Laubunterlage durch Stahlfedern ersetzt.

Das Nachtgewand

Zu Bett ging man im Mittelalter nackt. «Textilien waren wertvoll, die zog man lieber dann an, wenn man sie zeigen konnte», sagt Co-Kuratorin Joya Indermühle. Im 15. Jahrhundert werden in Italien erstmals Nachthemden erwähnt. Sie sind damals noch schlicht geschnitten und weiss. Bis Reisende im Orient den Kaftan und in Indien die Seidenstoffe entdecken und sich in der Heimat edle Nachtgewänder und Hausmützen schneidern lassen.

«Der Hausmantel hatte eine gesellschaftliche und repräsentative Funktion», sagt Indermühle. «Er wurde mit künstlerischem und intellektuellem Geist in Verbindung gebracht.» Wer sich einen leisten konnte, liess sich darin porträtieren, am Schreibtisch oder am Sekretär.

Ein Bett für zwei

Während die Familie der Unterschicht im 17. Jahrhundert eng zusammengepfercht die Nacht verbringt, leistet sich der Adel für Mann und Frau ein eigenes Schlafgemach. «Aber die Schamgrenze ist tief», sagt Christina Sonderegger. «Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, dass auch Gäste im Bett des Hausherren übernachten.» Bis Epidemien das Bewusstsein für Hygiene schärfen.

Das Bedürfnis nach Reinheit und moralische Wertvorstellungen verdrängen das Schlafzimmer bald vom grössten Raum des Anwesens in den Hintergrund. Man lässt sich Einzelbetten schreinern, die man bei Bedarf zu einem Doppelbett zusammenschieben kann.

Es bleibt aber ein wichtiges Möbelstück, das die Braut mitsamt der teuren Bettwäsche als Aussteuer in die Ehe mitbringt. Eine 1882 gegründete Firma namens Möbel Pfister wird mit dem Trend viel Geld verdienen. Sie wirbt mit Finanzierungsmodellen, dank derer sich junge Brautleute nach drei Jahren ­Sparen ein schönes Doppelbett leisten können.

Bis in die späten 1960er-­Jahre bleibt das Schlafzimmer eine Tabuzone. Es braucht die ­Love-and-Peace-Bewegung der 1970er-Jahre und das Paar Yoko Ono und John Lennon, das sich vor versammelter Journalistenschar für den Weltfrieden im Bett ablichten lässt, damit es ­seine Intimität wieder ein wenig verliert.

«Bettgeschichten»

Ausstellung vom 3. Dezember bis zum 4. April im Landesmuseum Zürich mit sechs Schlafzimmern und Medienstationen.